KI

Ghost Core kostet 3.499 Dollar und hat keinen Bildschirm – er arbeitet für Ihren KI-Agenten

Adrian Kessler
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Ghost, ein Start-up aus San Francisco, verkauft einen Desktop-Rechner, den man nicht selbst bedienen soll. Core hat keinen Bildschirm. Das Gerät steht im Regal, führt offene KI-Modelle auf seiner eigenen Nvidia-Grafikkarte aus und lässt KI-Agenten rund um die Uhr E-Mails, Kalender, Dateien und Smart-Home-Geräte verwalten. Mit dem Rechner kommuniziert man per Text oder Sprache über eine Smartphone-App.

Das Verkaufsargument ist digitale Selbstbestimmung. Statt jeden Monat einen Assistenten von OpenAI oder Google zu mieten, kauft man die Hardware einmalig. Die Modelle, alle Informationen, die der Agent über den Nutzer sammelt, und die Rechenleistung bleiben auf dem Gerät. Ghost zufolge sind persönliche Daten verschlüsselt, sodass weder das Unternehmen noch ein Cloud-Anbieter sie lesen kann. Ein Abonnement gibt es nicht, und der Rechner soll auch dann weiterlaufen, wenn Ghost selbst den Betrieb einstellt.

Mit 3.499 Dollar kostet Core etwa so viel wie ein Chatbot-Abo für 20 Dollar im Monat über 14 Jahre. Im Edelstahlgehäuse stecken eine Nvidia RTX Pro 4000 Blackwell mit 24 GB Speicher, ein AMD Ryzen 5 7600 mit sechs Kernen, 64 GB RAM und eine 1-TB-SSD. Damit lässt sich ein Modell mit rund 30 Milliarden Parametern ohne Rechenzentrum betreiben. Ghost installiert Modelle aus Alibabas Qwen-3.8-Familie und Googles Gemma 4 31B vor. Besitzer können weitere Modelle von Hugging Face hinzufügen oder selbst trainierte Modelle laden.

Entscheidend ist, worauf die Agenten zugreifen können. Auf seiner Website führt Ghost Verbindungen zu E-Mails, Kalendern, Finanzdaten, Dateien, dem Browserverlauf, Aufzeichnungen, Gesundheitsdaten, vernetzten Lampen, Kühlschränken, Lautsprechern und Kameras sowie Wearables wie Whoop, Oura und Eight Sleep auf. Gründer und Geschäftsführer Zain Javaid erläuterte TechCrunch das Ziel anhand eines Beispiels: Core „schickt Ihnen proaktiv eine Benachrichtigung, dass Sie möglicherweise krank werden, weil das Gerät einen erhöhten Ruhepuls feststellt, im Computerverlauf sieht, dass Sie wegen eines Projekts lange gearbeitet haben, und weiß, dass in San Francisco gerade Grippesaison ist“. Die kleineren Hinweise auf der Website reichen von der Erinnerung, beim Hinausgehen Obst mitzunehmen, bis zum Hinweis auf einen Terminkonflikt.

Das Datenschutzversprechen hat allerdings Grenzen. „Keine Daten verlassen jemals Ihr Zuhause“, heißt es auf der Startseite. Auf der Support-Seite ergänzt Ghost jedoch, dass Websuche, E-Mail und drahtlose Updates eine Internetverbindung benötigen. Laut Datenschutzerklärung können diese Online-Funktionen über ein von Ghost betriebenes Gateway Aufgabeninformationen an externe Dienste übermitteln; Drittanbieter können diese nach ihren eigenen Regeln speichern. Ein zu Hause betriebenes Modell mit 31 Milliarden Parametern kann bei anspruchsvollem logischem Denken und beim Programmieren außerdem nicht mit den größten Cloud-Systemen mithalten. Und wer Bankdaten, Gesundheitsakten und Aufnahmen von Überwachungskameras im eigenen Zuhause in einem ständig eingeschalteten Gerät bündelt, macht dieses zu einem attraktiven Ziel. Ghost zufolge überwacht eine integrierte Firewall ausgehende Anfragen und verhindert die unbefugte Nutzung gespeicherter Zugangsdaten. Eine externe Forschungsgruppe hat diese Behauptung bislang nicht überprüft.

Javaid argumentiert, Apples Mac mini sei ein Allzweckgerät, das Käufer selbst einrichten müssten, während Core bereits mit installierten Modellen und Agentensoftware ausgeliefert werde. „Manchmal schreiben die Leute etablierten Unternehmen bereits das fertige Produkt zu, nur weil sie die nötigen Zutaten haben“, sagte er gegenüber TechCrunch. Seine Wette: Die eigentliche Herausforderung steckt in der Software – darin, wie das Modell das Leben eines Menschen einordnet, was es sich merkt und wann es sich von selbst zu Wort meldet.

Der 19-jährige Javaid arbeitete früher als quantitativer Händler und wandte sich nach dem Start von ChatGPT im Jahr 2022 der KI zu. Seine Mitgründer sind Nicholas Chua, 19, Yifei Chen, 24, und Gautam Sharda, 23. Andreessen Horowitz führte Ghosts Seed-Finanzierungsrunde über 11 Millionen Dollar an; Abstract, Audacious Ventures, SV Angel und Nova beteiligten sich ebenfalls. Das Unternehmen montiert jedes Gerät selbst an seinem Standort in San Francisco.

Die Vorbestellungen für die erste Produktionsserie starteten am 5. Oktober. Laut Ghost beginnt der Versand in der letzten Oktoberwoche; Käufer haben ein 30-tägiges Rückgaberecht. Das Unternehmen bietet Core ausschließlich zum Preis in US-Dollar an und hat nicht bekannt gegeben, in welche Länder es liefert. Interessenten in Europa, Asien und Lateinamerika kennen daher weder einen Liefertermin noch einen Preis in ihrer Landeswährung.

Die ersten Besitzer werden herausfinden, ob sich ein Assistent, der ihren Puls, ihren Kontostand und ihre langen Nächte kennt, in einem Stahlgehäuse neben dem Router sicherer anfühlt als im Rechenzentrum eines anderen.

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