Fernsehen

The Greatest bei Prime Video: Muhammad Alis Weg vom Olympiasieger zum Weltmeister

Camille Lefèvre
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Jede Verfilmung des Lebens von Muhammad Ali muss entscheiden, mit welchem Gongschlag sie beginnt – und die meisten wählen den lautesten. „The Greatest“, eine fiktionale biografische Miniserie, die bei Prime Video startet, entscheidet sich für den Raum vor dem Lärm: Sie begleitet den jungen Cassius Clay aus Louisville, gespielt von Newcomer Jaalen Best, durch jene Jahre, in denen aus einem Amateurboxer mit olympischer Goldmedaille der Mann wurde, der der Welt einen neuen Namen verkünden sollte. Michael Manns „Ali“ hebt den Vorhang in der Nacht, in der Clay Sonny Liston den Schwergewichtstitel abnahm. Diese Serie macht eben jene Nacht zu ihrem Ziel.

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Im Mittelpunkt der Besetzung steht zunächst eine Familie, nicht der Boxring. Omari Hardwick spielt Alis Vater Cassius „Cash“ Clay Sr., Dana Gourrier seine Mutter Odessa „Bird“ Clay; Kai Parham verkörpert seinen Bruder Rudy, der später Rahaman Ali heißen sollte, Amin Joseph spielt Liston. Michael Ealy ist als Malcolm X zu sehen, Giovanni Ribisi als Trainer Angelo Dundee. Ben Watkins, der „Cross“ für Prime Video entwickelt hat, ist Schöpfer und Showrunner der Serie und führt bei den ersten beiden Folgen Regie. Auch Amazons eigene Beschreibung schlägt einen ähnlichen Ton an wie die Besetzung: „Die Welt erinnert sich an eine Ikone, doch in ‚The Greatest‘ geht es um einen Mann, einen Ehemann, einen Vater, einen Bruder und einen Sohn.“

Der Titel ist selbst ein Zitat. Ali nannte sich den Größten, lange bevor die Boxwelt ihm zustimmte, gab den Ausspruch seiner Autobiografie „The Greatest: My Own Story“ und später auch dem Film von 1977, in dem er sich selbst spielte. Manns „Ali“ mit Will Smith in der Hauptrolle kam 2001 heraus, nahm sich das Jahrzehnt nach dem Kampf gegen Liston vor und endete in Kinshasa beim „Rumble in the Jungle“. Regina Kings „One Night in Miami“ von 2020 verdichtete seine Handlung auf die Stunden nach ebenjenem Kampf: Eli Goree spielt Clay, der sich mit Malcolm X, Sam Cooke und Jim Brown ein Motelzimmer teilt. Liest man diese Filme der Reihe nach, kommt Alis Geschichte auf der Leinwand immer wieder von der einen oder anderen Seite bei der Liston-Nacht an. Die neue Serie ist die erste, die sich ihr langsam nähert.

Diese Entscheidung ist das Interessanteste an dem Projekt, noch bevor jemand eine einzige Szene gesehen hat. Denn in diesem Fall ist die Erzählzeit selbst Teil der Aussage. Mann standen für zehn Lebensjahre rund zweieinhalb Stunden zur Verfügung; Watkins hat acht Folgen für vier Jahre. Eine Miniserie hat Raum, den ein Spielfilm nicht bieten kann: für einen Vater, der denselben Namen trägt wie sein Sohn, für einen Bruder, der an seiner Seite boxte, und für Trainer und Betreuer, die sich um einen Herausforderer scharen, bevor er überhaupt eine feste Größe ist. Das Konzept deutet auf eine Serie hin, die sich stärker dafür interessiert, wie eine öffentliche Persönlichkeit entsteht, als dafür, berühmte Kämpfe nachzustellen. Ob acht Stunden diese Last tragen können, müssen die Folgen zeigen – nicht die Werbung.

Die Geschichte spielt auf umkämpftem Terrain. Clay gewann 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom Gold im Halbschwergewicht und kehrte in ein Louisville zurück, in dem die Rassentrennung weiterhin Alltag war. Als er Liston im Februar 1964 in Miami Beach besiegte, war er Malcolm X und der Nation of Islam bereits nähergekommen. Nur wenige Wochen später hieß er nicht mehr Cassius Clay: Elijah Muhammad gab ihm den Namen Muhammad Ali. Sein Vater lehnte die Konversion ab, und die Freundschaft mit Malcolm X zerbrach kurz darauf. Genau auf diese Fäden verweist die Besetzung: ein Vater namens Cassius, ein Bruder, der ebenfalls einen neuen Namen annehmen sollte, und Malcolm X in einer wiederkehrenden Rolle. Frühere Ali-Dramen haben solche Stränge meist in einer Montage abgehandelt.

Im Trailer, den Prime Video veröffentlicht hat, beginnt die Geschichte in Louisville. Der junge Clay überlegt, was ihm der Profiboxsport nach den Olympischen Spielen bieten könnte. Für eine Geschichte, von der das Publikum glaubt, sie längst zu kennen, ist das ein bescheidener Ausgangspunkt. Zugleich passt er zu einer Serie, deren eigentliches Thema die Kluft zwischen dem Jungen ist, den seine Eltern benannten, und dem Mann, der selbst entschied, wer er sein wollte.

Es stellt sich auch die Frage, wer diese Geschichte erzählt. Amazon bezeichnet „The Greatest“ als erste autorisierte fiktionale Serie über Ali, die mit Zugang zu seinem Nachlass produziert wurde. Seine Witwe Lonnie Ali ist ausführende Produzentin, ebenso Führungskräfte der Authentic Brands Group, zu der Authentic Studios gehört, eines der Produktionsunternehmen. Michael B. Jordan produziert über Outlier Society gemeinsam mit Roc Nation, PolyGram Entertainment und Grace: A Storytelling Company. Eine Autorisierung ist in dieser Reihe von Ali-Verfilmungen an sich nichts Neues. Ali billigte das Projekt, aus dem Manns Film entstand, und stand 1977 in der Verfilmung selbst vor der Kamera. Neu ist der Umfang: Eine ganze Fernsehstaffel widmet sich den vier Jahren, in denen er innerhalb und außerhalb des Rings darum kämpfte, die Kontrolle über seinen eigenen Namen zu behalten.

Hier stößt die Serie auf einen Widerspruch, den sie nicht selbst auflösen kann. „The Greatest“ erzählt von einem jungen Mann, der den Namen zurückweist, den er bei seiner Geburt erhielt, und darauf besteht, dass die Welt ihn so nennt, wie er es selbst gewählt hat. Zugleich ist die Serie eine offiziell autorisierte Produktion, an der jene mitwirken, die heute über diesen Namen wachen. Eine Geschichte über den Anspruch auf die eigene Identität, erzählt mit dem Segen derer, die sie schützen: Kann ein autorisiertes Porträt den Moment zeigen, in dem jemand aufhörte, um Erlaubnis zu bitten?

Was man vor dem Start wissen sollte: Alle acht Folgen von „The Greatest“ erscheinen am 4. November 2026 gemeinsam bei Prime Video, in mehr als 240 Ländern und Gebieten. Es handelt sich um ein fiktionales Drama nach dem wirklichen Leben Muhammad Alis, nicht um eine Dokumentation. Die Staffel umfasst den Zeitraum von seinem Olympiagold 1960 bis zu seinem ersten Schwergewichtstitel 1964. Jaalen Best spielt Cassius Clay und Muhammad Ali; zu den Hauptdarstellern gehören außerdem Omari Hardwick, Dana Gourrier, Kai Parham und Amin Joseph. Michael Ealy, Giovanni Ribisi, Erica Tazel, Reno Wilson und Chris Jericho, der den Wrestler Gorgeous George verkörpert, sind in wiederkehrenden Rollen zu sehen. Gedreht wurde die Serie 2025 in Toronto, Hamilton und Cobourg in Ontario; die Musik komponierte Stanley A. Smith.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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