Musik

Ariana Grande über ‘Petal’: „ungefilterte Wut“

Noah Brandt

Ariana Grande hat eine Karriere lang so geklungen, als wäre sie die Kontrolle in Person – die Gelassenheit in den Läufen, die Disziplin auf jeder Oberfläche, eine Stimme, die niemals überzulaufen scheint. Das Verstörendste an ihrem neuen Album ist deshalb nicht, dass sie es wütend nennt. Es ist das Wort, das sie wählt, um zu erklären, woher es kam.

„Und doch ist es für mich gleichzeitig sehr experimentell und anders, und ich habe aus einem Ort geschrieben, den ich sonst nicht betrete – ungefilterte Wut“

So hat Grande Petal in dem von Variety zitierten Release-Woche-Interview eingeordnet und die Fans auf eine Version ihrer selbst vorbereitet, die sie normalerweise hinter der Bühne lässt. Hört man genau hin, ist das tragende Wort nicht Wut – es ist ungefiltert. Grandes gesamtes Handwerk war eine Übung im Filtern: das retuschierte Image, die Songs, die sie eigenen Angaben nach normalerweise umschreibt, um sie freundlicher zu machen, der Instinkt, den sie als „zu schüchtern, um da hineinzutauchen“ beschreibt. Wut ist eine Stimmung, die jeder Popstar ankündigen kann. Den Filter zu entfernen, ist eine Entscheidung darüber, wie die Arbeit entsteht.

Diese Entscheidung hört man in der Single. Wo Grande normalerweise einen Chorus vergoldet, bis er glänzt, lässt „Hate That I Made You Love Me“ den Rahmen nackt – ein knisternder Synth-Hook, spärliche Instrumentierung, viel Raum um eine Stimme, die nicht mehr jede Kante glättet. Variety hört das gesamte Album als eine „wütende und kantige“ Wende, die die gefasste Herzschmerz-Ästhetik von Eternal Sunshine gegen etwas eintauscht, das näher an Rache und Verlangen liegt. Was daraus ein Argument und nicht bloß einen Kostümwechsel macht, ist die Subtraktion. Sie fügt der Ariana-Grande-Soundkulisse keine Wut hinzu; sie nimmt den Schliff weg, der immer der Punkt war.

Das ist der eigentliche Wagemut hier – und er ist größer, als es eine Schlagzeile über ein „wütendes Album“ vermuten lässt. Grande ist die große Kontrolleurin des Pop – die Sängerin, deren Markenzeichen Präzision ist, deren öffentliches Ich seit Jahren mit ungewöhnlicher Sorgfalt gemanagt wird. Die Schüchternheit, die sie benennt, ist derselbe Instinkt, der den Schliff hervorgebracht hat. Einen Song unfreundlich bleiben zu lassen, die Wut des ersten Entwurfs auf dem Band zu belassen, statt sie weich umzuschreiben – das heißt, gegen den Reflex zu arbeiten, der ihre Stimme erst gebaut hat.

Das garantiert nicht, dass die Songs gut sind; ungefiltert ist kein Synonym für wahr, und eine Kontrolleurin kann Kontrollverlust genauso gekonnt inszenieren wie alles andere. Aber das interessante Risiko liegt bereits auf dem Album. Zum ersten Mal wettet die präziseste Stimme des Pop darauf, dass der Makel – das, was sie normalerweise glattschleifen würde – der Teil ist, den es zu behalten lohnt. Wenn sie recht hat, ist Petal nicht ihr wütendes Album. Es ist das erste, auf dem man hört, wie sie klingt, bevor sie entscheidet, wie sie klingen will.

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