Fernsehen

„Brothers“-Kritiken: Harrelson und McConaughey überzeugen, die Apple-TV-Serie kaum

Camille Lefèvre
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Bei Brothers scheinen sich die Kritiker fast auf einen Nenner geeinigt zu haben – allerdings nicht auf den, den Apple TV gern gehört hätte: Matthew McConaughey und Woody Harrelson zusammen zuzusehen, lohnt sich; die Sitcom, die um sie herum gebaut wurde, meist nicht. In einer Kritik nach der anderen zur Komödie, in der die beiden Freunde überzeichnete Versionen ihrer selbst spielen und sich womöglich als Halbbrüder entpuppen, wird ihre Chemie gelobt, während der Rest unter vertrauten Klischees verbucht wird.

So weit das Urteil reicht, ist es fair. Was dabei außen vor bleibt: die Entstehung der Serie. Die Produktion von Brothers wurde wegen des Endes unterbrochen – und die Kritiken sind vorerst ein Urteil über den Anfang.

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Die Spaltung spiegelt sich in den Gesamtwertungen wider. Bei Rotten Tomatoes kommt die Staffel nach 35 Kritiken auf 57 Prozent, Metacritic auf 51 Punkte – ein klar durchwachsenes Ergebnis. Screen Rant merkte an, dass die Serie bei ihrem Start als erste Fernsehserie in McConaugheys Karriere keine Fresh-Bewertung erhielt. True Detective, das HBO-Drama, das die beiden zu einem gefeierten Leinwandduo machte, steht bei 78 Prozent.

Die vernichtendsten Kritiken sind unmissverständlich. TVLine, das die ersten drei Folgen unter die Lupe nahm, meint, die Serie vergeude die „großartige, herrlich alberne Chemie“ des Duos mit müden Witzen; von „auch nur einem Hauch echter Tiefe oder Konflikt“ sei nichts zu spüren. The A.V. Club nennt die Serie unausgegoren und irgendwo zwischen Arbeitsurlaub und Publikumsliebling gestrandet. McConaughey spule sein Programm ab, während Harrelson den größeren Teil der komischen Last trage.

Die wohlwollenderen Kritiken widersprechen dem nicht wirklich, sondern gewichten dieselben Beobachtungen anders. Judy Berman von TIME findet die Serie „sprunghaft, aber liebenswert“: Am stärksten sei sie, wenn sie die beiden einfach gemeinsam albern sein lasse. Besonders hebt sie Holland Taylor als McConaugheys trinkfeste Mutter hervor. Collider vergibt sechs von zehn Punkten, nennt die Hauptdarsteller „eine Freude beim gemeinsamen Zuschauen“ und Taylor eine der „Geheimwaffen“ der Serie. Zugleich räumt die Seite ein, dass die Nebenfiguren blass bleiben und die Klischees aus dem klassischen Sitcom-Baukasten stammen. Insgesamt wirkt die Geschichte rund um die beiden Familien der Hauptfiguren austauschbar; eine Nebenhandlung über betagte Gangster erinnert laut Berman an Ausschnitte aus einer ganz anderen Serie.

Das ist das grundlegende Risiko dieses Formats. Eine Komödie, in der ein Star sich selbst spielt – von Curb Your Enthusiasm bis Extras –, funktioniert nur, wenn der Star bereit ist, sich weniger schmeichelhaft zu zeigen, als es sein Markenimage nahelegt. Brothers hätte dafür den passenden Stoff: eine Prämisse, die als wahres Gerücht über die beiden Männer angepriesen wurde, und eine Gouverneurskandidatur von McConaugheys Figur in Texas, die an den echten Wahlkampf erinnert, den McConaughey erwog, dann aber nicht bestritt. TIME liest die Kampagne als scharfen Kontrast zwischen den beiden Persönlichkeiten; TVLine sieht darin einen weiteren ziellos verlaufenden Handlungsstrang. Diese Uneinigkeit ist bedeutsam, denn hier schöpft die Serie aus der Biografie ihres Stars und nicht bloß aus seiner öffentlichen Persona.

Was in den meisten Kritiken fehlt, ist Folgendes: Die Dreharbeiten in Austin wurden nach acht von zehn Folgen gestoppt, nachdem der Mitentwickler und ursprüngliche Showrunner David West Read, ein Veteran von Schitt’s Creek, wegen kreativer Differenzen über das Ende der Staffel ausgestiegen war. Lee Eisenberg, Mitentwickler von Jury Duty, übernahm die Betreuung der verbleibenden Folgen und der Nachdrehs. Später übernahm Paramount Television Studios die Produktion. Die Staffel, die jetzt veröffentlicht wird, umfasst den aktuellen Angaben zufolge acht Folgen – nicht die zehn, von denen zunächst berichtet worden war.

Damit ist der Konsens in einem ganz konkreten Sinn vorläufig. Die Kritiker haben den Ausgangspunkt beurteilt: zwei Familien und eine Vaterschaftsfrage, die mitten in eine Freundschaft platzen. Auch TIME stellt fest, dass die Halbbrüder-Idee besser als Bühne für die Stars funktioniert denn als Motor der Handlung. Doch die Antwort auf diese Frage – der Punkt, über den ein Showrunner die Serie verließ – ist jener Teil, der während der Produktion in andere Hände überging und zuletzt veröffentlicht wurde. Ob die Enthüllung als Komödie, Gefühlskino oder Ausweichmanöver funktioniert, ist der eigentliche Knackpunkt einer Serie über zwei Männer, die ihre öffentliche Freundschaft auf einem Scherz aufgebaut haben. Diese Bewährungsprobe steht noch aus.

Brothers feierte am 23. September mit den ersten beiden Folgen auf Apple TV Premiere; die übrigen erscheinen wöchentlich bis zum Finale am 4. November. Die Serie stammt von McConaughey, Harrelson, Read und Eisenberg. Natalie Martinez und Brittany Ishibashi spielen die beiden Ehefrauen. Bislang kommt sie beim Publikum besser an als bei den Kritikern: Der Zuschauerscore bei Rotten Tomatoes liegt bei 74 Prozent, allerdings bei weniger als 50 Bewertungen.

Geht das Ende auf, werden die Kritiken dieser Woche wie ein Urteil über den ersten Akt wirken. Falls nicht, endet Brothers so, wie die Produktion verlief: ohne Einigkeit darüber, wie die Geschichte ausgehen soll.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

  • Ella Grace Helton — Clara

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