Filmkritiken

Family Switch ist ein plumper Körpertausch-Spaß, aber mit genug Herz für die Weihnachtszeit

McGs Netflix-Komödie von 2023 variiert die Freaky-Friday-Formel mit Jennifer Garner und Ed Helms.
Martha O'Hara
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Ein Becher Eis kurz vor einem wichtigen Kundentermin, und kurz darauf ein Geräusch, das niemand im Raum überhören kann. Gemeint ist die Szene, in der CC im Körper ihrer Mutter Jess die Präsentation übernimmt, das Eis hastig löffelt und die Laktoseintoleranz der Mutter zu spüren bekommt. Es ist einer der wenigen Momente in „Family Switch“, in denen Regisseur McG aus der gemütlichen Netflix-Hülle ausbricht und einen unbequemen Lacher riskiert. Den Film gibt es seit dem 30. November 2023 beim Streamingdienst. Er erzählt die klassische Körpertausch-Geschichte als Familienkomödie mit Weihnachtsbeigeschmack und bleibt dabei erstaunlich brav.

Die Walkers leben in Los Angeles. Jess (Jennifer Garner) und Bill (Ed Helms) arbeiten beide, die Kinder CC (Emma Myers), Wyatt (Brady Noon) und der kleine Miles gehen ihrer Wege, und die Eltern versuchen kurz vor Weihnachten vergeblich, die Familie enger zusammenzubringen. Beim Ausflug zum Griffith-Observatorium, wo eine seltene Planetenkonstellation zu sehen ist, eskaliert der Streit: Jess und CC, Bill und Wyatt wünschen sich gegenseitig, der andere möge einmal in ihrer Haut stecken. Dann sollen sie von der Astrologin Angelica ein Familienfoto machen lassen, ein gleißender Blitz erschüttert das Observatorium, und das Teleskop geht zu Bruch. Am nächsten Morgen stecken Jess und CC sowie Bill und Wyatt im Körper des jeweils anderen. Auch Miles und Hund Pickles haben getauscht. Der ahnungslose Nachbar Rolf wird als Babysitter eingespannt, und die Familie will bis zum Ende der Konstellation wieder in den eigenen Körpern stecken.

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McGs Regie setzt durchgehend auf Nummer sicher. Der Film ist zweckmäßig erzählt und ohne erkennbare Handschrift, und selbst die lustigeren Szenen wirken, als sollten sie vor allem niemanden verschrecken. Die Idee vom Körpertausch ist ohnehin nicht neu; wer „Freaky Friday“ kennt, wird kaum überrascht. Andere Filme dieser Art nutzen den Tausch wenigstens für ein bisschen Gesellschaftsbeobachtung oder für genauere Figurenzeichnungen. „Family Switch“ begnügt sich mit Gags und Lehren, die man schon im ersten Drittel errät.

Garner und Helms geben sich alle Mühe, doch ihre Rollen bleiben auf familiäre Standardkonflikte reduziert. Am meisten Spaß macht Garner, wenn sie als Jess im Körper der Tochter beim Fußballspiel antritt und sich um eine verletzte Gegnerin kümmert, statt den eigenen Vorteil zu suchen, obwohl eine Talentsucherin auf der Tribüne sitzt. Ed Helms wiederum versemmelt als Bill in Wyatts Körper das Vorstellungsgespräch für ein Yale-Stipendium mit lässiger Gleichgültigkeit. Das ist gut gespielt, und es wirkt am besten, wenn der Film nicht erklärt, was er gerade zeigt. Emma Myers gibt der Figur der CC immerhin ansatzweise eine eigene Kontur, vor allem in dem Moment, in dem ihr Missgeschick in der Präsentation ihrer Mutter auf die Füße fällt.

Die Musik mischt Weihnachtsklassiker wie „Santa Claus Is Comin’ to Town“ mit Pop-Nummern wie „Moves Like Jagger“. Sie hält den Ton leicht, wirkt aber oft aufgepfropft, als müsse jemand nachträglich Festtagsstimmung hineinstreuen. Dass der Film als PG eingestuft ist, überrascht nicht. Familie, Zusammenhalt und Selbstreflexion werden so behutsam behandelt, dass nie etwas riskiert wird. Selbst der Furz-Gag im Meeting, die schärfste Szene des Films, wird zwar laut, aber nicht wirklich unangenehm.

Matthias Schweighöfer hat als Rolf, dem Nachbarn, der unwissentlich auf Miles und den Hund aufpasst, nur eine kleine Rolle. Rita Moreno ist als Angelica kurz zu sehen, und gerade weil mit ihrer Figur der Zauber seinen Anfang nimmt, hätte man gern mehr von ihr gehabt. Vanessa Carrasco spielt Ariana, Wyatts Schwarm, auf deren Party der Film seine besten Momente hat. Bill, also eigentlich Wyatt, wird dorthin eingeladen, Wyatt, also eigentlich Bill, geht widerwillig hin und verpatzt einen möglichen Annäherungsmoment mit Ariana, stellt sich aber dem Schulrüpel in den Weg. Jess und Bill schleichen sich ebenfalls auf die Feier, nachdem die ahnungslosen Nachbarn sie zu einem Kuss gedrängt haben. Für einen Augenblick erleben alle vier echte Nähe, bis Bill erfährt, dass Wyatt Ariana abgewiesen hat. Am nächsten Tag begreifen die Walkers, was der andere jeweils zu tragen hat, und Bill erfährt, dass sein eigener Vater einst eine mögliche Musikkarriere aufgegeben hat, um Elternteil zu sein.

Diese Einsichten bekommen zu wenig Raum. Wo der Film kurz innehält, hetzt er schon zur nächsten Pointe. Dabei hätte die Vorlage mehr hergegeben: Der Film basiert auf dem Kinderbuch „Bedtime for Mommy“ von Amy Krouse Rosenthal, das Adam Sztykiel und Victoria Strouse für die Leinwand bearbeitet haben. Das erklärt vielleicht, warum er sich so deutlich an ein junges Publikum richtet.

Die Kritiken fielen gemischt aus. Zuschauerstimmen auf Rotten Tomatoes loben, wie natürlich die Darsteller als Familie wirken. Andere stören sich an der vorhersehbaren Handlung. Roger Ebert nannte den Film einen „Dad Joke of a movie“, gutmütig angestaubt, aber so sichtlich vergnügt über die eigene Biederkeit, dass man mitlachen darf. Das trifft es ziemlich genau. „Family Switch“ ist eine harmlose Weihnachtskomödie für den Familienabend, bei der man selten wütend wird und noch seltener begeistert.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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