Kino

Singapurs Wave Films holt Dave Ulmer nach Los Angeles, um US-Produktionen nach Südostasien zu lotsen

Jun Satō

Ein Jahrzehnt lang hat sich Südostasien Hollywood vor allem als Kulisse verkauft – günstige Küsten, gefügiger Dschungel und Crews zu einem Bruchteil der kalifornischen Sätze. Wave Films, die singapurische Produktionsdienstleisterin, die bereits Drehs für BBC, ITV und eine Reihe globaler Marken betreut hat, setzt nun auf einen subtileren Coup: Die Region soll amerikanische und internationale Projekte nicht nur beherbergen, sondern initiieren. Das verräterische Zeichen ist der Ort, an dem das Unternehmen seinen neuesten Executive platziert – nicht in Singapur, sondern in Los Angeles.

Wave Films hat Dave Ulmer, den früheren Geschäftsführer des Cambodian Broadcasting Service, als Executive Producer mit Sitz in Los Angeles an Bord geholt. Wie Deadline zuerst berichtete, besteht sein Auftrag darin, die nordamerikanische Content-Industrie mit der Produktionsinfrastruktur Südostasiens zu verbinden und US-amerikanische wie internationale Drehs zu den Stages, Crews und Locations der Region zu lotsen. Es ist eine Business-Development-Position im Gewand eines Produzenten-Credits – ein Gesicht an der US-Westküste, dessen Job es ist, Arbeit hereinzuholen, statt darauf zu warten, dass sie von selbst ans Ufer schwappt.

Gegründet 2012 vom deutschen Produzenten Jerry Koedding, hat Wave Films sich einen Namen mit der unglamourösen Maschinerie internationaler Produktionen gemacht: Genehmigungen, Fixer, Dienstleister-Netzwerke und Crews in Singapur, Malaysia und auf den Philippinen. Die Kundenliste tendiert zu Corporate und Broadcast – auf der einen Seite The Macallan, Puma und Finnair, auf der anderen BBC, arte und ITV. Ulmers Einstieg schiebt das Unternehmen die Wertschöpfungskette hinauf: weg vom reinen Dienstleister für fremde Produktionen, hin zum Aufbau eigener Projekte.

Die Verpflichtung krönt ein Jahr, in dem Wave Films die zersplitterte Produktionsbasis der Region konsolidiert hat. Erst kürzlich hat das Unternehmen Studiofläche und Equipmentvermietung mit Shooting Gallery Asia und True Colour Media in eine gemeinsame ‚Infrastrukturschicht‘ überführt – gedacht für Agenturen, Marken und unabhängige Kreative, die bei Bedarf Skalierung brauchen. Die Installation eines Nordamerika-Executives ist der logische nächste Schritt: zuhause die Rohre bauen, dann jemanden nach Hollywood setzen, der sie füllt.

Das Timing ist kein Zufall. Die Regierungen Südostasiens verschärfen gerade ihre Steueranreize, während Streamer und Studios nach günstigeren Stages als im überfüllten Europa suchen – und Singapur hat sich als verlässliches, englischsprachiges Drehkreuz der Region positioniert. Ob ein einziger Schreibtisch in Los Angeles diese Nachfrage in grüne Drehgenehmigungen umwandeln kann, ist die offene Frage.

Wave Films hat schlicht entschieden, dass sich die Deals nicht aus zwölf Zeitzonen Entfernung von selbst schließen – und hat sich einen Platz in dem Raum gekauft, in dem sie beginnen.

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