Filmkritiken

Die Farbe des Geldes ist der lockerere Nachfolger, den nur Paul Newman so tragen konnte

Martin Scorsese schickt 1986 den alten Hustler Fast Eddie als Mentor eines jungen Tom Cruise zurück an den Tisch.
Martha O'Hara
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Als Die Farbe des Geldes beginnt, hat Eddie Felson das Spiel aufgegeben. Er verkauft Spirituosen in Chicago, rührt keinen Queue mehr an, und Paul Newman spielt ihn mit der Gelassenheit eines Mannes, der sich mit dem Abstand eingerichtet hat. Dann sieht er Vincent Lauria beim Neun-Ball gegen Julian zu. Vincent, gespielt von Tom Cruise, ist jung, schnell und laut, und er hat mehr Talent, als er zu nutzen weiß. Eddie erkennt das sofort. Neben Vincent steht seine Freundin Carmen, und Eddie sieht auch in ihr etwas: Sie hat noch keine Übung darin, Gegner in die Falle zu locken, könnte es aber lernen.

Der Film setzt The Hustler von 1961 fort, und wie das Original geht er auf einen Roman von Walter Tevis zurück. Fünfundzwanzig Jahre liegen zwischen beiden Filmen, und Newman spielt Eddie als einen Mann, der in dieser Zeit gelernt hat, Menschen zu lesen. Genau diese Fähigkeit setzt er ein, als er Vincent anwirbt. Er sucht ihn an seinem Arbeitsplatz bei Child World auf, spielt mit dessen Unsicherheit gegenüber Carmen und schenkt ihm einen wertvollen Balabushka-Queue. Sechs Wochen Hustling auf der Straße, am Ende ein Neun-Ball-Turnier in Atlantic City: Das ist das Angebot. Wer hier wen benutzt, bleibt lange offen.

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Das Herzstück sind die Wochen im Cadillac. Eddie kassiert den größten Teil der Gewinne und fängt die Verluste auf, und er versucht Vincent beizubringen, dass ein guter Hustler schlechter spielen muss, als er kann. Vincent will davon nichts wissen. Er will gewinnen, und zwar sichtbar. In der Halle von Eddies altem Bekannten Orvis platzt Eddie der Kragen, und er lässt Vincent zurück. Als er wiederkommt, hat Vincent den besten Spieler des Ladens geschlagen und dabei einen zahlungskräftigeren Gegner verscheucht. Die Aussprache danach ist nüchtern und offen. Beide sehen ein, dass Vincent sein Ego zügeln muss, wenn das Geschäft aufgehen soll. Ob er das kann, bleibt fraglich, und der Film tut nicht so, als wäre es entschieden.

Die wichtigste Wende kommt mit Grady Seasons. Eddie will, dass Vincent die Partie absichtlich verliert, damit die Quoten gegen ihn in Atlantic City steigen. Grady reizt ihn, und Vincent bekommt die Niederlage beinahe nicht hin. Für Eddie ist das der Moment, in dem er selbst wieder spielen will, und Newman lässt diesen Entschluss ohne große Geste sichtbar werden. Danach verliert Eddie gegen den Hustler Amos, steckt die Demütigung weg und lässt Vincent und Carmen genug Geld für die Weiterreise da. Für diese Rolle bekam Newman den Oscar als bester Hauptdarsteller. Er war nicht nur ein Preis für ein langes Lebenswerk, sondern er ist in dieser Figur zu sehen.

Cruise hat die undankbarere Aufgabe. Vincent ist eitel und unbeherrscht, und der Film verschweigt das nicht, aber Cruise gibt ihm genug Charme, dass man Eddies Geduld nachvollziehen kann. Er steht neben Newman und hält stand. Schwächer bleiben die Nebenfiguren. Mary Elizabeth Mastrantonio als Carmen hat immerhin eine echte Funktion in der Dreiecksgeschichte, Helen Shaver als Janelle bekommt dagegen nur wenige Szenen, und John Turturro als Julian und Forest Whitaker als Amos sind schnell wieder aus dem Bild. Der Film interessiert sich für zwei Männer und lässt den anderen wenig Raum.

In Atlantic City schlägt Eddie Vincent im Turnier. Danach erklärt Vincent ihm, er habe Grady besiegt, auf Eddie gesetzt und die gemeinsame Partie absichtlich abgegeben. Er und Carmen geben Eddie 8.000 Dollar, seinen Anteil. Eddie gibt das Geld zurück, tritt im Halbfinale nicht an und will nur noch ehrlich gewinnen. Vor dem Duell mit Vincent sagt er: „I’m back!“ Das ist kein Jubel. Er gibt sich selbst sein Wort, und erst damit beginnt für ihn das eigentliche Spiel.

Die Farbe des Geldes kam am 17. Oktober 1986 über Buena Vista in die Kinos und wurde überwiegend gut besprochen. Einigen Kritikern war er als Fortsetzung von The Hustler zu schwach. Das ist nachvollziehbar, denn dort gab es am Ende keinen Trost, während Eddie hier wieder anfangen darf. Trotzdem hat Scorsese einen Film gedreht, in dem Newman und Cruise von der ersten bis zur letzten Partie den Ton angeben.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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