Kino

Indiens Rekord an den Kinokassen macht PVR Inox zum Gegenbeweis für das Kinosterben

PVR Inox' Leinwand-Expansion und sein Cannes-Einkaufsarm argumentieren: Indiens Kino-Boom ist Strategie, kein Zufall
Liv Altman

Seit einem halben Jahrzehnt hält die globale Kinobranche dieselbe Totenrede: Streaming habe gewonnen, das Kino sei ein Auslaufmodell, und die einzige Frage sei, wie anmutig der Niedergang verlaufe. Indien weigert sich beharrlich, an seiner eigenen Beerdigung teilzunehmen. Im Interview mit Deadline legt PVR Inox Executive Director Sanjeev Kumar Bijli dar, dass die führende Multiplex-Kette des Landes die Streaming-Ära nicht nur überlebt, sondern sie nutzt — indem sie die große Leinwand als Event behandelt, das andere Territorien zu verkaufen verlernt haben.

Die beeindruckende Zahl ist das Argument. Indiens Box-Office erreichte im vergangenen Jahr mit 1,48 Milliarden Dollar einen Rekord und gehört damit zu den wenigen Märkten in Asien, die die Umsätze vor der Pandemie übertrafen, selbst als Hollywoods Pipeline dünner wurde und Streaming-Budgets anschwollen. Die Erholung, so Bijli, wurde weniger von importierten Blockbustern angetrieben als von einer Reihe einheimischer Hindi-Hits — der Art von star-getriebenem Spektakel, das indische Zuschauer immer noch als Ereignis betrachten und nicht als Warteschlange auf einem heimischen Bildschirm.

Bijlis Einschätzung: Die Nachfrage war nie das Problem, sondern das Angebot und der Ehrgeiz. PVR Inox, der fusionierte Gigant, der knapp die Hälfte der indischen Multiplex-Leinwände kontrolliert, antwortet mit Expansion statt Rückzug und eröffnet Leinwände, während andere Ketten sie anderswo schließen. Der Cannes-Aufkauf über das Label PVR Inox Pictures ist die andere Hälfte der Wette: internationale und unabhängige Titel kaufen, um das Programm über Bollywood und Hollywoods Restposten hinaus zu erweitern, und den Kinobetreiber zum Verleiher machen, der ein Interesse daran hat, was seine eigenen Säle füllt.

Der Zeitpunkt unterstreicht die Botschaft. Christopher Nolans The Odyssey, der erste komplett auf IMAX 70mm gedrehte Film, startete in Indien auf über 2.500 Leinwänden, Zehntausende IMAX-Plätze waren schon vor dem Start verkauft — die Sehnsucht nach großem Kino, die Kinobetreiber in langsameren Märkten heute kaum noch erzeugen können. Während westliche Ketten darüber sprechen, wie man Zuschauer zurückgewinnt, lautet Bijlis These, dass sie in Indien nie wirklich weg waren; sie warteten auf Filme, die den Weg lohnten.

Die Belege finden sich an entgegengesetzten Enden des Programms. Ranveer Singhs Spion-Blockbuster Dhurandhar wurde zum Besuchermagneten des Jahres, und Nolans Epos startete am 17. Juli auf den größten Premium-Leinwänden des Landes — zwei sehr unterschiedliche Filme, die dieselbe These über die Beständigkeit des Kino-Events vertreten.

Es ist eine seltsame Umkehrung der üblichen Branchenkarte: Der Markt, den Hollywood lange als Export-Nebensache behandelte, schreibt jetzt das Handbuch, wie man die Lichter im Vorführraum anlässt.

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