Kino

Vachon nennt Pedro Pascal eine „Offenbarung“ in „De Noche“ – der Rolle, die Joaquin Phoenix aufgab

Martha O'Hara

Hollywood hat eine Lieblingsmethode, seine Pannen in Schicksal zu verwandeln: Die Rolle, aus der ein Star aussteigt, wird im Rückblick zu jener, für die ein anderer geboren zu sein scheint. Christine Vachon bediente diese Mythologie beim Edinburgh International Film Festival voll und ganz und deutete den beinahe erfolgten Kollaps von Todd Haynes’ De Noche nicht als Produktionskatastrophe, sondern als Umweg, der dem Film mit Pedro Pascal seine ideale Hauptfigur bescherte.

Im Rahmen eines karriereübergreifenden Gesprächs, moderiert von Wendy Mitchell, die scherzhaft sagte, inzwischen bevorzuge sie Pascal gegenüber dem ursprünglichen Star des Films, konterte Vachon laut Deadline: „I kind of do too!“ Über die fertigen Darstellungen äußerte sie sich noch enthusiastischer: „He is certainly extraordinary in the film, and by the way, so is Danny [Ramirez]. I mean, both of them are a revelation.“

Jener ursprüngliche Star war Joaquin Phoenix, der das Projekt zu Haynes brachte und im Sommer 2024 wieder ausstieg – nur wenige Tage vor dem geplanten Drehbeginn, womit er den Film mit sich riss. Etwa ein Jahr später übernahm Pascal die Rolle und einen Co-Star, der dem Projekt stets verbunden geblieben war: Ramirez war die ganze Zeit dabei und half dabei, aus einem aufgegebenen Paket wieder ein laufendes Projekt zu machen.

Für Haynes bedeutet De Noche eine Rückkehr zu jenem Register, das Far From Heaven und Carol prägte: Begehren, eingeengt durch Epoche und Verbot. Für Vachons Killer Films setzt der Film eine Linie fort, die von Boys Don’t Cry bis May December reicht. Die gewagtere Wette liegt bei der Besetzung: Pascal, womöglich auf dem kommerziellen Höhepunkt seiner Karriere, setzt dieses Kapital für eine offene, erwachsene Autorenromanze ein, die über mk2 finanziert wird, statt für ein weiteres Franchise – mit zwei Latino-Schauspielern als Zentrum einer schwulen Liebesgeschichte im Studioformat.

Der Film selbst ist ein Noir der 1930er-Jahre: Pascals abgebrühter Detektiv und Ramirez’ Internatslehrer beginnen eine Affäre, während Los Angeles in Korruption versinkt und die Welt auf einen Krieg zusteuert, bis beide zur Zielscheibe werden und nach Mexiko fliehen. Haynes drehte den Film in diesem Frühjahr in Guadalajara; die Veröffentlichung wird 2027 erwartet. Damit bleibt jene wohlgeordnete Ironie, die Vachon in Edinburgh gerne verkaufte: Der Film, aus dem ein Hauptdarsteller wenige Tage vor Beginn floh, ist nun jener, dessen tägliches Drehmaterial seinen Ersatz so aussehen ließ, als habe er die ganze Zeit nur darauf gewartet.

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