Kino

Georgien setzt sein Oscar-Rennen auf «Guria» — und Loco Films kauft, bevor Venedig ihn sieht

Camille Lefèvre

Das georgische Kino findet seit jeher seinen Weg zu den Weltfestivals – klein, trocken, nah am Leben gedreht – und schlägt sich dabei stets weit über die Verhältnisse der Branche, die es hervorbringt. Wenn nun ein Film über einen Haselnussbauern in einer halb vergessenen westlichen Provinz innerhalb derselben Woche sowohl zur neuen Priorität eines Verleihs als auch zum offiziellen Aushängeschild eines Landes bei der Oscar-Verleihung wird, sagt das weniger über einen einzelnen Film aus als darüber, wie sehr Georgien gelernt hat, auf seine eigenen Regisseure zu setzen.

Levan Koguashvilis Guria ist dieser Film. Wie Deadline zuerst berichtete, hat das in Paris ansässige Unternehmen Loco Films die internationalen Vertriebsrechte an dem Drama übernommen und einen ersten Trailer veröffentlicht – und den Titel bereits vor einer einzigen öffentlichen Vorführung an sich gebunden, eine Vorabverpflichtung, die Verleiher nur für Projekte eingehen, von denen sie glauben, dass sie international reüssieren werden.

Koguashvili ist für diese Wette kein Unbekannter. Sein Brighton 4th räumte 2021 die Hauptpreise in Tribeca ab und wurde in jenem Jahr Georgiens Oscar-Einreichung, nach den trocken-humorvollen Arbeiterporträts von Street Days und Blind Dates. Guria, in strengem Schwarzweiß gedreht, führt ihn in seine Heimat zurück: Ein verwitweter Haselnussbauer, der den ihm angebotenen Spottpreis für seine Ernte ablehnt und auf der Suche nach einem besseren Angebot ist – und, von Freunden gedrängt, nach einer neuen Frau, die seine gewaltige Ex-Schwiegermutter vermutlich nicht gutheißen wird. Venedigs künstlerischer Leiter Alberto Barbera hat den Film als eine sehr komische Komödie bezeichnet, die die Traditionen des georgischen Kinos fortsetzt.

Die Finanzierungslandschaft des Films erklärt einen Teil der Anziehungskraft: Federführend produziert von Kino Iberica in Tiflis, zieht das Projekt Partner aus der Schweiz, Luxemburg, Bulgarien, der Türkei, Norwegen und Saudi-Arabien – das Flickwerk, mit dem sich eine winzige nationale Filmindustrie heute finanziert und auf der Festivalschiene vorverkauft. Für eine Vertriebsfirma ist eine Oscar-Einreichung, die mit einer Venedig-Premiere einhergeht, eine fertige Kampagne: zwei institutionelle Vertrauensbeweise, auf die ein Käufer verweisen kann, bevor die ersten Kritiken erscheinen.

Guria feiert seine Weltpremiere in der Spotlight-Sektion der Filmfestspiele von Venedig, die vom 2. bis 12. September stattfinden, und ist Georgiens Beitrag für den besten internationalen Film bei der 99. Oscar-Verleihung. Kakhaber Tcholadze führt die Besetzung an, gemeinsam mit Natia Nikolaishvili und Vamekh Jangidze.

Dass eine monochrome Komödie über einen Mann, der seine Haselnüsse nicht unter Wert verkaufen will, nun Georgiens lautstärkste Bewerbung in Hollywood ist, hat seinen eigenen Witz – und Loco Films wettet, dass der Rest der Welt mitlacht.

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