Filmkritiken

Underneath the Same Moon: Was das Herz nicht vergisst, obwohl das Gedächtnis es löschte

Liv Altman

Das romantische Amnesie-Kino folgt seit Jahrzehnten derselben moralischen Logik: Die Erinnerung kehrt zurück, die Liebe stellt sich wieder ein, und alles findet seinen Platz. Underneath the Same Moon, das 2019 von Bob Wasson inszenierte Drama, bricht diesen Vertrag mit einer Variante, die präziser und unbequemer ist: Sein Protagonist hat nicht vergessen, wen er liebt — er hat fünf Jahre Ehe nie wirklich verinnerlicht. Das Letzte, was er mit Klarheit erinnert, ist der Kauf eines Verlobungsrings für seine Ex-Freundin.

Die Ahnenreihe des Genres ist lang. Von Random Harvest (1942), wo Ronald Colmans kriegstraumatisierter Soldat eine glückliche Ehe aufgibt, weil seine Vorkriegserinnerungen alles überlagern, bis zu The Vow (2012) haben Filmemacher die Amnesie als Metapher für verlorene Liebe eingesetzt. Was Wasson und sein Ko-Drehbuchautor Tom Arndt unterscheidet: Sie benutzen den Gedächtnissverlust nicht als Hindernis, das überwunden werden muss, sondern als Enthüllung. Das Herz des Protagonisten trauert nicht um das Vergessene — es sehnt sich nach dem Unvollendeten. Das Gehirn hat fünf Jahre Ehe archiviert. Der Körper offenbar nicht.

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Wasson inszeniert mit Geduld. Die 117 Minuten verdanken ihren Rhythmus nicht dem Frage-Mechanismus — wen wählt er, wann erinnert er sich? — sondern der schwieriger zu haltenden Innenperspektive: einem Mann, der in seinem eigenen Leben wie ein Fremder lebt. Sara Ball, Meg Cashel und Anderson Davis liefern zurückgehaltene Leistungen; das Nebenensemble (Jose Garza, Justin Guyot, Todd Hererra, Phil Holmer) gibt dem sozialen Umfeld eine Glaubwürdigkeit, die die Entscheidungen des Protagonisten mit realen Konsequenzen belastet.

Die eigentliche Leistung des Films ist die Verweigerung des emotionalen Abkürzungswegs. Die meisten Amnesie-Romanzen lösen den Konflikt zwischen Herz und Verstand auf, indem sie die verlorene Erinnerung zurückbringen. Underneath the Same Moon hält die Frage länger offen und setzt auf die schwierigere These: Das Nervensystem bewahrt, was das Gehirn löscht.

Als Genrefilm, der fair mit seinen eigenen Prämissen umgeht, liegt das Ergebnis zwischen handwerklich solide und leise mutig. Die Komödienanteile mildern das existenzielle Gewicht, ohne es aufzulösen; die Romanze hält ihre Spannung, weil Wasson beiden Frauen eigene Konturen gibt. Underneath the Same Moon ist kein Film, der Fragen beantwortet — er hält sie offen und bietet dabei Gesellschaft an.

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