Fernsehen

Berlin: ein glamouröses, aber fehlerhaftes Prequel

Martin Cid
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Die erste Einstellung von Berlin (2023) zeigt einen langsamen Schwenk über die Seine bei Nacht: Die Lichter der Stadt der Liebe funkeln in der Dunkelheit – ein Versprechen von Glamour und Gefahr. Dieses Prequel zu Netflix’ Haus des Geldes setzt an die Stelle der klaustrophobischen Spannung des Originals einen weitläufigeren Heist-Thriller, der rund um den Globus führt. Ganz ohne Fehltritte kommt die Serie allerdings nicht aus.

Im Kern ist Berlin eine Liebeserklärung an klassische Gaunerkomödien. Pedro Alonso schlüpft erneut in die Rolle von Andrés de Fonollosa, alias „Berlin“, dem charismatischen kriminellen Mastermind aus Haus des Geldes. Die Serie blickt in Berlins Vergangenheit und zeigt sein glamouröses Leben in Paris, wo er eine Crew für einen spektakulären Juwelenraub im Wert von 44 Millionen Euro zusammenstellt. Die erste Staffel mit dem Titel Berlin and the Jewels of Paris spielt überwiegend in der französischen Hauptstadt. Das breitere Bildformat von 2:1 lässt den Figuren mehr Raum zum Atmen – und der Stadt, um zu glänzen.

Am besten funktioniert Berlin dank der Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Alonso bringt seinen typischen Charme und Witz mit, doch Michelle Jenner stiehlt als Keila mit ihrer starken, kompromisslosen Präsenz die Szenen. Die Beziehung zwischen Berlin und Camille (Samantha Siqueiros), der Frau des Mannes, dem er etwas anhängen will, verleiht der Serie eine emotionale Komplexität, die über das bloße Spektakel hinausgeht. Auch die Nebendarsteller – Begoña Vargas, Tristán Ulloa und Julio Peña Fernández – überzeugen und verankern den Raubzug in echter Kameradschaft.

Bei den großen Schauwerten läuft die Serie zur Höchstform auf, insbesondere beim Raub selbst, der präzise und spannungsvoll inszeniert ist. Die opulente Kameraarbeit fängt die Schönheit von Paris ein und lässt zugleich den moralischen Verfall unter der glänzenden Oberfläche erkennen. Lucas Peires Musik, allen voran das unheimlich-schöne Titelthema Bullets and Flowers, sorgt für zusätzliche emotionale Tiefe.

Ins Stolpern gerät Berlin allerdings, wenn die Serie den Heist mit romantischem Drama verbinden will. Berlins Liebesgeschichte mit Camille nimmt viel Raum ein. So gut sie auch gespielt ist, wirkt sie oft wie ein Gegenpol zur geradlinigeren Raubzug-Handlung. In den ersten Folgen ist das Erzähltempo unausgewogen, und manche Nebenhandlungen wirken eher angeflanscht, als wären sie organisch in die Geschichte eingebunden.

Die zweite Staffel, Berlin and the Lady with an Ermine, behebt einige dieser Probleme und kehrt zu einer fokussierteren Erzählweise zurück. Mit Álvaro Morte als Professor, Berlins Bruder, kommt eine reizvolle neue Dynamik hinzu – auch wenn sein Auftritt bisweilen eher wie ein Zugeständnis an die Fans als wie erzählerische Notwendigkeit wirkt. Der Raub in Sevilla ist überzeugend umgesetzt, doch die Serie tut sich weiterhin schwer damit, ihre verschiedenen Genres auszubalancieren.

Die Schöpfer Álex Pina und Esther Martínez Lobato wollten nach ihren vorherigen Projekten etwas „Leichteres“ machen. Im Vergleich zu Haus des Geldes setzt Berlin stärker auf komödiantische Töne und arbeitet mit mehr Darstellern und Schauplätzen. Dieser Tonwechsel zeigt sich auch darin, wie die Serie ihre Figuren und deren Beziehungen gestaltet. Das breitere Bildformat verschafft den Figuren „ein stärkeres Landschaftserlebnis ihrer Umgebung“. Das kommt der visuellen Wirkung zugute, geht aber mitunter zulasten des erzählerischen Fokus.

Auch der internationale Schauplatz kommt der Serie zugute: Paris wird selbst zu einer Figur. Die berühmten Sehenswürdigkeiten und verborgenen Winkel der Stadt sind eindrucksvoll in Szene gesetzt und verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe. Der globale Ansatz wirkt jedoch mitunter wie bloße Kulisse, wenn die Schauplätze die emotionalen Entwicklungen der Figuren in den Hintergrund drängen.

Zu den herausragenden Aspekten von Berlin gehört die Auseinandersetzung mit Themen wie Liebe, Loyalität und Verrat. Die Serie lotet Berlins komplizierte Beziehungen aus, vor allem seine Liebe zu Camille und seine Treue zu seiner Crew. Diese Themen werden nuanciert und tiefgründig behandelt, sodass die Figuren trotz ihrer kriminellen Machenschaften nahbar wirken.

In der zweiten Staffel steht ein neuer Raub in Sevilla im Mittelpunkt, bei dem ein Meisterwerk von da Vinci ins Visier gerät. Der Orts- und Zielwechsel bringt frischen Wind in die Serie, macht aber auch einige ihrer Schwächen deutlich. Das Erzähltempo ist in der zweiten Staffel gleichmäßiger, doch die Serie hat weiterhin Schwierigkeiten, ihre verschiedenen Genres auszubalancieren. Der Professor sorgt für zusätzliche Spannung, doch seine Präsenz wirkt mitunter erzwungen – als wollten die Schöpfer Berlin allzu bemüht mit Haus des Geldes verknüpfen.

Die schauspielerischen Leistungen in Berlin fallen unterschiedlich aus. Pedro Alonso ist als Berlin hervorragend und verleiht der Rolle Charme und Ausstrahlung. Michelle Jenner überzeugt als Keila und gibt ihrer Figur Tiefe und Komplexität. Einige Mitglieder der Besetzung, darunter Tristán Ulloa und Julio Peña Fernández, kommen dagegen zu wenig zum Zug. Ihre Figuren sind interessant, werden aber oft von den Hauptfiguren überschattet.

Auch mit dem Erzähltempo hat die Serie mitunter zu kämpfen. Die erste Staffel beginnt stark, verliert in den Folgen zur Mitte hin jedoch an Schwung. Die zweite Staffel ist in dieser Hinsicht besser, aber auch hier zieht sich die Handlung gelegentlich. Durch dieses ungleichmäßige Tempo kann sich die Serie länger anfühlen, als sie tatsächlich ist – schade angesichts der starken Darstellerleistungen und fesselnden Handlungsstränge.

Trotz ihrer Schwächen ist Berlin eine solide Ergänzung des Haus des Geldes-Universums. Die Serie bietet reichlich Stil und Substanz, auch wenn sie beides nicht immer auszubalancieren weiß. Alonsos Darstellung ist ein Höhepunkt, und die visuelle Eleganz macht die Serie zu einem Augenschmaus. Die Beschäftigung mit Themen wie Liebe und Loyalität verleiht der Geschichte Tiefe und macht sie zu mehr als einem geradlinigen Heist-Thriller.

Letztlich dürfte Berlin Fans von Haus des Geldes und Heist-Thrillern im Allgemeinen ansprechen. Die starken schauspielerischen Leistungen, die fesselnden Handlungsstränge und die beeindruckenden Bilder machen die Serie sehenswert, auch wenn sie nicht immer ins Schwarze trifft.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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