Filmkritiken

The Last Mercenary ist ein chaotischer Van-Damme-Spaß, der mehr durch Charme als durch Können überzeugt

David Charhons französische Actionkomödie von 2021 setzt auf Albernheit statt auf ein stimmiges Drehbuch.
Martha O'Hara
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Ein Geheimagent, der jahrelang untergetaucht war, kehrt nach Frankreich zurück, weil ein Sohn, den er nie kennengelernt hat, in Schwierigkeiten steckt. Auf diesem einen Satz ruht The Last Mercenary (2021), und viel mehr trägt der Film auch nicht. David Charhon will Actionfilm und Komödie zugleich sein und legt sich in keinem von beiden richtig fest.

Jean-Claude Van Damme spielt Richard Brumére, einen früheren Agenten im Dienst des Staates. Sein Sohn Archibald al Mahmoud (Samir Decazza) wird von den Behörden plötzlich wegen Waffen- und Drogenhandels gesucht. Zuvor hat Ministerin Sivardière (Valérie Kaprisky) die Zahlungen gestoppt, die Archibald jahrelang Schutz verschafft hatten. Kaum ist das Geld weg, stehen Agenten vor seiner Tür. Fernand, der Agent, der sich um Archibald gekümmert hat und den dieser für seinen Vater hält, stirbt an einem Herzinfarkt, weil ein Gerät namens „Big Mac“ das Signal seines Herzschrittmachers zerstört. Das ist ein harter Moment für eine Komödie, und der Film findet danach nie ganz zu einem Ton zurück, der beides zusammenhält.

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Dabei steckt in der Konstellation Potenzial. Ein Vater, den der Sohn nicht kennt, holt ihn aus dem Gewahrsam der Regierung und gibt sich zunächst nicht zu erkennen: Das taugt für Rührung ebenso wie für Slapstick. Der Film nutzt beides nur halb. Die Befreiung, eine lange Prügelei mit Agenten, liefert, was man von einem Van-Damme-Film erwartet, und kaum etwas darüber hinaus. Charhon und sein Co-Autor Ismael Sy Savane schreiben die Szenen so, dass jede Pointe sichtbar vorbereitet wird, und die Dialoge klingen oft, als stünden sie nur da, um die nächste Prügelei zu erreichen.

Van Damme selbst ist das Beste an diesem Film. Er bringt die Körperlichkeit mit, für die man ihn kennt, und spielt den müden Profi ohne Eitelkeit. Seine Kampfszenen sind nichts Neues, aber sie sind ordentlich gebaut und halten das Tempo oben. Alban Ivanov als Alexandre Lazare sorgt für einen Gutteil der komischen Momente, und einige davon sitzen. Seine Figur bleibt allerdings ein Stichwortgeber, dem das Drehbuch wenig Eigenes erlaubt. Samir Decazza hat es als Archibald nicht leichter: Er muss zwischen Panik, Misstrauen und aufkeimender Zuneigung wechseln, bekommt dafür aber kaum Zeit zum Atmen. Gerade hier hätte der Film Raum für etwas Stilleres gehabt, für zwei Männer, die einander nicht kennen und sich trotzdem ähneln.

Das übrige Ensemble hätte mehr verdient. Patrick Timsit ist als Commandant Jouard besetzt, Richards altem Bekannten und dem Ex-Mann von Archibalds Mutter. Diese Verstrickung könnte reiben, aber der Film behandelt sie wie eine Randnotiz. Assa Sylla als Dalila, Éric Judor als Paul Lesueur, Miou-Miou als Marguerite, Djimo Salim als Momo und Nassim Lyes als Simyon Novak füllen ihre Rollen, ohne dass das Drehbuch ihnen viel zu tun gäbe. Man spürt, dass hier Komiker am Werk sind, die man lieber in besserem Material sähe.

Am Ende wird Richard als Vater enttarnt, und Archibald fühlt sich hintergangen. Jouard besteht darauf, Richard wegen einer früheren Operation, genannt „Cup-and-Ball“, festzunehmen. Richard löst „Big Mac“ aus, legt den Strom im Gebäude lahm und entkommt, verspricht seinem Sohn aber, für ihn da zu sein. Das ist der emotionale Kern des Films, und er wirkt eilig abgehandelt, als müsse nach dem ganzen Getöse noch schnell eine Versöhnung abgehakt werden. Wer dem Sohn gerade erst begegnet ist, gibt ein solches Versprechen nicht ohne Weiteres ab, und der Film bemüht sich kaum, uns davon zu überzeugen. Dass derselbe Apparat, der am Anfang einen Menschen tötet, am Ende die Flucht ermöglicht, ist die vielleicht eleganteste Idee des Drehbuchs. Sie bleibt allerdings ein Einfall und wird nie zu einer Haltung.

Die Kritik war bei der Veröffentlichung gespalten. Auf Rotten Tomatoes sind 58 Prozent von 26 Besprechungen positiv, die Durchschnittsnote liegt bei 5,3 von 10. Metacritic errechnet aus neun Kritiken 48 von 100 Punkten, also „gemischt oder durchschnittlich“. Mein Eindruck deckt sich damit: Einzelne Szenen amüsieren, andere ziehen sich, und wenn das Licht im Wohnzimmer wieder angeht, erinnert man sich vor allem an die Prügelei und an das Gerät mit dem Namen eines Hamburgers.

The Last Mercenary erschien am 30. Juli 2021 bei Netflix und taugt vor allem für den Abend, an dem man Van Damme beim Kämpfen zusehen will. Dafür reicht er. Für eine Komödie fehlt ihm der Mut zur Pointe, für einen Actionfilm die Idee, und das Herzstück, ein Vater, der sich seinem Sohn erst spät zu erkennen gibt, steht im Drehbuch, ohne gespielt zu werden. Wer eine solide Schlägerei mit ein paar gelungenen Gags sucht, wird nicht enttäuscht. Wer auf ein Vaterdrama gehofft hat, sollte einen anderen Film wählen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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