Kino

John DiMaggio verlor den Gagenstreit um Bender – und blieb unersetzt

Penelope H. Fritz
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John DiMaggio
John DiMaggio
Photo: Super Festivals / CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Geboren4. September 1968
North Plainfield, New Jersey, United States
BerufSynchronsprecher und Schauspieler
Bekannt fürZoomania, Der Super Mario Bros. Film, Ralph reichts
AuszeichnungenAnnie Award for Outstanding Individual Achievement for Voice Acting by a Male Performer in an Animated Television Production · D.I.C.E. Award for Outstanding Achievement in Character Performance

John DiMaggio gehört zu den Schauspielern, deren Sätze Millionen Menschen zitieren können, ohne je sein Gesicht gesehen zu haben. Seine Stimme, Kies mit einem festsitzenden New-Jersey-Vokal, leiht seit einem Vierteljahrhundert dem trinkenden, diebischen Roboter Bender in Futurama ihren Zynismus und in noch tieferer Lage dem Soldaten Marcus Fenix seine Erschöpfung. Deutsche Zuschauer kennen beide Figuren meist aus der Synchronfassung, das Original eher aus den Spielen. Auf der Straße würde ihn kaum jemand erkennen. Diese Lücke zwischen Klang und Mensch erklärt seine Karriere – und auch, warum ein Studio einmal versucht war, sie auszunutzen.

Der jüngste Beleg heißt Gears of War: E-Day, ein Prequel von The Coalition und People Can Fly, das Marcus Fenix um vierzehn Jahre zurückversetzt, an den Tag, an dem die Locust-Horde aus dem Boden des Planeten Sera brach. Das Studio baute dafür laut seiner technischen Leiterin alles „von einer leeren Festplatte“ aus neu auf, bis hin zu mehr als 350 Gesichtsformen pro Figur. Die Stimme baute es nicht neu. Den jüngeren, verletzlicheren Marcus spricht derselbe Schauspieler, der schon durch die Originaltrilogie knurrte.

DiMaggio wurde am 4. September 1968 geboren und wuchs in North Plainfield im US-Bundesstaat New Jersey auf. An der dortigen Highschool spielte er Theater, an der Rutgers University studierte er es, verließ die Universität aber im dritten Studienjahr. Es folgten Stand-up-Auftritte mit Imitationen, unter anderem im Comedy-Duo Red Johnny and the Round Guy, und eine Freundschaft mit dem Schauspieler Zak Orth, die ihn ins Tonstudio führte. Seine ersten Rollen spielte er allerdings vor der Kamera: einen wiederkehrenden Arzt in Chicago Hope und einen jungen Steve Ballmer im Fernsehfilm Die Silicon Valley Story.

Dann kam Bender. Fox startete Matt Groenings Futurama 1999, und der gewissenlose Biegeroboter wurde zum komischen Motor der Serie. Für die Rolle erhielt DiMaggio 2001 einen Annie Award. Die Serie wurde seither häufiger abgesetzt und wiederbelebt, als die meisten Sitcoms verlängert werden – von Fox zu Comedy Central und schließlich zu Hulu –, und Bender überstand jeden Senderwechsel.

In den Nullerjahren wurde er zum gefragtesten Bösewicht der Branche. Er sprach Wakka und Kimahri in Final Fantasy X, den blauhäutigen verrückten Wissenschaftler Dr. Drakken in Kim Possible und Rico, den Pinguin, der sich überwiegend in Grunzlauten verständigt, in Die Pinguine aus Madagascar. 2006 wurde er im ersten Gears of War zu Marcus Fenix; die Academy of Interactive Arts and Sciences zeichnete die Leistung als herausragende Charakterdarstellung aus.

Seine wärmste Rolle begann 2010. In Pendleton Wards Adventure Time – Abenteuerzeit mit Finn und Jake sprach er Jake, einen gestaltwandelnden großen Bruder, der sich zum Boot dehnen kann und dabei klingt wie der entspannteste Mann im Raum, über 279 Folgen bis 2018. Groening holte ihn für Disenchantment bei Netflix erneut, als jähzornigen König Zøg, und Bruce Timm besetzte ihn in Batman: Caped Crusader als knorrigen Harvey Bullock.

Für sein Handwerk trat er ein, lange bevor es Schlagzeilen machte. 2013 war er Erzähler und ausführender Produzent von I Know That Voice, einem Dokumentarfilm über jene Sprecher, deren Arbeit jeder hört und kaum jemand würdigt.

Die Schlagzeile kam 2022. Als Hulu im Februar ein neues Futurama ankündigte, fehlte DiMaggios Name in der Besetzung; Branchenmedien berichteten, Bender werde wegen eines Gagenstreits neu besetzt, den DiMaggio selbst „BenderGate“ taufte. Der Comedian James Adomian machte öffentlich, dass ein Casting für einen Stimmdoppelgänger ausgeschrieben worden war; Mark Hamill, Tara Strong und Kari Wahlgren stellten sich hinter ihn, Fans drohten mit Boykott. Die bequeme Lesart lautet, die Fans hätten gewonnen. Das stimmt nur halb. Hulu stand wenige Tage vor der ersten Leseprobe und plante, Bender in jeder Folge von einem anderen Gaststar sprechen zu lassen; DiMaggio kehrte im März ohne die geforderte Gagenerhöhung zurück. „Was ich bekommen habe, war eine Menge Respekt“, sagte er später. Der Fall belegt zweierlei: Ein Studio konnte sich Bender ohne ihn vorstellen. Und niemand wollte das Experiment sehen.

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Zuletzt bekam auch sein Gesicht mehr zu tun. Er spielte Alderman Fenwick in Interview with the Vampire, Frank Finnerty in Perry Mason und in diesem Jahr Bert Large, den Bauunternehmer des Küstenorts, in Best Medicine, der US-Neuauflage von Doc Martin bei Fox an der Seite von Josh Charles.

Die Sprecherarbeit ruht dafür nicht. Die 14. Staffel von Futurama läuft seit dem 3. August 2026 bei Hulu; auf der San Diego Comic-Con im Juli bestellte der Streamingdienst drei Specials in Überlänge, das erste davon eine Weihnachtsfolge für 2027. Adventure Time: Side Quests, eine Rückkehr in Finns und Jakes frühe Tage, startete am 29. Juni bei Disney+ und Hulu, Cartoon Network zeigt die Serie international seit dem 5. Oktober. Gears of War: E-Day ist seit dem 1. Oktober im Vorabzugang spielbar und erscheint am 6. Oktober für Xbox Series X/S und Windows, ab dem ersten Tag im Game Pass.

Privat lebt DiMaggio zwischen Los Angeles und New York; seit 2014 ist er mit der Schauspielerin Kate Miller verheiratet.

Mit 58 Jahren spricht er einen jüngeren Marcus Fenix als den, den er mit 38 sprach, und einen Roboter, der zu Weihnachten zurückkehrt. Das Fazit seines Gagenstreits ist nüchtern: Mehr Geld bekam er nicht, ersetzt wurde er trotzdem nicht.

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