Musik

Rita Ora: 13 britische Top-Ten-Hits und ein Rechtsstreit, der die Musikbranche aufhorchen ließ

Penelope H. Fritz
Rita Ora
Rita Ora
Photo via The Movie Database (TMDB)
Geboren26. November 1990
Pristina, Kosovo
BerufSängerin, Schauspielerin und Fernsehmoderatorin
Bekannt fürSouthpaw, Fast & Furious 6, Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu
AuszeichnungenMOBO · Bambi · MTV EMA Power of Music Award (2017) · MTV Video Music · Global Awards · Brits Billion Award (2023)

In der Arithmetik des britischen Pop verbirgt sich eine Anomalie, die die Branche nie vollständig verarbeitet hat. Rita Ora hält dreizehn Singles in den britischen Top Ten — mehr als jede andere britische Solokünstlerin vor ihr — und taucht dennoch kaum in den Gesprächen darüber auf, was die britische Musik im 21. Jahrhundert hervorgebracht hat. Nicht weil die Zahlen fehlen. Sondern weil die Frage, was mit ihnen anzufangen ist, stets bequemer zu vertagen als zu beantworten schien.

Sie wurde als Rita Sahatçiu in Pristina, Kosovo, geboren. Ihre Familie verließ das Land, als sie kaum ein Jahr alt war — auf der Flucht vor der Verfolgung der Albaner, die schließlich den Balkan neu ordnen sollte. Ihre Mutter wurde Psychiaterin; ihr Vater eröffnete einen Pub in Notting Hill, London. Das Elternhaus pflegte eine besondere Beziehung zu Kultur und Herkunft: Ihr Großvater mütterlicherseits war albanischer Konsul in Russland gewesen; ihr Großvater väterlicherseits war Film- und Theaterregisseur. Als die Familie ihren albanischen Nachnamen anpasste, fügte sie „Ora“ hinzu — das albanische Wort für „Zeit“ — um die Aussprache zu erleichtern. Sie besuchte die Sylvia Young Theatre School in London und unterzeichnete mit achtzehn Jahren einen Vertrag bei Jay-Zs Label Roc Nation.

Der Debüt verlief selbstbewusst, nicht tastend. Ihre erste Solo-Single „R.I.P.“ — mit Tinie Tempah — erreichte in Großbritannien Platz eins; „How We Do (Party)“ folgte unmittelbar. Sie wurde zur einzigen Künstlerin, der es gelang, vier aufeinanderfolgende Singles im selben Kalenderjahr in die britischen Top Ten zu bringen. Das Debütalbum Ora stieg direkt auf Platz eins der britischen Album-Charts ein. Die Statistik, die bei einem anderen Namen für Aufsehen gesorgt hätte, wurde als Hintergrundinformation verbucht.

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Was folgte, lässt sich eher nach Kategorien beschreiben als in einem zusammenhängenden Bogen erzählen. Film: drei Auftritte in der Fifty Shades of Grey-Reihe als Mia Grey; Dr. Ann Laurent an der Seite von Ryan Reynolds in Meisterdetektiv Pikachu; die Herzkönigin in Disneys Descendants: The Rise of Red. Fernsehen: Jurorin bei The X Factor UK und Coach bei The Voice UK im selben Jahr, dann drei Staffeln als Coach bei The Voice Australia, danach dreimal Gastgeberin der MTV Europe Music Awards. Modekooperationen mit Adidas, Calvin Klein und Primark. UNICEF-Botschafterin im Vereinigten Königreich. Der Anspruch war total; die Kritik selektiv.

Ihr zweites Album, Phoenix, erschien 2018 — sechs Jahre nach dem ersten, aus Gründen, die nichts mit einer kreativen Blockade zu tun hatten. 2015 reichte Ora eine Klage gegen Roc Nation ein. Grundlage war die kalifornische Sieben-Jahres-Regelung; sie argumentierte, das Label habe sie an der Veröffentlichung von Musik gehindert, während es die vertragliche Kontrolle aufrechterhalten habe. Der Rechtsstreit wurde 2016 beigelegt. Sie wechselte zu Atlantic Records. Der Vorfall war ein Lehrstück über Machtstrukturen in der Musikbranche — und bemerkenswerterweise ein Verfahren, das sie gewann. Phoenix brachte „Let You Love Me“ hervor, das ihr den dreizehnten Top-Ten-Hit bescherte und einen dreißig Jahre alten Rekord brach. Ihr drittes Album, You & I, stieg 2023 auf Platz sechs der britischen Charts ein. Ein viertes Album ist für 2026 angekündigt, ebenso ihre erste vollständige Tour seit Phoenix.

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Der Rechtsstreit bot der Musikpresse ein klares Deutungsraster für Ora — das einer Künstlerin, die die Bedingungen ihrer eigenen Ausbeutung benannt, vor einem kalifornischen Gericht dargelegt und letztlich gewonnen hatte. Was in dieser Zeit mehr Aufmerksamkeit erhielt, war ein Verstoß gegen die Covid-Beschränkungen im November 2020: ein Geburtstagsessen in einem Londoner Restaurant nach einer Rückkehr vom Filmdreh, geahndet mit einer Geldbuße von zehntausend Pfund. Das Missverhältnis zwischen dieser Berichterstattung und jener über ihren dreizehnten Top-Ten-Erfolg ist inzwischen selbst ein Datum. Die Erzählung um Rita Ora hat nie eine stabile Form gefunden. Was sie konsequent vermieden hat, ist die offensichtliche Schlussfolgerung: Dreizehn britische Top-Ten-Hits sind kein Phänomen, das einer Erklärung bedarf, sondern ein voll im Gang befindliches Karriereprojekt, dessen Regeln die Branche aufgestellt hat und das die Künstlerin erfüllt und übererfüllt hat.

Was sie parallel aufgebaut hat, deutet darauf hin, dass der Musikrekord stets nur ein Teil des Ganzen war. Eine Dokumentation mit acht Jahren Selbstaufnahmen soll zusammen mit dem vierten Album erscheinen. Sie übernimmt die Rolle der Herzkönigin erneut in Descendants: Wicked Wonderland und ist in einem animierten Wikinger-Abenteuer namens ViQueens als Hauptsprecherin zu hören, das für Ende 2026 geplant ist. Sie heiratete den neuseeländischen Filmemacher Taika Waititi — der das Musikvideo zu ihrer Single „All Natural“ inszenierte — im August 2022 und lebt in Los Angeles. Sie besitzt sowohl die britische als auch die kosovarische Staatsbürgerschaft und wurde zur Ehrenbotschafterin des Kosovo ernannt. Sie ist UNICEF-Botschafterin im Vereinigten Königreich.

Viertes Album, Tour durch Australien und Neuseeland, Dokumentation über acht Jahre: Rita Ora ist mit 35 Jahren dabei, eine Dokumentation ihres Schaffens voranzutreiben. Ob das kulturelle Gespräch der Arithmetik einholt, bleibt die einzige noch offene Frage.

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