Kino

Park Seo-jun, der koreanische Romantikstar, der als Nächstes einen Verbrecher spielt

Penelope H. Fritz
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Park Seo-jun
Park Seo-jun
Photo: 디스패치 / CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Geboren16. Dezember 1988
Seoul, Südkorea
BerufSchauspieler
Bekannt fürParasite, The Marvels, Be With You
Auszeichnungen2 Grand Bell Award · Koreanische Filmkritiker-Vereinigung, Bester Nachwuchsschauspieler · Korea Drama Awards Bester Nachwuchsschauspieler · APAN Star Awards Höchste Auszeichnung · Korean Film Critics Association Best New Actor · Korea Drama Awards Best New Actor · SBS Drama Awards Best New Actor · APAN Star Awards Top Excellence in Miniseries · Asian Film Awards Rising Star

Das koreanische Fernsehen hat eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie ein romantischer Hauptdarsteller sein sollte. Einige Staffeln lang verkörperte Park Seo-jun dieses Ideal so treffend wie kaum ein anderer: das verzögerte halbe Lächeln, das Geständnis, das bis zur vorletzten Folge aufgeschoben wird, und jene Leichtigkeit, mit der selbst ein narzisstischer Erbe eines Konzerns wie eine vernünftige Wahl fürs Leben wirken kann. Die koreanische Presse gab ihm dafür einen Titel: „Meister der romantischen Komödie“. Beinahe jede Entscheidung, die er seither getroffen hat, zielte darauf ab, diesen Titel überflüssig zu machen.

Die beiden wichtigsten Projekte auf seiner aktuellen Liste zeigen, wie weit er mit diesem Vorhaben gekommen ist. Für Disney+ hat er gerade die Dreharbeiten als Paeng-i abgeschlossen, einem Verbrecher, der in einer gesetzlosen Stadt mitten im Sanierungsrausch aufblüht – dem ersten durch und durch bösen Charakter seiner Karriere. Direkt von diesem Set wechselte er zu einem Dreh unter der Regie von Lee Joon-ik, dem Regisseur von The King and the Clown, und spielt dort einen Ermittler, der ein Massaker untersucht, das der Staat lieber in Vergessenheit geraten lassen wollte. Bei keiner der beiden Rollen geht es darum, dass man ihn mögen soll.

Geboren wurde er am 16. Dezember 1988 in Seoul als Park Yong-kyu; zur Schauspielerei kam er eher auf Umwegen. In der Mittelschule trat er beinahe zufällig einem Animationsclub bei. Dessen einmal jährlich stattfindende Aufführung brachte ihn vor einen Raum voller Menschen, die alle ihn ansahen – ein Gefühl, das ihn nie wieder ganz losließ. So führte sein Weg an die Schauspielabteilung des Seoul Institute of the Arts, wo er sich allerdings weniger wohlfühlte als auf der Bühne. Die ständige Menschenmenge überforderte ihn, und weil das Schauspielern nicht recht klappen wollte, beschloss er 2008, zunächst seinen Militärdienst abzuleisten. Er diente aktiv in einem Wachbataillon der Justizvollzugsanstalt Cheongju – eine Station im Gefängnis, die seltsam neben den glänzenden Rollen wirkt, die später folgten. Sein Studium nahm er nie wieder auf.

Seine Bildschirmkarriere begann klein und nahm schnell Fahrt auf. 2011 war er im Musikvideo zu Bang Yong-guks „I Remember“ zu sehen und übernahm als Chil-goo eine kleine Rolle im Baseballfilm Perfect Game. 2012 gehörte er in Dream High 2 auf KBS2 erstmals zur festen Besetzung einer Dramaserie. Die Wochenend-Familiensaga Pots of Gold brachte ihm bei den Korea Drama Awards eine Auszeichnung als bester Nachwuchsschauspieler ein; für das Ehedrama One Warm Word erhielt er den New Star Award von SBS. Seine erste Hauptrolle spielte er 2014 an der Seite von Uhm Jung-hwa in Witch’s Romance auf tvN. Zwischen Oktober 2013 und April 2015 moderierte er außerdem die wöchentliche Chartshow Music Bank von KBS – genau jene unermüdliche, stets vorzeigbare Präsenz, mit der die koreanische Branche Neulinge zu vertrauten Gesichtern macht, noch bevor sie entschieden hat, was sie mit ihnen anfangen will.

2015 fiel die Entscheidung. In Kill Me, Heal Me spielte er Oh Ri-on, einen Mystery-Autor und Zwillingsbruder der Psychiatrie-Assistenzärztin von Hwang Jung-eum. Die Nebenrolle an der Seite von Ji Sungs Erben mit sieben Persönlichkeiten zog mehr Aufmerksamkeit auf sich, als ihr Umfang vermuten ließ. Im selben Jahr standen er und Hwang in She Was Pretty erneut gemeinsam vor der Kamera, diesmal mit Park in der Hauptrolle: als Ji Sung-joon, anspruchsvoller stellvertretender Chefredakteur eines Modemagazins, der seine Jugendfreundin nicht erkennt, obwohl sie unter ihm arbeitet. Auf der Kinoleinwand verkörperte er einen jungen Ermittler im Thriller The Chronicles of Evil und eine der vielen Gestalten eines Mannes, der jeden Morgen in einem anderen Körper aufwacht, in The Beauty Inside.

Das historische Drama Hwarang: The Poet Warrior Youth, das ab Dezember 2016 auf KBS2 ausgestrahlt wurde, brachte ihn mit Park Hyung-sik, Go Ara und BTS-Mitglied V in einem Ensemble zusammen. Seine Freundschaft mit V hat die Serie lange überdauert und führte die beiden später auch ins Unterhaltungfernsehen. Fight for My Way (2017) war das erste deutliche Zeichen für eine andere Tonlage. Als Ko Dong-man, einem ehemaligen Taekwondo-Sportler, dessen Karriere ein bitteres Ende nahm und der sich dem Mixed Martial Arts zuwendet, während sein Umfeld sich mit weniger zufriedengibt, verlieh er seiner Frustration an der Seite von Kim Ji-won echtes Gewicht. Die KBS2-Serie belegte den Spitzenplatz in ihrem Sendezeitfenster.

Im selben Sommer übernahm er seine erste Hauptrolle in einem Kinofilm. Midnight Runners von Regisseur Kim Joo-hwan brachte ihn mit Kang Ha-neul als zwei Polizeischüler zusammen, die auf einen Entführerring stoßen. Der Film lockte mehr als fünfeinhalb Millionen Zuschauer in die Kinos und brachte Park sowohl bei den Grand Bell Awards als auch bei den Korean Association of Film Critics Awards den Preis als bester Nachwuchsschauspieler ein. Zugleich hinterließ er einen Schatten, über den Park nur selten spricht. Die Gang des Films ist im Seouler Stadtteil Daerim-dong angesiedelt, in dem viele ethnische Koreaner aus China leben; schon in den ersten Wochen nach dem Kinostart protestierten Anwohner. Rund sechzig von ihnen verklagten die Produktionsfirma Movie Rock. In erster Instanz entschied das Gericht zugunsten der Meinungsfreiheit; 2020 empfahl ein Berufungsgericht dem Unternehmen, sich formell zu entschuldigen. Park war nicht an dem Verfahren beteiligt, doch der Kinoerfolg, der ihn zum Filmstar machte, bleibt eine der umstrittensten Darstellungen einer Minderheit im jüngeren koreanischen Kino.

Park Seo-jun als Lee Young-joon in What’s Wrong with Secretary Kim (2018)
What’s Wrong with Secretary Kim (2018)

What’s Wrong with Secretary Kim (tvN, 2018) markierte den kommerziellen Höhepunkt seiner ersten Karrierephase. Als Lee Young-joon, ein Vizevorsitzender, der so vernarrt in sich selbst ist, dass er sich keinen Grund vorstellen kann, aus dem seine von Park Min-young gespielte Sekretärin kündigen sollte – außer ihm selbst –, machte er Eitelkeit zum Motor der Komik und prägte die meistzitierte Hauptfigur des Genres in diesem Jahr. Die Serie gelangte genau zu einem Zeitpunkt über die Landesgrenzen hinaus, als internationale Plattformen gerade entdeckten, was sich mit koreanischem Fernsehen weltweit verkaufen ließ. Es folgten der okkulte Actionfilm The Divine Fury (2019), in dem er Yong-hu spielte, einen Mixed-Martial-Arts-Champion, der entdeckt, dass er Dämonen bekämpfen kann, sowie ein Gastauftritt, der länger nachwirkte als die meisten seiner Hauptrollen: Min-hyuk, der Freund, der mit einem Gelehrtenstein auftaucht und Ki-woo gleich zu Beginn von Bong Joon-hos Parasite seinen Nachhilfejob überlässt. Der Film gewann später die Goldene Palme und den Oscar als bester Film.

Dann kam Itaewon Class (JTBC, 2020), die Adaption von Jo Gwang-jins Webtoon und jene Rolle, die seine Karriere in zwei Teile spaltete. Park Sae-ro-yi wird von der Schule verwiesen, weil er den Erben eines Lebensmittelkonzerns geschlagen hat, verliert seinen Vater durch denselben Erben bei Fahrerflucht, kommt wegen eines Angriffs auf ihn ins Gefängnis und hat danach nur noch einen Plan: eine Bar in Itaewon eröffnen und fünfzehn Jahre lang den Familienkonzern zerschlagen. Die Rolle verlangte von einem Schauspieler, der dafür bekannt war, Szenen weicher wirken zu lassen, anhaltende, geduldige Wut. Der kastanienbraune Bürstenschnitt wurde landesweit zum Gesprächsthema, die Serie lief weltweit auf Netflix, Japan machte daraus Roppongi Class, und Park erhielt bei den Baeksang Arts Awards eine Nominierung als bester Fernsehschauspieler. Noch wichtiger war, dass die Besetzungsverantwortlichen nun wussten, dass er eine Rachegeschichte tragen konnte – eine Erkenntnis, auf der jede seiner Rollen seither aufbaut.

Auch sein Image hat Bruchstellen. Ein Interview aus dem Jahr 2014, in dem er über seinen „Idealtyp“ sprach und sagte, er wünsche sich eine Ehefrau, die zu Hause bleibe und die Kinder großziehe, weil er selbst so aufgewachsen sei und glaube, Kinder bräuchten ihre Mutter, tauchte seit seinem internationalen Durchbruch mehrfach wieder im Netz auf. Jedes Mal wurde die Aussage von genau jenem jungen weiblichen Publikum, das seine aufmerksamen Männerfiguren auf der Leinwand ins Herz geschlossen hatte, als altmodisch gelesen. Eine offizielle Stellungnahme gab es nicht. Als ein taiwanesisches Medium im Mai 2024 berichtete, er sei mit der US-amerikanischen Schauspielerin und Künstlerin Lauren Tsai zusammen, bestätigte oder dementierte seine Agentur Awesome ENT nichts. Sie erklärte, zu seinem Privatleben könne sie sich über seinen offiziellen Terminkalender hinaus nicht äußern. Die Kluft zwischen dem Mann, den das koreanische Fernsehen geschaffen hat, und jenem, der gelegentlich in einem alten Zitat aufscheint, gehört zu dem, was seine jüngeren Rollen offenbar ausloten.

Sein Hollywood-Debüt war der deutlichste Test dafür, wie weit der Ruf aus Itaewon Class reichen konnte. Nia DaCosta erzählte, sie habe ihn als Prinz Yan in The Marvels (2023) besetzt, nachdem sie während der Pandemie die Serie gesehen hatte. Yan ist der Prinz von Aladna, einem Planeten, auf dem die Menschen singend kommunizieren; insgesamt ist er etwa drei bis vier Minuten auf der Leinwand zu sehen. Fans in Korea und im Ausland beschwerten sich über den geringen Umfang der Rolle. Park entgegnete, sie sei ein entscheidender Teil der Gesamtgeschichte. Der Film blieb hinter den Erwartungen zurück, brachte seinen Namen aber einem Publikum nahe, das noch nie ein koreanisches Drama gesehen hatte.

Im selben Jahr war auch seine Arbeit in der Heimat dicht getaktet. In Lee Byeong-heons Dream spielte er an der Seite von IU den Profifußballer Yoon Hong-dae, der dazu gedrängt wird, das Nationalteam beim Homeless World Cup zu trainieren. In Um Tae-hwas Katastrophenthriller Concrete Utopia – Der letzte Aufstand war er als Min-seong zu sehen, einem jungen Ehemann in dem einzigen Wohnblock, der noch steht, nachdem ein Erdbeben Seoul dem Erdboden gleichgemacht hat. Mit dabei waren Lee Byung-hun und Park Bo-young; der Film wurde als südkoreanischer Beitrag für die 96. Academy Awards ausgewählt. Im Februar 2023 spendete Park 100 Millionen Won an die Hope Bridge National Disaster Relief Association, um den Opfern der Erdbeben in der Türkei und in Syrien zu helfen.

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Mit Gyeongseong Creature auf Netflix führte er die düstere Tonlage ins Genre-Kino. Die Serie erschien im Dezember 2023 und Januar 2024 in zwei Teilen. Park spielte Jang Tae-sang, den reichsten Pfandleiher im japanisch besetzten Seoul des Frühjahrs 1945, der in eine Suche durch ein Krankenhaus hineingezogen wird, in dem die Besatzer mit Gefangenen experimentieren. Han So-hee spielte an seiner Seite. Die ersten Kritiken fielen gemischt aus, und die Beschwerden über das langsame Tempo waren deutlich. Zugleich erreichte die Serie Zuschauer in Japan, die sagten, sie hätten durch sie zum ersten Mal von Einheit 731 gehört. Die zweite Staffel, veröffentlicht am 27. September 2024, verlegte die Handlung ins heutige Seoul und stellte Park als neuen Charakter Ho-jae vor, der Tae-sangs Gesicht trägt.

Uns bleibt immer morgen, das vom 6. Dezember 2025 bis zum 11. Januar 2026 in zwölf Folgen auf JTBC und Prime Video lief, war eine teilweise Rückkehr zur Romantik – getragen von Erinnerung und Verlust statt von ersten Begegnungen. Park spielte Lee Kyeong-do, einen Journalisten, der seiner früheren Freundin, gespielt von Won Ji-an, wieder begegnet, als er über den Skandal ihres Ehemanns berichtet. Die Resonanz fiel verhaltener aus als in seinen Erfolgsjahren: Die South China Morning Post bezeichnete die Serie als gedämpftes Comeback, und das Ende spaltete das Publikum. In Interviews verteidigte Park es als Geschichte darüber, am gegenwärtigen Augenblick festzuhalten.

Das Unterhaltungfernsehen bildet zu all dem einen beständigen Gegenpol. In Youn’s Kitchen und Jinny’s Kitchen arbeitete er in der Küche; bei letzterer war auch V wieder mit von der Partie. Im Mai 2026 startete tvN Unplanned Trip: Limited Edition, in der Park gemeinsam mit Jung Yu-mi und Choi Woo-shik ohne ihre Handys und mit jeweils 100.000 Won quer durch Korea reiste. Im September 2026, fünfzehn Jahre nach seinem Debüt, teilte er seinen Fans auf Instagram mit, dass er gerade ein Projekt abgeschlossen habe und bereits auf dem Weg zum nächsten sei.

Bei dem abgeschlossenen Projekt handelt es sich um Born Guilty, einen Krimi-Action-Noir für Disney+, geschrieben und inszeniert von Hong Won-chan, dem Regisseur von Deliver Us from Evil. Die Handlung spielt in den 1980er-Jahren, während eine Stadt im Vorfeld der Olympischen Spiele von Seoul 1988 abgerissen wird. Im Mittelpunkt stehen Paeng-i, der gefürchtetste Verbrecher seiner Zeit, und ein Gangster, der vor allem ums Überleben kämpft. Zur Besetzung gehören Um Tae-goo und Jo Hye-joo; Disney+ hat den Start für 2027 angesetzt. Das Projekt, mit dem Park begonnen hat, heißt I Am a Firefly – ein Arbeitstitel für Lee Joon-iks neuen Film. Darin spielt er Seol Jun-gyeong, einen Ermittler im Jahr 1974, dessen Beförderung am Sippenhaftungssystem scheitert. Er folgt einem geheimnisvollen alten Mann, gespielt von Park Hae-il, in ein Dorf, in dem das Massaker an Mitgliedern der National Bodo League aus dem Sommer 1950 seit vierundzwanzig Jahren unter den Teppich gekehrt wird. Choi Dae-hoon spielt den stellvertretenden Direktor des Geheimdienstes. Für Park ist es der erste Film seit Concrete Utopia und zugleich sein erster mit Lee.

Vor einem Jahrzehnt hatte das koreanische Fernsehen mit Park Seo-jun ein fertiges Erfolgsmodell gefunden und wollte nur, dass er es weiter reproduziert. Wenn das Publikum ihn die nächsten beiden Male sieht, wird er ein Verbrecher sein, der sich am Sanierungsboom mästet, und ein Polizist, der ein Verbrechen wieder aufrollt, das die Diktatur in Vergessenheit befohlen hatte. Ob die Neuerfindung gelungen ist, zeigt sich erst dann wirklich, wenn eine dieser Rollen wieder das halbe Lächeln von ihm verlangt – und er entscheiden muss, ob er es einsetzt.

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