Filmkritiken

Backpackers ist ein Dschungel-Thriller, der über seine Prämisse nicht hinauskommt

Bong Bordones' philippinischer Erwachsenen-Thriller (2022) schickt junge Reisende in den Dschungel, einen Killer im Rücken.
Martha O'Hara
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Ein Junge, zwei junge Frauen, ein Dschungel – und jemand, der ihnen folgt. Mehr verrät die offizielle Inhaltsangabe von Backpackers nicht, und sie muss auch nicht mehr verraten. Bong Bordones‘ Thriller aus dem Jahr 2022 kommt von den Philippinen und richtet sich ausdrücklich an ein erwachsenes Publikum. Die Gruppe bricht gemeinsam auf, ahnt nichts von dem Killer in ihrem Rücken, und was dann kommt, kennt man aus unzähligen Vorgängern: Die Spannung entsteht aus dem Abstand zwischen dem, was die Figuren wissen, und dem, was wir als Zuschauer längst fürchten.

Die Besetzung ist überschaubar. Kevin Dy spielt Dags, Roi Neri spielt Vale, Salome Salvi ist Kara, Aylene Velasco ist Mitch. Vier Namen auf dem Besetzungszettel, kein Ensemble, in dem sich jemand verstecken könnte. Welche Rolle im Verlauf welche Funktion hat, verrät die Inhaltsangabe nicht, und ich rate es nicht. Klar ist nur: In einem Film, der fast ausschließlich von einer kleinen Gruppe lebt, fällt jede Schwäche sofort auf, und jede gelungene Szene zählt doppelt.

Der Reiz des Backpacker-Thrillers liegt seit jeher im Widerspruch zwischen Urlaubsstimmung und Bedrohung. Man packt den Rucksack, um frei zu sein, und merkt zu spät, dass niemand weiß, wo man steckt. Der Dschungel treibt das auf die Spitze: Wer sich dort verirrt oder verfolgt wird, hat wenig Aussicht auf Hilfe. Backpackers baut auf genau diese Ausgangslage und erfindet sie, soweit sich das aus den veröffentlichten Eckdaten schließen lässt, nicht neu. Eine kleine Reisegruppe, ein unbekannter Verfolger: Das ist ein Muster, das jeder Genrefreund kennt. Entscheidend ist deshalb, was Bordones daraus macht. Wie schnell kippt der Ausflug in eine Hetzjagd? Und wie glaubwürdig tut er es?

Zum Etikett „adult movie“ ein nüchternes Wort. Die Beschreibung spricht von zwei „sexy girls“, und wer so wirbt, setzt den Akzent bewusst. Das ist legitimes Genrehandwerk, verschiebt aber die Frage. Trägt der Thriller den Film, oder dient er nur als Rahmen? Ein Killer im Hintergrund braucht Zeit, um zu wirken; er muss lange unsichtbar bleiben, damit sein erster Auftritt etwas bedeutet. Ein Film, der zugleich auf Schauwerte setzt, muss entscheiden, wie viel Raum er der Angst lässt. Genau daran wird sich für jeden Zuschauer messen, ob die Mischung aufgeht.

Die Produktionsangaben sind schnell erzählt. Präsentiert wird Backpackers von ENIGMATIC FILM PRODUCTION als „An ENIGMATIC ORIGINAL“, in Zusammenarbeit mit DW17 ENTERTAINMENT PRODUCTIONS und HDLAB POST PRODUCTION. Dass die Postproduktion eigens genannt wird, übersieht man bei Thrillern gern. Dabei entscheiden Schnitt und Ton darüber, ob eine Verfolgung beklemmt oder bloß dauert.

Für die Darsteller gilt Ähnliches. Mit so kleinem Personal muss man ihnen die Reise abnehmen, die Erschöpfung, die Albernheiten, die wachsende Unruhe. Ob Dy, Neri, Salvi und Velasco das gelingt, entscheidet sich Szene für Szene und lässt sich aus Besetzungsliste und Inhaltsangabe nicht herauslesen. Der Film stellt ihnen jedenfalls eine klar umrissene Aufgabe: glaubhaft zu reisen, bis die Gefahr sichtbar wird.

Mein Eindruck, soweit er sich auf Prämisse, Besetzung und Produktionsangaben stützt: Backpackers verspricht wenig und hat deshalb wenig zu verlieren. Ein kleiner Thriller darf geradlinig sein und muss keine Wendungen erzwingen. Er kann aber auch so schlicht ausfallen, dass er schnell verblasst. Der Stoff ist vertraut, der Rahmen schmal, der Anspruch erkennbar bescheiden. Wer Dschungelthriller mag und sich mit einem Film begnügt, der seine Zutaten offen auslegt, kann es versuchen.

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