Filmkritiken

Der Name der Rose bleibt ein fesselnder Klosterkrimi, der mehr denkt als schockiert

Jean-Jacques Annauds Umberto-Eco-Verfilmung von 1986 mit einem überragenden Sean Connery.
Martha O'Hara
Fügen Sie uns bei Google hinzu

Umberto Ecos Roman von 1980 ist ein Kriminalroman, der nebenbei Semiotik, Bibelanalyse, Mittelalterforschung und Literaturtheorie verhandelt. Daraus einen Film zu machen, ist ein riskantes Vorhaben. Jean-Jacques Annaud hat es 1986 mit Der Name der Rose gewagt, und das Ergebnis ist über weite Strecken packend, an einigen Stellen aber auch zäh.

Das Jahr ist 1327, der Ort eine Benediktinerabtei in Norditalien. Der Franziskaner William von Baskerville reist mit seinem jungen Novizen Adso von Melk zu einem theologischen Streitgespräch an, in dem es um den Konflikt zwischen Papst Johannes XXII. und den Franziskanern über die apostolische Armut geht. Kaum angekommen, findet William mehrere tote Mönche vor, und der Abt bittet ihn, die Todesfälle aufzuklären. Gegen die Autorität der Kirche und gegen eine Verschwörung hinter den Klostermauern hat er nur ein Mittel: seinen Verstand. Davon hat er reichlich.

YouTube Video

Sean Connery spielt diesen William mit trockener Autorität und einem Humor, der nie aufdringlich wird. Man glaubt ihm den ehemaligen Inquisitor, der Indizien liest, statt Geständnisse zu erzwingen, und gerade weil Connery die Gelehrsamkeit nicht zur Schau stellt, folgt man dieser Figur gern. Christian Slater hat es als Adso schwerer. In den ersten Szenen wirkt er zurückhaltend bis verloren, und das passt zwar zu einem Novizen, trägt aber nicht immer. Besser wird es, als Adso in der Küche auf ein Bauernmädchen trifft. Die beiden teilen keine Sprache und kommen sich trotzdem nahe; danach beichtet Adso William und plagt sich weiter mit Schuldgefühlen. Hier bekommt Slater endlich etwas zu spielen, das über Staunen hinausgeht.

Die Bibliothek bildet den Kern der Geschichte. Der Bibliothekar Malachia hat sie für Fremde gesperrt, doch William und Adso dringen trotzdem in das Labyrinth ein und stoßen auf Hinweise auf eine verborgene Kammer, das finis Africae. Der Name spielt auf den vermuteten Rand der Welt an, und so funktioniert der Ort auch in der Handlung: als Grenze, hinter der das Wissen beginnt, das manche im Kloster lieber unter Verschluss halten. Auch die Todesfälle hängen mit den Büchern zusammen. Venantius wird in einem Bottich mit Schweineblut gefunden, an Zunge und Fingern schwarz verfärbt, ein Hinweis auf Gift. Später zeigt der ertrunkene Berengar dieselben Spuren. Solche Details geben dem Film seine Krimistruktur, und sie sind sein stärkstes Argument gegen den Verdacht, hier werde bloß ein Roman bebildert.

Schwächer ist der Film dort, wo er das Gespräch über die Handlung stellt. Im Streitgespräch zwischen William und dem alten Jorge von Burgos geht es darum, ob Lachen erlaubt sei, und Jorge sieht darin eine Bedrohung der göttlichen Ordnung. Feodor Chaliapin Jr. gibt ihm eine Strenge, die Furcht einflößt. Trotzdem stockt der Film in diesen Passagen. Wer Ecos Gedankenspiele nicht schon aus dem Buch kennt, hört Thesen, spürt aber keine Spannung. Dasselbe gilt für die Disputation selbst: Sie ist für den Plot notwendig und dennoch der Teil, den man am ehesten aussitzen muss.

Auch abseits der beiden Hauptfiguren ist der Film gut besetzt. F. Murray Abraham tritt als Inquisitor Bernardo Gui auf, sobald die päpstliche Delegation eintrifft, und spielt ihn mit einer eisigen Selbstgewissheit, die jeden Raum verändert, den er betritt. Ron Perlman wird als Salvatore gemeinsam mit dem Mädchen wegen Hexerei und Ketzerei verhaftet, und die Szene zeigt, wie schnell in dieser Welt aus Verdacht ein Urteil wird. Michael Lonsdale als Abt, Elya Baskin als Kräuterkundiger Severinus und Volker Prechtel als Malachia geben dem Kloster Gesichter, die man sich merkt. Für Bernardo Gui hätte ich mir mehr Platz gewünscht, denn gerade er verkörpert die Macht, gegen die William antritt.

Makellos ist der Film nicht. Wo er zu viel erklären will, wird er schwerfällig, und am besten ist er, wenn er seinen Detektiv einfach arbeiten lässt. Aber William und Adso, das Rätsel um die Bibliothek und ein Gegner, der Wissen und sogar Lachen als Gefahr begreift, tragen ihn auch durch die zähen Passagen. Wer die Geduld für die Dialoge aufbringt, bekommt einen Fall, der länger im Kopf bleibt als der Abspann.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Schlagwörter: , , , , ,

Fügen Sie uns bei Google hinzu

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.