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Rescue Drone Simulator: Second Chance — das Chernobylite-Studio macht Katastrophenschutz zur menschlichen Geschichte

Cassian Vale
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Das Survival-Genre weiß seit Jahren, dass die besten Katastrophen Gefäße für menschliche Geschichten sind — Chernobylite bewies dieses Argument, indem es seinen Horror in einer per Photogrammetrie rekonstruierten Tschernobyl-Sperrzone verankerte und Trauer stärker ins Zentrum stellte als bloßes Überleben. Rescue Drone Simulator: Second Chance, von Warschauer Publisher Anraga Studios gemeinsam mit dem Gliwice-Entwickler The Farm 51 angekündigt, wagt dieselbe These in einem sehr anderen Genre: dass ein rund um Maschinen gebauter Simulator sein Gewicht noch immer in den Menschen verankern kann, die sie bedienen.

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Die Drohne in Second Chance ist keine fliegende Kamera. Sie ist eine physische Maschine, die von Masse, Trägheit, Schub, Aerodynamik, Akkustand, Wetter und Echtzeit-Schaden bestimmt wird — Wind verändert den Kurs, zusätzliche Nutzlast beeinflusst die Steuerreaktion, und die im Workshop zwischen den Missionen zusammengestellte Konfiguration hat direkte Konsequenzen, sobald der Einsatz beginnt. Zwei Steuermodi rahmen das Erlebnis: Simulator bildet die Eingaben so ab, wie echte UAV-Piloten fliegen, mit unvergebendem Flugverhalten, während Arcade Flugunterstützung für Spieler ohne Drohnenerfahrung hinzufügt. Das Vierer-Arsenal — Rettung, Brandbekämpfung, Polizeieinsatz und Abfang — verlangt jeweils eine andere taktische Herangehensweise.

Drone operations in a disaster zone in Rescue Drone Simulator: Second Chance
Image: Anraga Studios / The Farm 51

Der Titel Second Chance trägt die zentrale These des Spiels. Die Einheit im Herzen der Kampagne besteht aus erfahrenen Rettungsspezialisten — Feuerwehrmänner, Such-und-Rettungs-Personal — die durch Verletzung, Alter, Krankheit oder Trauma nicht mehr auf herkömmliche Weise im Einsatz arbeiten können. Technologie gibt ihnen ihren Dienst zurück: Sie können Operationen aus sicherer Distanz führen und Umgebungen erreichen, die für Menschen nicht betretbar sind. Radosław Kalisz, CEO von Anraga Studios, formuliert dies in der Ankündigung als die tiefere Frage des Spiels: nicht was Automatisierung den Menschen nimmt, sondern was sie zurückgeben kann.

Die visuelle und klangliche Richtung verantwortet Wojciech Pazdur, CEO und Mitgründer von The Farm 51 sowie Mitschöpfer von Painkiller, der hier als Art Director fungiert und die Spielmusik komponiert. Trotz des nahe-futuristischen Rahmens widersteht Second Chance bewusst einer sterilen Science-Fiction-Ästhetik und schöpft stattdessen aus Industrieräumen, analogen Schaltpulten und dem physischen Gerät der 1980er und 1990er Jahre. Das Drehbuch stammt von Artur Fojcik, Game Director bei The Farm 51, dessen Credits Chernobylite und Get Even umfassen — den Psycho-Thriller des Studios, der für den BAFTA Games Award nominiert war.

Die Kampagne dauert etwa zehn bis fünfzehn Stunden über vier Akte, mit Einsätzen auf Waldwegen, in Küstengebieten, in Stadtzentren und in Industrievierteln. Wechselnde Witterungsbedingungen — darunter volle Winterverhältnisse — können den Verlauf einer vertrauten Operation grundlegend verändern. Rescue Drone Simulator: Second Chance ist für einen Launch im ersten Quartal 2027 auf PC über Steam, PlayStation 5 und Xbox Series X|S geplant, mit zeitgleicher Veröffentlichung auf allen drei Plattformen.

Für ein Studio, das sich einen Namen im Innern einer realen Katastrophe gemacht hat — die fotorealistische Sperrzone in Chernobylite gehört zu den gründlichsten Umgebungsrekonstruktionen im Medium — liest sich der Schritt zu fiktiven Nahe-Zukunfts-Notfällen weniger wie ein Aufbruch als ein Koordinatenwechsel: dasselbe Gespür für Ort und Raum, dieselbe Überzeugung, dass eine Katastrophe nur dann interessant ist, wenn es die Menschen darin sind.

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