Filmkritiken

The Wall of Mexico — Die Fabel, die Trumps Grenzdebatte auf den Kopf stellt

Martha Lucas

Der Brunnen auf dem Anwesen der Arista-Familie versiegt nie. Die wohlhabende mexikanisch-amerikanische Familie lebt auf einer Ranch am Rande einer namenlosen Stadt, während die Umgebung austrocknet und die Einwohner des Ortes sich fragen, wo das Wasser bleibt. Als Patriarch Henry Arista (Esai Morales) einen jungen weißen Handwerker namens Donovan Taylor (Jackson Rathbone) einstellt, um die Anlage zu pflegen, bringt er unwissentlich jemanden in sein abgeschirmtes Welt, der Fragen stellt.

Zachary Cotler und Magdalena Zyzak eröffneten ihr erstes gemeinsames Spielfilmprojekt The Wall of Mexico mit einer einzigen, präzise kalibrierten Umkehrung: Die mexikanisch-amerikanische Familie ist die begüterte — und die weißen Einheimischen sind die Verzweifelten, die über den Zaun klettern. Die politische Allegorie liegt offen zutage; das ist beabsichtigt. Was das Projekt über bloße Polemik hinaushebt, ist die Disziplin der Regie, die innere Logik des Films für sich sprechen zu lassen. Der Mauer, den die Aristas errichten, braucht keine externe Erklärung.

Marisol Sacramento und Carmela Zumbado als Töchter Tania und Ximena sind das Herzstück des Films. Sie beobachten den hilflosen Don mit einer aristokratischen Herablassung, die sich zunehmend in etwas Mehrdeutiges verwandelt. Sacramento findet in ihrer Rolle echte Tiefe, die über das Typische hinausgeht; die Chemie zwischen den beiden Schauspielerinnen trägt den emotionalen Kern. Rathbones Don erfüllt seine Funktion als Außenperspektive — ein Mann, der zum ersten Mal nicht auf der privilegierten Seite steht.

Die Schwächen des Films sind greifbar. Mit 111 Minuten dehnt sich der Mittelteil über das Tragvermögen des Konzepts hinaus. Einige Szenen kreisen um die Allegorie, ohne ihr neue Tiefe zu verleihen. The Wall of Mexico zeigt die Nähte eines Erstlingswerks. Dennoch gelingt den Regisseuren, was den meisten politischen Satiren dieser Ära nicht gelingt: die Umkehrung konsequent durchzuhalten, ohne sie erklären oder rechtfertigen zu müssen. Das Weltbild des Films ist in sich geschlossen — und genau deshalb funktioniert es.

Der Brunnen der Aristas ist noch immer voll. Ob das Wasser Gnade, Macht oder etwas Unheimlicheres bedeutet, lässt der Film offen. Das ist die richtige Entscheidung.

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