Filmkritiken

Deadpool & Wolverine: Ein chaotisches, herzliches Liebesbrief an das X-Men-Erbe

Martin Cid
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Die Eröffnungsszene von Deadpool & Wolverine setzt den Ton mit einem verstörenden Kontrast: Wade Wilson (Ryan Reynolds), einst der „Merc with a Mouth“, schuftet nun als Gebrauchtwagenverkäufer in einer Welt, in der seine Tage als Deadpool vorbei sind. Die Kamera verweilt auf seiner Langeweile und bricht die vierte Wand, während er sich über sein langweiliges Leben beschwert – bis Hugh Jackmans Wolverine durch seine Decke bricht. Es ist ein Moment, der die Dualität des Films einfängt: Teil Buddy-Comedy, Teil Multiversum rettende Abenteuer, alles verpackt in einer R-rated-Verpackung.

Regie führte Shawn Levy bei Deadpool & Wolverine, der kühnsten Annäherung von Marvel Studios an den selbstbewussten, meta-humoristischen Stil der Deadpool-Reihe, während er versucht, ihn in das größere MCU zu integrieren. Der Film folgt Wade Wilson, wie er sich mit einem widerwilligen Wolverine aus einem anderen Universum zusammenschließt, um die Time Variance Authority (TVA) daran zu hindern, seine eigene Zeitlinie zu zerstören. Mit Ryan Reynolds als Deadpool und Hugh Jackman in der Rückkehr als Logan ist der Film voller Cameos und Anspielungen, die als Hommage an die X-Men-Filme von Fox dienen.

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Reynolds‘ Leistung ist das Herz des Films. Sein Deadpool bleibt scharf, witzig und unermüdlich unterhaltsam, bricht mühelos die vierte Wand und liefert Sätze, die auch nach drei Filmen frisch wirken. Reynolds‘ wahre Größe zeigt sich nicht nur in seiner Schauspielkunst, sondern auch als Produzent, der sein Herz in die Rettung des Charakters gesteckt hat. Jackmans Wolverine bietet das perfekte Gegenstück, bringt seine typische Rauheit und emotionale Tiefe in die Rolle. Die Chemie zwischen Reynolds und Jackman ist spürbar, macht ihren Schlagabtausch zu einem der herausragenden Elemente des Films.

Emma Corrin als Cassandra Nova liefert eine beunruhigende Leistung, die die Spannung des Films erhöht. Ihre Darstellung der Bösewichtin ist sowohl bedrohlich als auch nuanciert und bietet Deadpool und Wolverine einen würdigen Gegner. Der Support-Cast, darunter Morena Baccarin als Vanessa und Rob Delaney als Peter, fügt dem Storytelling Tiefe und Humor hinzu.

Levys Regie ist solide, aber der Film kämpft mit Tempo und strukturellen Entscheidungen. Mit 130 Minuten wirkt Deadpool & Wolverine aufgebläht, besonders wenn er bei Erklärungen zur TVA und zum Multiversum ins Stocken gerät. Die Actionszenen, obwohl visuell beeindruckend, verfallen oft in einen zähen Rhythmus mit zu vielen CGI-lastigen Set-Pieces, die die präzise Choreografie früherer Deadpool-Filme vermissen lassen. Auch der Humor verliert manchmal seine Schärfe und greift auf müde Popkultur-Anspielungen zurück, statt Reynolds‘ natürliches komödiantisches Timing zu vertrauen.

Die Originalität des Films ist sowohl Stärke als auch Schwäche. Es ist erfrischend, einen R-rated MCU-Film zu sehen, aber Deadpool & Wolverine wirkt oft so, als versuche es zu viel auf einmal zu sein – eine Buddy-Comedy, ein Multiversum-Abenteuer, eine Hommage an die X-Men-Filme von Fox. Das Ergebnis ist ein Film, der zwischen so vielen konkurrierenden Prioritäten zu kämpfen hat.

Trotz dieser Schwächen gibt es Momente echter Brillanz. Eine Szene, in der Deadpool und Wolverine mit schierer Absurdität und roher Gewalt in eine Hochsicherheitseinrichtung eindringen, zeigt den Film von seiner besten Seite: eine perfekte Mischung aus Humor, Action und Charakterdynamik. Der Soundtrack, darunter Madonna’s „Like a Prayer“ während Schlüsselsequenzen, ist ein kluger Hinweis auf die Vergangenheit beider Charaktere.

Die Themen des Films erforschen Identität, Erlösung und die Konsequenzen von Zeitreisen. Wade Wilsons Weg vom lustlosen Zivilisten zu einem Helden, der sein Universum retten muss, spiegelt Wolverines eigene Kämpfe mit Zweck und Vermächtnis wider. Das Multiversum-Setting ermöglicht eine kreative Erforschung dieser Themen, aber der Film verliert sich oft in seiner eigenen Komplexität.

Deadpool & Wolverine ist ein Film, den man einfach nicht genießen kann, selbst wenn er stolpert. Er ist voller Witz, Herz und einigen wirklich spektakulären Momenten, aber er kann seinem eigenen Ehrgeiz nicht ganz entkommen. Die Leistungen von Reynolds und Jackman sind stark genug, um auch die schwächeren Passagen zu tragen und machen den Film für Fans der Charaktere und des Franchises zu einem lohnenden Erlebnis.

Am Ende ist Deadpool & Wolverine ein Film, der hoch hinaus will und sein Ziel größtenteils trifft.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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