Musik

Jorja Smith verabschiedet das Leise: What Are The Odds läuft auf 140 BPM

Alice Lange

Etwas hat sich verändert in den Räumen, in denen Jorja Smith Musik macht. Ihre ersten beiden Alben lebten von einer besonderen Intimität: die Stimme im Vordergrund, das Tempo gemessen, jede Textzeile mit Bedacht gesetzt. Auf What Are The Odds, ihrem dritten Album, fällt das Tempo nie. Der Puls ist UK Garage, 2-Step, Grime, Afro House. Der Raum ist die Tanzfläche.

Der Wechsel ist bewusst. Vollständig produziert von P2J – ihrem langjährigen Studio-Partner – entstand das Album in drei Sessions und bewegt sich durch die Idiome der britischen Clubmusik, ohne zurückzublicken. Die 12 Tracks enthalten einen Gastauftritt von Wizkid auf „Alive“ sowie den Grime-Veteranen Devlin auf „This City“, einer Neuinterpretation von Devlins eigenem Track „London City“. Die Kollaborationen fügen sich natürlich in die Logik des Albums ein: zwei britische Szenen, ein Rahmen.

What Are The Odds liegt selten unter 140 BPM. Der Titeltrack findet Smith rappend. „I Lied, You Lied“ verschmilzt Funky House, Jazz und Afro House zu einer einzigen Bewegung. „Dancing“ ist perkussionslastig, auf einem Rumba-Fundament aufgebaut. Der Eröffnungstrack „For Life“ setzt früh den Ton: Das ist Tanzmusik, die die emotionale Wucht trägt, die man sonst leiseren Arbeiten vorbehält.

Smith veröffentlichte das Album am selben Tag, an dem sie gemeinsam mit Tems als Co-Headlinerin beim All Points East Festival auftrat. What Are The Odds ist ein Live-Angebot, dafür gemacht, in einem Raum mit anderen Menschen laut gehört zu werden. Das Festival-Co-Headlining machte das Timing nachvollziehbar.

NME und Rolling Stone UK vergaben vier Sterne. Der kritische Konsens nennt das Album schonungslos ehrlich, selbstbewusst – die Art von Album, die eine kreative Richtung abschließt, anstatt sie neu zu eröffnen. Smith ist 29. Das dritte Album ist der Punkt, an dem eine britische Singer-Songwriterin normalerweise die Richtung findet, die Bestand hat. Auf What Are The Odds bleibt ihre bei 140 BPM.

Die Frage, die What Are The Odds stellt, ist nicht, ob Jorja Smith die Tanzfläche beherrschen kann. Sondern ob eine Stimme, die für intime Räume geschaffen wurde, ihr Gewicht behält, wenn der Veranstaltungsort laut wird. Bei 140 BPM, über 12 Tracks hinweg, lautet die Antwort: Ja.

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