Kino

Zwei Jahre nach dem Berlinale-Eklat: Yuval Abrahams «NAZA» läuft im Wettbewerb von Venedig

Camille Lefèvre

Als Yuval Abraham 2024 auf der Berlinale mit Basel Adra den Dokumentarfilmpreis für No Other Land entgegennahm, löste seine Dankesrede in Deutschland eine heftige Debatte aus. Zwei Jahre später kehrt der israelische Filmemacher mit einem neuen Werk zurück — und diesmal im Wettbewerb: NAZA, gemeinsam mit Rachel Szor inszeniert, ist der einzige Dokumentarfilm im Rennen um den Goldenen Löwen der 83. Mostra und feierte am 10. September Premiere.

Der Weg auf den Lido war heikel. Alberto Barberas Festival nahm den Film erst am 24. August ins Programm, rund zwei Wochen vor Eröffnung und nach etwa einem Monat dessen, was es als Sicherheitsprüfung bezeichnete. Die achtzigminütige britische Produktion beruht fast vollständig auf Aussagen von 24 israelischen Geheimdienstoffizieren und Soldaten, die nach Angaben der Regie an der Überwachung oder der Fernbekämpfung von Palästinensern in Gaza beteiligt waren. Alle sprechen anonym; Gesichter und Stimmen sind digital verfremdet. Der Titel ist ein militärisches Kürzel, das laut den Filmemachern die Zahl der Zivilisten bezeichnet, deren Tod bei einem geplanten Angriff einkalkuliert wird.

Gerade in Deutschland, wo Öffentlichkeit und Kulturpolitik seit dem Berlinale-Streit besonders empfindlich über die Grenzen des Sagbaren zu diesem Konflikt ringen, ist die Auswahl des Films eine Nachricht für sich. Laut offizieller Inhaltsangabe, nachts auf den Dächern Tel Avivs gedreht, zeigt NAZA «die Systeme hinter der gezielten Massentötung palästinensischer Zivilisten in Gaza» und stützt sich auf Recherchen, die +972 Magazine, Local Call und The Guardian zwischen 2023 und 2025 veröffentlichten. Israel weist den Vorwurf, gezielt Zivilisten anzugreifen, konsequent zurück; der Film stützt seine Darstellung auf diese Aussagen und Recherchen.

«Wir haben immer eine Verantwortung gespürt zu dokumentieren, was unser Land tut», sagt Abraham, der von «drei Jahren Arbeit, in völliger Geheimhaltung» spricht. Er hofft, dass der Film auch in Israel gezeigt wird: «Israelis sollten ihn sehen.»

NAZA wird von The Guardian und James Wilson (JW Films) produziert, ausführender Produzent ist Jonathan Glazer; den Weltvertrieb besorgt MK2 Films. Der Film konkurriert um den Goldenen Löwen, den die Jury unter Maggie Gyllenhaal am 12. September vergibt.

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