Filmkritiken

Alone – Du kannst nicht entkommen: 98 Minuten Hochspannung mit Jules Willcox

Liv Altman

Es gibt eine Einstellung in der Mitte von Alone, die den gesamten Film in vier Sekunden zusammenfasst: Jules Willcox am Rand eines Baches in der Wildnis von Oregon — frisch verwitwet, mit einem Mann, der sie töten will — weint nicht, bricht nicht zusammen, betet nicht. Sie kalkuliert. Ihre Augen lesen die Strömung, die Baumgrenze, das Licht. John Hyams braucht nichts mehr, um zu erklären, wer diese Frau ist und warum es sich lohnt, ihr 98 Minuten lang zu folgen.

Hyams verfilmte Alone als Remake des schwedischen Thrillers Försvunnen (2011), geschrieben und ko-inszeniert von Mattias Olsson, der auch das Drehbuch für diese amerikanische Version adaptierte. Die Prämisse ist radikal komprimiert: eine Frau allein auf einer Bergstraße in Oregon, ein feindseliger Fremder in einem Pickup, eine Eskalation, die einsetzt, bevor man sich in seinem Sessel niedergelassen hat. Hyams, der sich an den späten Universal-Soldier-Fortsetzungen die Sporen verdiente, weiß, was das Genre verlangt, und weigert sich, mehr zu liefern. Keine Villain-Rückblenden, kein paralleles Polizeiverfahren, keine Kavallerie in letzter Minute. Es gibt Jessica. Es gibt den Mann, der sie verfolgt. Es gibt den Wald.

Marc Menchaca spielt diesen Mann — namenlos im Abspann, von leicht häuslichen Manieren, von erschreckend geordneter Methodik. Anthony Heald erscheint in der Gelenkszene des Films als Nachbar, dessen Loyalitäten kurz die Karte neu gestalten. Aber Alone ist Jules Willcox‘ Film von der ersten bis zur letzten Einstellung. Ihre Jessica ist weder das zitternde Opfer noch die Racheengelin: Sie ist eine Frau, die echten Schock dadurch verarbeitet, dass sie handelt — Knoten bindet, Gelände liest, ihre Kopfwunde überwacht, Entscheidungen trifft, die manchmal richtig und manchmal falsch sind. Die körperliche Hingabe ist total und unglamourös.

Mit 94% bei Rotten Tomatoes ist die Kritikeraufnahme nicht überraschend. Alone macht die Sache richtig: ein 98-Minuten-Film, in dem jede Szene der Mechanik dient, nichts brachliegt und das Finale seine Wendung ehrlich verdient. Ein Thriller, der genau weiß, was er ist — und das mit vollendeter Handwerkskunst umsetzt.

Regie

John Hyams
Photo: Michael Buckner/Deadline/REX/Shutterstock

John Hyams

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