Filmkritiken

The Wrong Missy: Lapkus rettet eine chaotische Komödie vor sich selbst

Tyler Spindels Netflix-Komödie von 2020 lebt fast ausschließlich von ihrer Hauptdarstellerin.
Martha O'Hara
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David Spade hängt halb aus dem Fenster eines Restaurants, während sein Gesicht vor Schmerz verzerrt ist. Sein Fuß baumelt hilflos — der Knöchel disloziert, weil er durch das Toilettenfenster geflüchtet ist. Die Schuld daran? Lauren Lapkus‘ Missy, eine Frau mit einer Vorliebe für Chaos und Tranquilizer-Spritzen.

The Wrong Missy ist ein Film, der sich weigert, ernst genommen zu werden — und das nicht nur wegen seiner hanebüchenen Handlung. Tyler Spindels Netflix-Komödie ist ein billiger Ausflug in die Welt der romantischen Verwechslungskomödien, bei dem die Gags so vorhersehbar sind wie Tim Morris‘ (Spade) Pechsträhne. Die Prämisse — ein Mann lädt versehentlich eine Frau zu einem Firmenretreat ein, mit der er bereits ein katastrophales Blind Date hatte — klingt nach einer guten Grundlage für Slapstick und Wortgefechte. Doch das Drehbuch von Chris Pappas und Kevin Barnett verpasst es, daraus etwas Substanzielles zu machen.

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Was funktioniert? Lapkus. In jeder Szene, in der sie erscheint, verschiebt sich das Gewicht des Films unweigerlich auf sie — nicht weil Spade schwach wäre, sondern weil das Drehbuch Missy zur eigentlichen Triebkraft der Handlung macht. Ihre Figur ist ohne jeden Selbsterhaltungstrieb — unberechenbar, kompromisslos und bei aller Absurdität unfassbar witzig. Die Szene, in der sie Tim mit einer Spritze betäubt und ihn dann weckt, während sie ihm einen Handjob verpasst, ist ein Höhepunkt ihrer schrägen Komik. Doch selbst Lapkus‘ Talente können nicht über die schwache Struktur des Films hinwegtäuschen.

Spade spielt Tim als den typischen netten Kerl, der immer im falschen Moment das Falsche sagt oder tut. Seine Chemie mit Lapkus ist anziehend, aber seine Darstellungsentscheidungen sind oft zu vorhersehbar. Nick Swardson als bester Freund Nate liefert einige Lacher, aber auch seine Gags fühlen sich abgenutzt an.

Die größten Probleme des Films liegen in seiner Struktur und Originalität. Die Handlung folgt einem linearen, erwartbaren Pfad — Tim trifft die falsche Frau, Tim versucht sie loszuwerden, Tim beginnt sie zu mögen, Tim verliert sie, Tim gewinnt sie zurück. Es gibt keine Überraschungen, keine unerwarteten Wendungen — der Film vertraut darauf, dass das bloße Ausagieren des Missverständnisses unterhält, ohne je an dieser Prämisse zu zweifeln.

Visuell bietet der Film wenig. Die Kamera bleibt funktional und ohne Ambitionen, die Schnittfolgen berechenbar. Die einzige bemerkenswerte visuelle Entscheidung ist das ständige Hin- und Herwechseln zwischen Tims Panik und Missys entspanntem Grinsen — eine einfache, aber effektive Methode, um den Kontrast zwischen den beiden Charakteren zu betonen.

The Wrong Missy versucht sich als moderne Verwechslungskomödie, scheitert aber daran, etwas Neues oder Interessantes zum Genre beizutragen. Bei der Veröffentlichung 2020 fiel die Kritik entsprechend deutlich aus: Die Redaktion von RogerEbert.com diagnostizierte dem Film „barely a plot“, „easy set-ups“ und „easy jokes“ — drei Befunde, gegen die sich kaum ernsthaft etwas einwenden lässt. Dass der Film trotzdem nicht vollständig in der Versenkung verschwindet, liegt allein an Lapkus.

Was Lapkus konkret leistet, lohnt genauere Betrachtung. Ihre Komik ist physisch verankert: Missy handelt nicht aus Naivität, sondern mit der stoischen Präzision eines Menschen, der genau weiß, welche Wirkung er erzielt — und genau das macht sie gefährlicher und komischer als jede bloß schrullige Randfigur. Die Szene, in der sie Tims Chef Jack Winstone (Geoff Pierson) in ihren Bann zieht, funktioniert gerade deshalb: Lapkus spielt die Hypnose nicht als Streich, sondern als aufrichtige Hilfsbereitschaft — eine absurde innere Logik, die sie mit vollständiger Überzeugung vorträgt.

Die Dynamik zwischen Tim und Missy hat Potenzial, scheitert aber an der Zeit, die das Drehbuch ihrer Entwicklung einräumt. Ihre Beziehung soll sich von anfänglicher Abneigung über widerwillige Toleranz bis hin zu echter Zuneigung entfalten — das geschieht jedoch in einem Tempo, das dem emotionalen Gewicht dieser Reise nicht gerecht wird. Die Szene, in der Tim Missy schließlich seine Gefühle gesteht, ist einer der wenigen ehrlichen Momente des Films; sie wirkt aber wie eine Behauptung, nicht wie eine Konsequenz.

Genau hier liegt das fundamentale Problem: The Wrong Missy ist als Komödie konzipiert, aber sein romantischer Kern bleibt unterentwickelt. Tim ist reaktiv, nicht handelnd — eine Figur, die von den Ereignissen getrieben wird, statt sie zu gestalten. Ohne eine überzeugende innere Entwicklung funktioniert das Happy End als Gag, nicht als Erlösung. Lapkus gibt dem Film mehr, als er verdient. Doch ein Film, der seinen Ausgang vollständig einer einzigen Performance überantwortet, hat sein dramaturgisches Versprechen bereits gebrochen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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