Musik

Vuelo-505-Schlagzeuger Iván Fernández mit 45 an ALS gestorben: Er gab die Sticks ab, nie seinen Platz

Alice Lange
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Am schnellsten verbreitet sich Iván Fernández’ eigener Satz: ein Abschied, in dem er die Zurückbleibenden bittet, sich nicht länger wegen Kleinigkeiten zu sorgen und jeden Tag so zu leben, als wäre es der letzte. Ein guter Satz. Doch die aufschlussreichere Geschichte über den an ALS verstorbenen Schlagzeuger steckt in der Antwort seiner Bandkollegen. In dieser Band, schrieben sie, werden wir immer zu fünft sein.

Das klingt wie eine typische Würdigung. Zugleich beschreibt es ganz nüchtern, wie die Rockband aus Logroño ohnehin schon gearbeitet hatte. Als die Krankheit Fernández am Spielen hinderte, schoben ihn die anderen nicht stillschweigend in die Vergangenheit ab. Mit Fernández’ Einverständnis übernahm Txiki Marín bei den Auftritten das Schlagzeug, und die Band zählte ihn weiterhin mit ein. Die Sticks weiterzureichen, ohne den Platz abzugeben, war eine kleine, praktische Entscheidung – und sagte mehr als jede Pressemitteilung.

Fernández, bekannt als „Butch“, war Gründungsmitglied von Vuelo 505, das 2013 in Logroño entstand und nach „Flight 505“, einem Song der Rolling Stones vom Album Aftermath, benannt ist. Album für Album baute die Band ihre Karriere in der spanischen Rockszene auf: 2015 erschien Turbulencias, 2018 No hay historias de fracaso und 2023 Nada es tan urgente, auf dem Pau Donés bei „Una casa en ruinas“ als Gast mitwirkte.

Die zweite Hälfte seiner Geschichte wird in den meisten Nachrufen mit einem einzigen Satz abgehandelt. Nach seiner Diagnose zog sich Fernández nicht aus der Öffentlichkeit zurück. Im Oktober 2022 gründete er VencELA La Rioja mit, denn La Rioja war, wie Telecinco berichtet, die einzige Region Spaniens ohne eine Vereinigung für Menschen mit ALS. Die Gruppe wollte Betroffene und ihre Familien begleiten und beraten sowie die Krankheit stärker ins Bewusstsein rücken. Ein Schlagzeuger einer regionalen Rockband ist kein nationaler Star. Aber er hatte eine Bühne, einen Namen, den die Menschen in seiner Stadt kannten, und einen Grund, beides einzusetzen.

Diese Arbeit fand in einem weiterhin uneinheitlichen System statt. Spaniens ALS-Gesetz wurde im Oktober 2024 verabschiedet; die dafür vorgesehenen 500 Millionen Euro erhielt es jedoch erst im November 2025. Laut The Objective ist die staatliche Unterstützung für Patienten, die rund um die Uhr betreut werden müssen, auf höchstens 9.850 Euro im Monat begrenzt. Die tatsächlichen Kosten liegen hingegen zwischen 14.000 und 18.000 Euro, und Navarra, Aragón sowie Castilla-La Mancha hatten die Hilfen noch immer nicht ausgezahlt. La Rioja gehört zu den Regionen, die den Betrag aufstocken – bei besonders pflegebedürftigen Fällen auf bis zu 15.000 Euro im Monat. Keine einzelne Vereinigung kann sich das als eigenen Verdienst anrechnen. Doch ausgerechnet die Region, in der es vor 2022 keine Patientenorganisation gab, gehört heute nicht zu denen, die hinterherhinken.

Fernández starb am 25. September im Alter von 45 Jahren. Er hinterlässt eine Tochter. Vuelo 505 verabschiedete sich mit einem „fly high“ und den Worten, er sei zu seinem Planeten zurückgekehrt; zugleich schrieb die Band, dass sie ihn schon jetzt vermisse. Der Songwriter Ander Shinova nannte ihn laut Milenio ein Vorbild an Lebensfreude, Stärke, Empathie und Menschlichkeit.

In seinem Abschied bat Fernández die Lebenden, jeden Tag voll auszukosten. Seine Band hatte bereits gezeigt, wie das ganz praktisch aussieht. Wer künftig bei Vuelo 505 den Takt vorgibt – die Band hat längst klargestellt, wie viele sie sind: fünf.

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