Filmkritiken

Der Spion von nebenan 2 weiß nicht, für wen er gedreht wurde, und lebt allein von seinem Duo

Peter Segals Fortsetzung (2024) vereint Dave Bautista und Chloe Coleman, verheddert sich aber im Tonfall.
Martha O'Hara
Fügen Sie uns bei Google hinzu

Ein Atomkomplott gegen den Vatikan, ein altgedienter CIA-Agent und die junge Rekrutin, die er ausgebildet hat: Die Ausgangslage von Der Spion von nebenan 2 ist klar umrissen und hätte für einen unaufgeregten Familienabend gereicht. Regisseur Peter Segal will in dieser Fortsetzung des Films von 2020 jedoch zwei Zielgruppen zugleich bedienen, Kinder und Freunde des Agentenkinos. Keiner von beiden kommt dabei wirklich auf seine Kosten.

JJ, gespielt von Dave Bautista, tut sich wieder mit seiner Schützlingin Sophie (Chloe Coleman) zusammen, um den Anschlag auf den Vatikan zu verhindern. Für ein leichtes Abenteuer genügt das völlig. Der Film stapelt stattdessen Verwicklungen wie ein James Bond auf Weltreise, was ihm in den USA ein PG-13 eingebracht hat. Die amerikanische Kritik hat den Haken schnell benannt: zu albern für Erwachsene, zu erwachsen für Kinder. Für wen er eigentlich gemacht ist, fragt man sich die ganze Laufzeit über, und der Film gibt darauf keine Antwort.

YouTube Video

Tragfähig ist allein die Beziehung der beiden Hauptfiguren. Bautista wird interessanter, sobald Chloe Coleman ihm gegenübersteht. Den brummigen Beschützer spielt er mühelos, und sie begegnet seiner Unbeholfenheit mit einer Selbstverständlichkeit, die sitzt. Dieses Paar ist der Kern der Reihe, und der Film nutzt es dort gut, wo er ihm Raum lässt. Sobald die Handlung die beiden trennt oder unter Erklärungen zum Komplott begräbt, sackt das Interesse ab.

Anna Faris als Nancy wirkt, als habe sie Spaß an der Sache, und das überträgt sich. Flula Borg als Crane gibt Bautista ein gutes Gegenüber, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Er ist eher Spielpartner als Szenendieb, und das ist in diesem Genre seltener, als man denkt. Die Auftritte sind kurz. Sie zeigen aber, dass diese Besetzung eine mutigere, weniger auf Absicherung bedachte Komödie hätte tragen können.

Segals Inszenierung findet nie einen festen Ton. Ohne Übergang springt der Film vom Familienscherz zur ernsten Gefahr, und das Schwanken fällt besonders in den Szenen auf, die großes Spektakel sein sollen. Ob man lachen oder zittern soll, bleibt offen, bis man irgendwann keins von beidem mehr tut. Bei 101 Minuten hat dieser Bruch reichlich Zeit, sich festzusetzen. Ein Atomthriller um den Vatikan braucht ein Mindestmaß an Ernst, damit überhaupt etwas auf dem Spiel steht; eine Familienkomödie verlangt, dass man bei der Bedrohung nicht lange verweilt. Das Drehbuch will beides und bekommt keins von beiden richtig hin.

Die Wahl des Vatikans als Ziel wirft zudem eine Frage auf, der der Film ausweicht. Wer einen so symbolträchtigen Ort mit einer Bombe bedroht, ruft eine Schwere auf, die der leichte Grundton sofort wieder wegwischt. Der Titel verspricht die Ewige Stadt, doch die Handlung braucht sie vor allem als Zielscheibe für ihren Countdown. Das ist schade, denn die Verbindung von Agentenintrige und einem derart geschichtsträchtigen Schauplatz hätte mutigere Einfälle verdient, als man sie hier zu sehen bekommt.

Um das Duo versammeln sich vertraute Gesichter der Komödie: Ken Jeong als David Kim, Kristen Schaal als Bobbi, Craig Robinson als Connelly, Taeho K als Collin, Billy Barratt als Ryan und Tamer Burjaq als Boris. Diese Nebenrollen wirken eher wie Gag-Lieferanten als wie Figuren. Mit etwas mehr Raum hätten manche der Geschichte die Luft verschaffen können, die ihr fehlt, statt bloße Silhouetten zu bleiben, die man erkennt, ohne sich an sie zu binden.

Einige Witze zünden, und zwei, drei Darsteller hätten Besseres verdient. Man verlässt den Film mit Sympathie für die Beteiligten und Verdruss über den Ton. Der Spion von nebenan 2 rechtfertigt die Rückkehr von JJ und Sophie nicht aus eigener Kraft. Harmlos und vorhersehbar, taugt er für einen Abend ohne konkrete Erwartungen und ist vergessen, kaum dass der Abspann durch ist.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Schlagwörter: , , , , ,

Fügen Sie uns bei Google hinzu

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.