Kino

Giovanni Ribisi: Vom nervösen Nebendarsteller zum Kameramann mit eigener VistaVision

Penelope H. Fritz
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Giovanni Ribisi
Giovanni Ribisi
Photo: Angela George at https://www.flickr.com/photos/sharongraphics/ / CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Geboren17. Dezember 1974
Los Angeles, California, United States
BerufSchauspieler und Kameramann
Bekannt fürDer Soldat James Ryan, Avatar – Aufbruch nach Pandora, Avatar: The Way of Water

Unter den Danksagungen am Ende von One Battle After Another findet sich der Name eines Schauspielers, der nie auf der Leinwand zu sehen ist. Giovanni Ribisi gehört die Beaumont-VistaVision-Kamera, mit der Paul Thomas Anderson einen Großteil des Films drehte – eine Maschine, die Ribisi selbst aufgespürt und wieder funktionsfähig gemacht hatte. Für einen Mann, der sein Leben lang am Rand der Bilder anderer stand, ist das ein ungewöhnlicher Eintrag. Hollywood beschäftigt ihn seit Jahrzehnten als den Nervösen im Raum: als Bruder, der den falschen Leuten Geld schuldet, als Sanitäter, der verblutet, als Firmenmann, der sich über die Einheimischen lustig macht. Seine Karriere wirft inzwischen die Frage auf, was dieser Mann tut, wenn er selbst das Bild kontrolliert – und ob das Publikum ihm folgt, wenn er endlich die Geschichte trägt.

Er wuchs mitten im Showgeschäft auf. Ribisi kam als Sohn von Al Ribisi, Keyboarder der Band People!, und der Talentmanagerin Gay Ribisi zur Welt. Auch seine Zwillingsschwester Marissa Ribisi wurde Schauspielerin; seine jüngere Schwester Gina arbeitet als Synchronsprecherin. Schon vor seiner Jugend stand er für das Fernsehen vor der Kamera, in der Sitcom Ein Vater zuviel und mit einer wiederkehrenden Rolle in Wunderbare Jahre.

Am 17. Dezember 1974 in Los Angeles geboren, wurde er einem breiten Publikum zunächst durch eine komische Figur bekannt. In Friends spielte er Frank Buffay Jr., Phoebes gutherzigen und leicht durchgeknallten Halbbruder. Zwischen 1995 und 1998 kehrte er mehrfach in dieser Rolle zurück, 2003 ein weiteres Mal. Filmregisseure sahen eine traurigere Seite in ihm. Tom Hanks besetzte ihn in That Thing You Do!, und Steven Spielberg machte ihn zu Wade, dem Sanitäter in Der Soldat James Ryan, dessen Tod an einem französischen Hang zu den härtesten Momenten des Films zählt. Das Ensemble wurde für den Screen Actors Guild Award nominiert.

Um die Jahrtausendwende probierten die Studios ihn als Hauptdarsteller aus. Risiko – Der schnellste Weg zum Reichtum rückte ihn ins Zentrum: Er spielte einen College-Abbrecher, der von seiner Wohnung aus ein Kartenspiel organisiert und anschließend bei einem zwielichtigen Börsenmakler auf Long Island anheuert. In Sam Raimis The Gift – Die dunkle Gabe verkörperte er Buddy Cole, einen Mechaniker, der an den Folgen seiner Kindheit zerbricht, und wurde dafür für einen Saturn Award nominiert. In Nur noch 60 Sekunden spielte er an der Seite von Nicolas Cage den draufgängerischen jüngeren Bruder, dessen Schulden die Handlung ins Rollen bringen. Für Tom Tykwers Heaven, nach einem Drehbuch von Krzysztof Kieślowski und Krzysztof Piesiewicz, ging er anschließend nach Europa. Dort spielte er einen jungen Carabiniere, der sich in Cate Blanchetts flüchtige Figur verliebt. In Sofia Coppolas Lost in Translation war er der viel beschäftigte Fotografen-Ehemann, der Scarlett Johansson allein in einem Tokioter Hotel zurücklässt.

Die Zeit als Hauptdarsteller ging vorüber, und die Nebenrollen erwiesen sich als einträglicher. Sein Auftritt als intrigierender Ralph in My Name Is Earl brachte ihm 2007 eine Primetime-Emmy-Nominierung ein. Michael Mann besetzte ihn in Public Enemies als Bankräuber Alvin Karpis. James Cameron gab ihm die Rolle, die ihn am längsten begleitet: Parker Selfridge, den Verwalter des Bergbauunternehmens in Avatar – Aufbruch nach Pandora, der im Büro das Putten übt und zugleich den Angriff auf die Na’vi genehmigt.

Diese Rollenserie hat ihren Preis, und Ribisi ist ihr nie ganz entkommen. Regisseure holen ihn, wenn eine Szene einen Mann braucht, der lügt oder kurz vor dem Zusammenbruch steht. Die nervöse Energie, die ihn so gefragt macht, sorgt zugleich dafür, dass er immer wieder in derselben Schublade landet. Bei den Teen Choice Awards wurde Selfridge einmal in der Kategorie „Choice Hissy Fit“ nominiert – ein Scherz, der viel darüber sagt, wie das Publikum ihn einordnet. Sneaky Pete war der ernsthafte Versuch, dieses Muster zu durchbrechen. Amazon gab ihm die Hauptrolle als Marius Josipović, einem Trickbetrüger, der aus dem Gefängnis kommt und die Identität seines Zellengenossen annimmt. Die Serie wurde von David Shore und Bryan Cranston entwickelt. Nach drei Staffeln setzte Amazon sie 2019 ab. Damit blieb die eigentliche Frage offen: Wollten die Zuschauer Ribisi nicht im Mittelpunkt sehen – oder hatte die Serie einfach nie ihr Publikum gefunden?

Daneben lief seit Jahren eine zweite Karriere. 2016 führte er Regie beim Musikvideo zu „Siberian Nights“ von The Kills; zuvor hatte er Werbespots und Musikvideos gedreht. Dann bat ihn JT Mollner, bei Strange Darling die Kamera zu übernehmen – einem Thriller, dessen sechs Kapitel in nicht chronologischer Reihenfolge erzählt werden und den Ribisi auch produzierte. Gedreht wurde der Film auf 35-mm-Film in Oregon. Seine Premiere feierte er 2023 beim Fantastic Fest, im August 2024 kam er in die US-Kinos: Die Kritiker hoben die Kameraarbeit hervor, an der Kinokasse blieb der Erfolg jedoch aus. In Interviews argumentierte Ribisi, Filmkameras verschwänden, weil niemand mehr neue baue. Er sammelt und restauriert alte Geräte, auch um sie weiter am Laufen zu halten. Die von ihm restaurierte Beaumont-VistaVision-Kamera machte es Anderson möglich, One Battle After Another als ersten Spielfilm seit Der Besessene aus dem Jahr 1961 vollständig in diesem Format zu drehen.

Auch vor der Kamera gingen die Rollenangebote weiter. In der Paramount+-Serie The Offer von 2022 spielte er Joe Colombo, den Mafiaboss, der wegen Der Pate Druck auf Paramount ausübte. Im selben Jahr kehrte Selfridge in Avatar: The Way of Water zurück, im Dezember 2025 erneut in Avatar: Fire and Ash. Außerdem besetzte Kevin Costner ihn 2024 in Horizon – Eine amerikanische Saga.

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Die Rolle, die die alte Frage auf die Probe stellt, kam in diesem Herbst. In American Hostage, der von Shawn Ryan und Eileen Myers entwickelten achtteiligen MGM+-Serie, die nach einer Festivalvorführung in Toronto am 20. September 2026 startete, spielt Ribisi Tony Kiritsis. Der Mann aus Indianapolis nahm im Februar 1977 seinen Hypothekenmakler Richard Hall mit vorgehaltener Waffe als Geisel und telefonierte während der Belagerung mit dem Radioreporter Fred Heckman, gespielt von Jon Hamm. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen fiktionalen Podcast aus dem Jahr 2022. Ribisi hat Kiritsis als „motor mouth“ beschrieben – als jemanden, der unaufhörlich redet. Die Rolle verlangt von ihm, beinahe ohne Pause zu sprechen. Zum ersten Mal steht der verängstigte, in die Enge getriebene Mann im Zentrum der Geschichte.

1997 heiratete er die Schauspielerin Mariah O’Brien; im selben Jahr kam ihre Tochter zur Welt, 2001 wurde die Ehe geschieden. Später war er fünf Jahre mit der Sängerin Cat Power zusammen, heiratete 2012 das englische Model Agyness Deyn und reichte 2015 die Scheidung ein. Im Dezember 2018 gab er die Geburt von Zwillingen mit seiner Partnerin Emily Ward bekannt. Er gehört der Church of Scientology an.

Als Nächstes folgt The Greatest, Ben Watkins’ Miniserie über Muhammad Ali, die am 4. November 2026 bei Prime Video startet. Ribisi spielt Angelo Dundee, den Trainer in Cassius Clays Ecke, Jaalen Best übernimmt die Hauptrolle. Auch für Avatar 4, dessen Start für 2029 vorgesehen ist, wird Selfridge wieder geführt. Ein Mann in der Ringecke, der seine beste Arbeit in der Minute zwischen den Runden und abseits des Rampenlichts leistet – auf diese Rolle scheint Ribisi sich schon lange vorzubereiten.

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