Kino

Bertoluccis letztes Drehbuch, verfilmt von Andrea Pallaoro: ‚The Echo Chamber‘ im Wettbewerb von Venedig

Martha O'Hara

Andrea Pallaoro hat The Echo Chamber im Wettbewerb der 83. Filmfestspiele von Venedig uraufgeführt — ein Film, dessen brisanteste Zeile im Abspann steht. Das Drehbuch ist das letzte, an dem Bernardo Bertolucci vor seinem Tod 2018 gearbeitet hat: ein über Jahre unverfilmter Text, den nun ein anderer Regisseur zu Ende führt.

Damit stellt der Film von der ersten Einstellung an eine Autorschaftsfrage: Was heißt es, das letzte Skript eines Meisters zu inszenieren? Bertolucci entwickelte den Stoff mit Ilaria Bernardini und Ludovica Rampoldi; nach seinem Tod hielt der Produzent Nicola Giuliano das Projekt am Leben und übergab es 2024 an Pallaoro — einen in den USA arbeitenden italienischen Regisseur, bekannt für die stillen Frauenporträts Hannah und Monica, nicht für die große Geste. Gerade diese Spannung macht die Konstellation interessant.

Passend zu einem Film über Zeit und Erinnerung verwischt The Echo Chamber seine eigenen Grenzen. Auf Englisch gedreht und 120 Minuten lang, erzählt er eine Liebesgeschichte zwischen Leo (Luca Marinelli) und Anne (Alicia Vikander), in der die Grenzen zwischen Präsenz und Abwesenheit, Fürsorge und Abhängigkeit, Begehren und Kontrolle allmählich zerfließen. Susan Sarandon spielt Ava, eine Stimme, die durch die Zeit trägt.

Es ist eine international zusammengesetzte Produktion: Indigo Film und Rai Cinema aus Italien, die belgische Versus Production als Koproduzent, ein englischsprachiger Film für den Weltmarkt — genau jene grenzüberschreitende Anlage, die Bertoluccis eigenem Kino stets eigen war.

Das Risiko liegt offen zutage. Ein postumes Drehbuch ist Erbe und Last zugleich; die Gefahr heißt Ehrfurcht — ein Film, der so behutsam mit seiner Vorlage umgeht, dass er zu atmen vergisst. Ob Pallaoros Ruhe den Text befreit oder einbalsamiert, ist die Frage, die ihm der Wettbewerb stellt, und die Namen allein beantworten sie nicht.

The Echo Chamber konkurriert um den Goldenen Löwen, den die Jury unter Maggie Gyllenhaal am 12. September vergibt. In Italien startet der Film am 10. September über 01 Distribution; die internationale Auswertung folgt.

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