Fernsehen

Absurde Krankenhauskomödie: Außerirdische Chirurgen heilen mit Humor

Veronica Loop
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Schon die Eröffnungsszene von The Second Best Hospital in the Galaxy gibt den Ton perfekt vor: Dr. Sleech (Stephanie Hsu), eine außerirdische Chirurgin, deren Tentakel zugleich als Operationswerkzeuge dienen, versucht, einen Patienten zu beruhigen, während ein Angstparasit ihn mitten in einem Fressanfall befällt. Dieser Moment bündelt die einzigartige Mischung der Serie aus Absurdität, derbem Humor und echter Anteilnahme – eine Kombination, die diese animierte Serie für Erwachsene aus dem dicht besetzten Feld der Sci-Fi-Komödien herausragen lässt.

Die von Cirocco Dunlap entwickelte Serie dreht sich um zwei intergalaktische Chirurginnen und beste Freundinnen: Dr. Sleech (Hsu) und Dr. Klak (Keke Palmer). Sie müssen die Herausforderungen meistern, bizarre Leiden von Außerirdischen zu behandeln und zugleich ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen. Die Science-Fiction-Medizinkomödie, die von Dunlaps persönlichen Erfahrungen mit Angstzuständen inspiriert ist, startete bei Prime Video.

Seit ihrem Start im Februar 2024 überzeugt die Serie vor allem durch ihre Bereitschaft, komplexe Themen mit Humor und Fantasie anzugehen. So macht sie Angstzustände auf kreative Weise zum Thema, indem sie einen außerirdischen Parasiten einführt, der sich von Stresshormonen ernährt. Dieser metaphorische Ansatz ermöglicht es der Serie, psychische Gesundheit zu behandeln, ohne dabei übermäßig belehrend zu wirken.

Ein großes Plus ist die Sprecherriege. Stephanie Hsu und Keke Palmer harmonieren als Hauptfiguren hervorragend und halten Humor und Gefühl gleichermaßen in Balance. Ihr Zusammenspiel wirkt authentisch, ihre Freundschaft bildet den emotionalen Kern der Serie. Natasha Lyonne stiehlt als Krankenschwester Tup jede Szene, in der sie auftaucht, und überzeugt mit trockenem Witz und perfektem komödiantischem Timing. Ihre Darbietung ist eine Meisterklasse des zurückhaltenden Humors und verleiht einer Figur, die leicht eindimensional hätte ausfallen können, zusätzliche Tiefe.

Auch Kieran Culkin, Maya Rudolph und Sam Smith liefern als Nebenfiguren einprägsame Darbietungen. Culkins Dr. Plowp bringt eine bodenständige Energie in das ansonsten völlig abgedrehte Umfeld, während Rudolphs Dr. Vlam der Serie zusätzliche Gravitas verleiht. Dr. Azel, gespielt von Sam Smith, steht zwar weniger im Mittelpunkt, sorgt aber für einige der absurdesten und unterhaltsamsten Momente.

Auch die Animation von Titmouse, Inc. ist eine Stärke der Serie. Die leuchtenden Farben und flüssigen Bewegungen erwecken die Galaxie zum Leben und erschaffen eine visuell eindrucksvolle Welt, die zugleich vertraut und fremdartig wirkt. Die Figuren und ihre Umgebungen sind detailreich und fantasievoll gestaltet und tragen zur unverwechselbaren Ästhetik der Serie bei.

Ganz ohne Schwächen kommt die Serie allerdings nicht aus. Die episodische Erzählweise wirkt mitunter zusammenhanglos: Manche Handlungsstränge werden allzu glatt aufgelöst, andere scheinen einfach im Sande zu verlaufen. Dieses uneinheitliche Tempo und die unterschiedlich überzeugenden Auflösungen lassen die Serie gelegentlich unausgewogen wirken – besonders in den frühen Folgen.

Auch der Humor zündet zwar oft, verfehlt aber gelegentlich sein Ziel und verlässt sich dann auf überdrehte Gags, die verpuffen. Manche Witze wirken bemüht oder wiederholen sich, was den Gesamteindruck schmälert. Der Versuch, ernste Themen mit leichter Komik auszubalancieren, gelingt nicht immer; dadurch entstehen bisweilen tonale Brüche.

Die Darstellung von Angstzuständen ist zugleich Stärke und Schwäche der Serie. Einerseits ist es erfrischend, psychische Probleme auf so einzigartige und fantasievolle Weise dargestellt zu sehen. Andererseits können einige der nachdrücklicheren Momente zwischen den komischen Szenen belehrend oder fehl am Platz wirken. Die Serie bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Aufklärung und Unterhaltung. Meist gelingt ihr der Balanceakt, doch gelegentlich gerät sie ins Straucheln.

Verglichen wurde The Second Best Hospital in the Galaxy wegen der Verbindung von Science-Fiction und Humor mit Futurama. Während Futurama jedoch mit satirischer Schärfe und konsequentem Erzählen überzeugte, sucht diese Serie mitunter noch ihren Halt. Trotzdem findet sie mit ihrer originellen Ausgangsidee und den starken Darbietungen eine eigene Nische.

Die Serie richtet sich ganz offensichtlich an Millennials – das zeigen sowohl ihre Vermarktung als auch ihre thematischen Schwerpunkte. Wer animierte Sci-Fi-Komödien wie Rick and Morty oder Futurama mag, dürfte auch hier Gefallen finden, insbesondere, wenn Humor und bewegende Momente gleichermaßen willkommen sind.

Trotz ihrer Schwächen ist The Second Best Hospital in the Galaxy ein vielversprechendes Debüt von Cirocco Dunlap. Die Serie scheut kein Risiko, und auch wenn nicht jeder Wagemut belohnt wird, gibt es genug, das für einen Blick lohnt.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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