KI

Claude Code baut dir ein Spiel, aber keine Kopie eines fremden mehr

Adrian Kessler
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Claude Code, der KI-Programmieragent von Anthropic, lehnt inzwischen Anfragen ab, ein bestimmtes bereits existierendes Videospiel nachzubauen. Die Anweisung ist unmissverständlich: Er soll originelle Spiele entwickeln, Spiele eines Genres sowie Spiele nach den eigenen Entwürfen und mit den eigenen Assets der Nutzer – aber keine Nachbildung eines konkreten bestehenden Spiels, „selbst dann nicht, wenn es umbenannt oder als originell bezeichnet wird“.

Für alle, die mithilfe von KI Spiele entwickeln, lässt sich die Grenze leicht benennen, aber deutlich schwerer ziehen. Ein Roguelike-Deckbuilder, der von Balatro inspiriert ist, sollte weiterhin entwickelt werden können. Eine detailgetreue Kopie von Balatro mit neuem Logo dagegen nicht. Und da die Regel in Anthropics eigenen Anweisungen an das Modell steht, gibt es für Nutzer keine Einstellung, mit der sie sich abschalten lässt.

Entdeckt hat die Regel ein X-Nutzer namens Chasm in Claude Codes interner Regelliste, wo sie unter der Bezeichnung „tengu_heron_brook“ geführt wird. Anthropic veröffentlichte dazu keine Mitteilung. Auf eine Anfrage von Game Developer verwies ein Sprecher auf einen Beitrag von Addy Osmani, einem Mitglied des technischen Teams von Anthropic: „Wir haben den Prompt für Claude Code mit Opus 5.5 um zwei Sätze ergänzt, damit das Modell davon abgehalten wird, ein konkretes Spiel eines anderen nachzubauen. Claude zur Verletzung von geistigem Eigentum zu nutzen, verstößt gegen unsere Nutzungsrichtlinien.“

Osmani ergänzte, „originelle Spiele, Spiele eines Genres und Spiele, die auf euren eigenen Entwürfen und Assets basieren, sollen weiterhin funktionieren“. Das Unternehmen werde die Regel weiter anpassen, um die richtige Balance zu finden. Laut PC Gamer bat er Entwickler außerdem, ihm ihre eigenen Projekte zu schicken, falls diese fälschlicherweise abgelehnt würden.

Die Regel kommt nach wochenlangen Beschwerden von Indie-Entwicklern, die sagen, ihre Spiele und Demos seien mithilfe von KI kopiert worden. Digital Sun, das Studio hinter Moonlighter, sagte den öffentlichen Spieltest seines nächsten Spiels ReVamp ab, weil es nicht riskieren wollte, dass jemand die Demo in ein KI-Tool einspeist und zuerst einen Klon veröffentlicht. PC Gamer berichtet, dass beim jüngsten Steam Next Fest doppelt so viele Demos zu sehen waren wie bei der vorherigen Ausgabe; KI-gestützte Spiele machten den größten Teil des Zuwachses aus.

Valve hat das Problem eingeräumt, ohne eine Lösung zu versprechen. Bei der Veranstaltung Steam Indie Connect in Busan sagte Tom Giardino von Valve, das Unternehmen wolle „nicht als Torwächter auftreten und Entwicklern vorschreiben, welche Tools sie verwenden sollten und welche nicht“. Stattdessen riet er Entwicklern, weiterhin Funktionen und eine eigene Persönlichkeit einzubauen, die sich nur schwer kopieren lassen.

Zwei Sätze in einem Prompt sind eine überschaubare Hürde. Game Developer weist darauf hin, dass Sicherheitsbeschränkungen bei generativen KI-Tools immer wieder mit rhetorischen Tricks umgangen wurden. Zudem sei unklar, woran Claude erkennen könne, ob ein Nutzer tatsächlich die Rechte an einer Spielidee oder den dazugehörigen Assets besitzt. Osmanis Aussage bezieht sich auf Claude Code mit Opus 5.5; Anthropic hat nicht mitgeteilt, ob andere Modelle oder die reguläre Claude-Chat-App dieselbe Regel befolgen. Wer unbedingt ein Spiel klonen will, kann außerdem auf Modelle mit offenen Gewichten ausweichen, die sich ohne solche Einschränkungen auf der eigenen Hardware ausführen lassen.

Die Änderung gilt überall dort, wo Claude Code eingesetzt wird, denn sie ist Teil von Anthropics Anweisungen an das Modell und keine regionale Einstellung. Chasm machte die Regel am 30. Oktober öffentlich und schrieb, sie sei am 27. Oktober eingeführt worden; Osmani bestätigte sie noch in derselben Woche. Anthropic wehrt sich an mehreren Fronten gegen Urheberrechtsklagen: Im vergangenen Jahr einigte sich das Unternehmen auf einen Vergleich über 1,5 Milliarden Dollar mit Autoren, die geltend machten, ihre Bücher seien zum Training der Modelle verwendet worden. Seitdem haben auch die Inhaber von Elvis Presleys Songkatalog das Unternehmen wegen seiner Songs verklagt.

Für kleine Studios verändert die Regel vor allem die Standardeinstellung, nicht die Erfolgsaussichten. Wer mit Anthropics Agent ein Spiel kopieren will, muss nun bewusst einen Umweg finden. Klone werden jedoch weiterhin mit Tools entstehen, in denen diese zwei Sätze nie ergänzt wurden.

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