Filmkritiken

Birds of Prey – The Emancipation of Harley Quinn: ein Trennungsfilm mit Fäusten, Glitzer und Chaos

Cathy Yans grelles Spin-off von 2020 wackelt im Aufbau, lebt aber von Margot Robbies Überzeugung.
Martha O'Hara
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Laut The Guardian klaut Harley Quinn einen Tanklaster und steuert ihn in die Chemiefabrik Ace Chemicals, bevor sie im letzten Moment abspringt. Es ist dieselbe Fabrik, in der sie sich einst dem Joker verschrieben hat, und die Explosion ist ihre Art, die Trennung öffentlich zu machen. Empire nennt das ein Beziehungsstatus-Update per Lastwagen, und der Satz trifft den Ton von „Birds of Prey – The Emancipation of Harley Quinn“ ziemlich genau: laut, kindisch, wütend und dabei ehrlich über einen Liebeskummer, der sich nicht mit Eiscreme auskurieren lässt.

Cathy Yans Film ist weniger ein klassischer Teamfilm als eine Nach-der-Trennung-Geschichte, ein „Marriage Story mit Prügeleien“, wie Empire es formuliert. Die ersten Minuten gehören ganz Harleys Versuchen, allein zurechtzukommen: Sie kauft eine Hyäne, die sie Bruce nennt, fährt Roller Derby und schneidet sich die Haare ab. Empire beschreibt eine ihrer Partynächte als einen einzigen langen Take, „wie ein bekokstes 1917“. Das ist ein hübscher Vergleich, aber man sollte die Szene nicht für mehr halten, als sie ist: ein Moment der Zurschaustellung, der zeigt, wie Harley ohne den Joker ins Leere feiert.

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Margot Robbie, die den Film auch produziert hat, trägt alles. Ihre Harley ist eine Figur zwischen Kinderzimmer und Schlachtfeld, und Robbie spielt beide Seiten, ohne eine davon zu verraten. The Guardian staunt über ihre Fähigkeit zum großäugigen, fast mechanischen Grinsen, das hier gnadenlos eingesetzt wird; The Movie Elite findet sie schlicht „perfekt“ in der Rolle und meint, man könne bei ihren Pointen kaum anders als lächeln, obwohl der Autor mit der Figur sonst wenig anfangen kann. Ohne Robbies Lust am Übertreiben wäre dieser Film nur ein bunter Haufen Einfälle.

Die Handlung ist bewusst zerschossen. Harley erzählt selbst, und so springt der Film in der Zeit hin und her, streut Informationen tröpfchenweise aus und stellt seine Gegner als Standbilder mit eingeblendeten Titeln vor. The Guardian erkennt darin eine freche Anleihe bei „Kill Bill“, samt einem Seitenhieb auf die Ähnlichkeit eines der Angreifer mit Frida Kahlo. Ob das trägt, hängt vom Temperament ab. Die erzählerische Zersplitterung ist anfangs ein Vergnügen, weil man Harleys Kopf beim Denken zusieht, und sie ermüdet etwas, wenn die eigentliche Geschichte um das Mädchen Cassandra Cain und den begehrten Diamanten Gewicht bekommen soll. The Movie Elite widerspricht ausdrücklich: Der Film wechsle die Zeitebenen, ohne je zu verwirren, und die vielen kleinen Nebengags verlangten ohnehin mehrere Sichtungen. Beide Eindrücke lassen sich vereinbaren: Wer sich auf Harleys Logik einlässt, kommt mit, wer Ordnung will, wird nicht belohnt.

Bei den Nebenfiguren fällt die Bilanz besser aus, als man nach dem Wirbel um die Titelheldin erwartet. Rosie Perez spielt Renee Montoya als Polizistin, die in ihrem Beruf kleingehalten wird und sich laut Empire an die Dialoge und Klischees der Cop-Serien der Achtziger klammert. The Guardian schätzt den Moment, in dem ihr befohlen wird, Dienstmarke und Waffe abzugeben, und Harleys Kommentar dazu: „Kein Cop erledigt je etwas, bevor er suspendiert wurde.“ Jurnee Smollett-Bell gibt Dinah Lance als Nachtclubsängerin mit einer Stimme, die laut Empire Martinigläser zerspringen lässt, und Mary Elizabeth Winstead hat nach The Movie Elite als Huntress einige der besten Zeilen. Ella Jay Basco ist als Taschendiebin Cassandra der Angelpunkt der Geschichte; sie stiehlt Zsasz den Diamanten und verschluckt ihn.

Ewan McGregor als Roman Sionis ist dagegen der ungleichere Teil. The Guardian erwähnt, dass der Bösewicht unter seinen Sünden auch ein kulturell unsensibler Sammler afrikanischer Kunst ist, und McGregor spielt ihn mit lustvoller Eitelkeit, theatralisch, exaltiert, dunkel komisch. The Movie Elite hätte sich dagegen einen Schrecken im Stil von Joe Pesci in „Goodfellas“ gewünscht und findet ihn nicht wirklich einschüchternd. Das ist ein berechtigter Einwand. Auch mit Chris Messina als Zsasz, seinem sadistischen rechten Arm, bleibt die Bedrohung eher eine Behauptung des Drehbuchs als eine Erfahrung im Kinosaal.

Empire freut sich, wenn die Frauen schließlich zusammenfinden, und empfindet es beinahe als Fehltritt, dass der Film sie nicht früher zusammenführt. Als es so weit ist, entsteht tatsächlich die Energie, die dem Film vorher fehlt. Der Titel verspricht Harleys Emanzipation, aber letztlich dürfen alle fünf Frauen auf eigene Weise neue Wege gehen, und das ist der überzeugendste Gedanke des Films.

Das Drehbuch stammt von Christina Hodson. Robbie hatte die Idee 2015 Warner Bros. vorgeschlagen; Hodson wurde im November 2016 verpflichtet, Yan im April 2018 als Regisseurin. Die Dreharbeiten fanden von Januar bis April 2019 in der Innenstadt von Los Angeles, im Arts District und in den Studios in Burbank statt, im September 2019 folgten Nachdrehs. Der Film feierte am 25. Januar 2020 in Mexiko-Stadt Weltpremiere und lief am 7. Februar in den USA an. Die Kritiken fielen überwiegend positiv aus, an den Kassen blieb er mit 205,5 Millionen Dollar weltweit allerdings deutlich unter der angeblichen Gewinnschwelle von 250 bis 300 Millionen.

Das Publikum wollte diese Mischung aus Bonbonfarben und Brutalität im Kino offenbar nicht in der erhofften Zahl sehen; im Heimkinomarkt kamen allein in den USA immerhin 31,2 Millionen Dollar aus Verkäufen zusammen. „Birds of Prey – The Emancipation of Harley Quinn“ ist zu schrill, zu zerstückelt, zu verliebt in die eigene Pose, und dennoch einer der wenigen Comicfilme dieser Jahre, in dem man spürt, dass die Beteiligten Spaß hatten. Robbies Harley, Dinahs Martinigläser-Stimme und ein Sionis, der lieber posiert als droht, sind die Dinge, an die man sich nach dem Abspann erinnert.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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