Kino

Eric André: Vom Berklee-Kontrabassisten zum Anarchisten des amerikanischen Fernsehens

Penelope H. Fritz
Eric André
Eric André
Photo via The Movie Database (TMDB)
Geboren4. April 1983
Boca Raton, Florida, USA
BerufKomiker, Schauspieler, Fernsehmoderator
Bekannt fürSing – Die Show deines Lebens, Der König der Löwen, Die Mitchells gegen die Maschinen
AuszeichnungenEmmy

Eric André wurde 1983 in Boca Raton, Florida, geboren — als Sohn eines haitianischen Psychiaters und einer aschkenasisch-jüdischen Mutter. Er studierte Kontrabass am Berklee College of Music in Boston. Wer das weiß, bevor er sein Werk kennt, muss das Bild später erheblich revidieren.

The Eric Andre Show startete 2012 auf dem Kabelsender Adult Swim. Das Format ließ sich schwer beschreiben: eine Talkshow, in der das Bühnenbild zu Beginn jeder Folge buchstäblich zerstört wurde, Gäste statt eines Standardinterviews dekontextualisierende Fragen und physische Komik in Empfang nehmen mussten, und ein Moderator agierte, der den gesellschaftlichen Vertrag scheinbar endgültig aufgekündigt hatte. Viele Gäste verließen das Set vorzeitig. Die eindrücklichsten Segmente entstanden mit Menschen, die nicht wussten, dass sie gefilmt wurden.

Die Show lief sechs Staffeln — die letzte 2023 — und ist damit eines der langlebigsten Formate in der Geschichte von Adult Swim. 2024 erhielt André den Primetime Emmy Award für den Besten Darsteller in einer Kurzform-Comedy-Serie. Das Paradox: Der Preis kam von einer Institution, die sein Programm jahrelang implizit kritisiert hatte. Er nahm ihn mit offenem Genuinen Dankbarkeit entgegen.

Parallel zum Show-Betrieb baute André eine Filmografie auf, deren Bogen unerwartet verlief: von absichtlich schwierigem Nischenmaterial hin zu Mainstream-Produktionen — ohne den Kern seiner künstlerischen Identität aufzugeben. 2019 sprach er die Figur Aziz, eine der Hyänen, in Jon Favreaus fotorealistischem Remake von Der König der Löwen, an der Seite von Beyoncé und Donald Glover. 2021 schrieb er Bad Trip mit und spielte die Hauptrolle — eine versteckte-Kamera-Komödie, bei der Kitao Sakurai Regie führte und Netflix vertrieb. In öffentlichen Räumen spielten er und Lil Rel Howery geskriptete Szenen vor ahnungslosen Passanten. Der Film brachte ihm den MTV Movie + TV Award für Beste Komödiantische Leistung ein.

Ebenfalls 2021 lieh er dem Charakter Darius in Sing 2 seine Stimme. 2015 bis 2017 spielte er in der FXX-Serie Man Seeking Woman die Rolle des Mike, des besten Freunds der Hauptfigur, und sammelte dabei Erfahrungen im konventionelleren Sitcom-Format.

2026 läuft die Karriere auf einem Niveau, das 2012 kaum vorstellbar gewesen wäre. Drei Filme erscheinen im selben Jahr: Balls Up unter der Regie von Peter Farrelly — dem Regisseur von Green Book — mit Mark Wahlberg und Paul Walter Hauser startete im April bei Amazon MGM. Little Brother, inszeniert von Matt Spicer und mit John Cena in der Hauptrolle, kommt am 26. Juni auf Netflix. Street Fighter erscheint im Oktober in Kinos und im IMAX-Format. Ein viertes Projekt, die Action-Comedy Synergy Systems unter Regie von Toby Harvard, ist bereits angekündigt.

Parallel dazu veröffentlicht sein Musikprojekt BLARF 2026 ein klassisches Album bei Stones Throw Records — einem Label, das für experimentelle und avantgardistische Musik bekannt ist. Der Kontrabassist aus Boston ist wieder hörbar. Der Kreis schließt sich.

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André war in seiner Karriere stets schwer einzuordnen — weder ethnisch, noch nach Genre, noch institutionell. Sein haitianisch-jüdisches Erbe platzierte ihn außerhalb der gewöhnlichen Kategoriesysteme amerikanischer Kulturidentität. Seine klassische Ausbildung schuf einen Konservatoriumsmusiker, der in einem Programm auftrat, das wie purer Anarchismus wirkte. Die Jahre bei Adult Swim erzeugten transgressive Fernsehgeschichte und ein Résumé, das zu Disney, Netflix und Universal führte. Die Zerstörung war stets präzise. Das Chaos war stets geprobt.

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