Filmkritiken

The Weekend Away ist ein alberner, aber süchtig machender Netflix-Thriller ohne falschen Anspruch

Kim Farrants Thriller von 2022 mit Leighton Meester macht aus einem Blackout in Kroatien solide Samstagabend-Unterhaltung.
Martha O'Hara
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Beth wacht benommen und mit Erinnerungslücken auf, und von ihrer besten Freundin Kate fehlt jede Spur. The Weekend Away, der Netflix-Thriller von Kim Farrant aus dem Jahr 2022, beginnt mit einem Rätsel, das sofort neugierig macht: Leighton Meester als Beth, verwirrt und zunehmend panisch, in einem Urlaub, der über Nacht kippt. Aus dem vielversprechenden Mystery-Thriller wird dann aber ein Film, der unter dem Gewicht seiner eigenen Wendungen ächzt.

Der Einstieg ist solide gebaut. Beth, eine in London lebende Amerikanerin und frischgebackene Mutter, fliegt mit Kate (Christina Wolfe) nach Kroatien. Sie vertraut der Freundin an, dass ihre Ehe in eine zähe Phase geraten ist und sie nicht weiß, was sie tun soll. Die beiden gehen tanzen, zwei Männer flirten mit ihnen, und Kate rät Beth zu einem One-Night-Stand. Am nächsten Morgen weiß Beth kaum noch, was passiert ist, und Kate ist verschwunden. Dass die Hauptfigur selbst nicht zuverlässig bezeugen kann, was in dieser Nacht geschah, ist der klügste Einfall des Films. Er macht aus der Suche nach der Freundin zugleich eine Suche nach der eigenen Erinnerung, und in diesem ersten Drittel hält Farrant die Spannung ordentlich.

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Danach reiht sich eine Enthüllung an die nächste. Die Männer aus dem Club waren Escorts, die Kate engagiert hatte, und zugleich Trickbetrüger, die ihre Kundinnen betäuben und ausrauben. Beths Ehemann Rob (Luke Norris) zeigt zunächst wenig Interesse, reist dann doch an und verdächtigt sofort den Taxifahrer. Auf Kates Handy findet Beth Nachrichten, die eine Affäre zwischen Rob und Kate belegen. Ein Polizist, der ihre Geschichte von Anfang an angezweifelt hat, steckt tiefer in der Sache, als er zugibt. Jede dieser Wendungen ist für sich genommen brauchbar. Aber sie kommen so rasch hintereinander, dass keine aus der vorigen erwächst; man spürt, wie das Drehbuch die nächste Überraschung bereitlegt, statt dass die Geschichte sie hervorbrächte.

Zu den Darstellern. Meester gibt ihr Bestes, doch ihre intensivsten Szenen bleiben oft an der Oberfläche, weil das Drehbuch ihr kaum Raum für Zwischentöne lässt. Christina Wolfes Kate ist über weite Strecken vor allem die Freundin, nach der gesucht wird; als Figur bleibt sie blass. Ziad Bakri spielt Zain, den Taxifahrer, der Beth hilft. Seine Loyalität setzt schnell und ohne rechte Begründung ein, und dass er sich später stellt, damit Beth fliehen kann, passt zu dieser Hast: Es soll berühren, bevor die Figur sich das verdient hat.

Am meisten leidet der Film unter seiner Logik. Warum glaubt die Polizei zunächst gar nichts und beschuldigt Beth dann, Zain für einen Mord angeheuert zu haben? Warum benimmt sich Pavić (Amar Bukvić), der Beths Schilderung anzweifelt, so auffällig, dass man ihm früh misstraut? Eine Antwort gibt der Film nicht, die Handlung verlangt es eben so. Auch der Sturz des Polizisten von einem Gebäude, als er Beth zu fassen bekommt, soll der Höhepunkt sein und wirkt eher überhastet als dramatisch.

Schlecht ist The Weekend Away trotzdem nicht, denn es gibt Einfälle, die funktionieren. Beth entdeckt, dass ihr Vermieter Sebastian (Adrian Pezdirc) seine Gäste filmt, und die Aufnahmen erzählen, was sie selbst nicht mehr weiß: Sie wurde früh ins Bett gebracht, Kate wurde beraubt, nahm ein Taxi, um den Männern zu folgen, und kam später in einem anderen Wagen zurück. Hier greift der Film endlich auf etwas Greifbares zurück, auf Bilder, die Beths Lücken füllen, und die Geschichte kommt voran, ohne dass jemand es erklären müsste.

Auch der Schluss in London gelingt. Rob will sich versöhnen, Beth findet in seiner Manteltasche Teile der Kette, die sie Kate geschenkt hatte, und begreift, dass er die Freundin getötet hat. Sie konfrontiert ihn, während die Polizei am Telefon mithört, und er gesteht: Er sei nach Kroatien geflogen, um Kate davon abzuhalten, die Affäre auszuplaudern, habe mit ihr gestritten und sie ins Wasser gestoßen. Das ist die stärkste Szene des Films, weil sie auf einem kleinen Gegenstand beruht und nicht auf einer weiteren Behauptung.

Die Kroatien-Kulisse bleibt ein Pluspunkt, auch wenn der Film sie eher als hübschen Hintergrund nutzt denn als Ort, der Beths Verlorenheit spürbar macht. Bedrohlich wirkt das Land vor allem durch das, was die Figuren darin treiben, nicht durch die Bilder selbst.

Beth selbst bleibt über weite Strecken eine Getriebene, die von einem Hinweis zum nächsten stolpert. Eine Hauptfigur, die vor allem reagiert, trägt einen Thriller nur so lange, wie die Rätsel selbst überzeugen, und genau das tun sie im Mittelteil nicht mehr. Das Tempo zieht anfangs an und lässt später nach, weil die Enthüllungen so dicht aufeinander folgen, dass keine von ihnen Zeit bekommt, nachzuwirken. Hinzu kommen Kontinuitätsfehler, die auf IMDb gesammelt werden. Wer sie einmal bemerkt hat, stolpert beim Zusehen immer wieder über sie.

Dem Publikum hat das nicht geschadet. Zwischen dem 27. Februar und dem 20. März 2022 kam der Film bei Netflix auf 79,95 Millionen Wiedergabestunden. Die Kritiken gingen weit auseinander: Auf RogerEbert.com nannte ihn der Rezensent ein absichtlich absurdes Schauerstück der besten Sorte, andere Stimmen fanden ihn dünn oder schlicht unglaubwürdig. Viele sahen ihn trotzdem bis zum Ende, wohl weil die Ausgangslage so einfach ist: eine Freundin verschwindet, und der Heldin glaubt niemand. Die Vorlage stammt von Sarah Alderson, deren Roman von 2020 dem Film Titel und Handlung gibt; Alderson hat auch das Drehbuch geschrieben. Im Film bleibt die Freundschaft zwischen Beth und Kate, auf der alles ruht, eine Behauptung, die er kaum ausspielt.

Der Anfang packt, das Ende hat einen guten Einfall, und dazwischen wird zu viel behauptet und zu wenig begründet. Für einen Abend ohne große Ansprüche genügt das, mehr bleibt kaum hängen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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