Kino

Vom Winde verweht, das gewaltigste Spektakel, das Hollywood je gestemmt hat — und der Klassiker, mit dem es bis heute hadert

Martha Lucas

Offen gesagt, meine Liebe, das ist mir gleichgültig — wenige Worte, in einem Türrahmen gesprochen von einem Mann, der endlich die Frau verlässt, die den ganzen Film hindurch niemanden lieben konnte außer sich selbst. Es ist der meistzitierte Satz des amerikanischen Kinos, und er gehört zu einem Werk, das nie aufgehört hat, zweierlei zugleich zu sein: das Größte, was Hollywood je schuf, und das, worüber man am schwersten mit reinem Gewissen spricht.

Mehr als inszeniert wurde der Film von seinem Produzenten David O. Selznick ins Dasein gezwungen: Er kaufte die Rechte an Margaret Mitchells alles überrollendem Roman und beugte ein ganzes Studio der Aufgabe, dessen tausend Seiten zu verfilmen. Drei Regisseure lösten einander hinter der Kamera ab — Victor Fleming steht im Vorspann, George Cukor und Sam Wood drehten lange Passagen davor und danach —, doch die Handschrift bleibt die Selznicks. Heraus kam ein Melodram des Sezessionskriegs um die Scarlett O’Hara von Vivien Leigh und den Rhett Butler von Clark Gable, zwei Menschen, die einander in der Weigerung gleichen, gut zu sein.

Die Entstehung ist eine eigene Legende. Selznick organisierte eine zweijährige landesweite Suche nach seiner Scarlett und gab die Rolle dann einer in Amerika kaum bekannten britischen Schauspielerin. Cukor wurde nach wenigen Wochen entlassen; Fleming kam direkt vom Zauberer von Oz und trieb sich bis zur Erschöpfung, worauf Wood ihn klammheimlich vertrat. Am kühnsten von allem: Der Brand von Atlanta wurde zuerst gedreht — alte Studiokulissen, darunter das Tor aus King Kong, gingen in Flammen auf, ehe die Rolle der Scarlett überhaupt besetzt war.

Was dieses Chaos überlebt, ist das Spiel. Leighs Scarlett gehört zu den großen unsentimentalen Schöpfungen des Studiokinos: eitel, schonungslos, magnetisch, unmöglich anzufeuern und unmöglich aus dem Blick zu lassen. Gable gibt Rhett als Mann, den der eigene Zynismus amüsiert, bis er ihn nicht mehr schützt. Daneben verleiht Olivia de Havilland der Melanie ein stilles moralisches Gewicht, das dem Film guttut, und Hattie McDaniel wurde als Mammy die erste afroamerikanische Darstellerin mit einem Oscar — eine Ehre, überschattet davon, dass man ihr den Zutritt zur rassengetrennten Premiere des Films in Atlanta verwehrt hatte.

Als reines Handwerk ist er selten erreicht worden. Ernest Hallers Technicolor, William Cameron Menzies‘ Ausstattung und Max Steiners aufbrandendes Tara-Thema lassen jede Einstellung wie ein Ereignis wirken; Scarletts Silhouette vor feuerorangem Himmel zählt zu den bleibenden Bildern des Kinos. Er räumte mit zehn Oscars ab und bleibt, inflationsbereinigt, der erfolgreichste Film der Geschichte.

Und doch lässt sich nichts davon unschuldig betrachten. Der Film ist eine Liebeserklärung an einen Plantagen-Süden, den es nie gab, ein Stück Mythologie der verlorenen Sache, das die Konföderation als verlorenes Paradies verklärt und seine versklavten Figuren auf treue, zufriedene Staffage reduziert. Diese Entscheidungen sind nicht nebensächlich: Sie sind das Weltbild, dem das Spektakel schmeicheln soll. Vom Winde verweht heute zu sehen heißt, die Maschine zu bewundern und vor dem zu erschrecken, wofür sie gebaut wurde.

Genau diese Spannung hält ihn lebendig und verbietet es, ihn als bloßes Meisterwerk abzulegen. Er ist der Höhepunkt der Traumfabrik und das Dokument der Lügen, die diese Fabrik mit Vergnügen erzählte. Das Handwerk verdient das Monument; die Politik versagt ihm die Bestnote. Ein Klassiker — heute mit offenen Augen zu betrachten.

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