Kino

James Baldwin: „solche Todesgefahr, dass ich geflohen war … nach Frankreich“

Camille Lefèvre

Es gibt einen Moment, spät in Yashaddai Owens’ Jimmy, in dem der Film aufhört, James Baldwin zu beschwören, und ihn einfach reden lässt. Den Großteil seiner Laufzeit über bleibt dieser schwarz-weiße Rêveur den Schriftsteller wortlos – ein junger Mann, treibend in einem Paris aus Lichthöfen und Jazz, Freiheit eher als Textur denn als Argument inszeniert. Dann liest eine Stimme aus Baldwin selbst vor, und die verführerische Stimmung bricht auf.

„Meine Geschichte im Westen hatte mich, in ihrer täglichen Wirkung, in eine so tödliche Gefahr gebracht, dass ich geflohen war – um die Ecke herum, nach Frankreich.“

Die Zeile stammt aus No Name in the Street, Baldwins später Abrechnung, und im Film trifft sie gesprochen ein – das Konkrete benennt endlich, was Owens’ Bilder nur geatmet haben. Die Wirkung ist korrigierend. Alles zuvor hat die Überfahrt als Befreiung gerahmt: der Rausch eines schwulen Schwarzen Mannes, befreit von amerikanischen Kategorien, verliebt in einen Fremden und in die Stadt selbst. Der Satz verweigert diese Romantik. Baldwin sagt nicht, er habe Paris gewählt; er sagt, er sei geflohen. Er sagt nicht Freiheit; er sagt tödliche Gefahr.

Hier argumentiert Owens’ schöner Film gegen sich selbst, und hier liegt seine Ehrlichkeit. Gedreht auf 16mm mit dem träumerischen Glanz der Nouvelle Vague und geschnitten auf Bebop, ist Jimmy darauf ausgelegt zu verführen – eine Stadtsinfonie mit Baldwin im Zentrum. Doch der Autor hat das Gegenargument eingeschmuggelt: Dieselbe Stimme, die Exil als Flucht verkaufen könnte, besteht darauf, dass Exil Überleben war. Es ist die Formulierung „um die Ecke herum“, die schmerzt. Sie schrumpft den Atlantik zu einem Seitensprung, als wäre die Gefahr noch sichtbar von der Türschwelle aus, durch die er rannte – denn für Baldwin war sie das immer. Frankreich war nie ein Anderswo; es war der nächste Ort, den der Schrecken noch nicht erreicht hatte.

Baldwin war nie sentimental über seine eigene Abreise, und das ist die Bilanz, die der Film ehrt, wenn er ihn endlich zitiert. Die Essays, die ihn berühmt machten, benannten immer wieder das, was ein Stimmungsstück lieber in Atmosphäre auflösen würde: dass die Flucht erzwungen war und dass die Entfremdung mit ihm das Wasser überquerte. Variety’s Kritik landet auf demselben Paradox und liest den Film nicht als große Flucht, sondern als erneute Konfrontation. Das Zitat ist ihr Beweistext.

Owens verbringt eine Stunde damit, Paris wie Erlösung aussehen zu lassen, und gibt Baldwin dann einen einzigen Satz, um zu erklären, dass Erlösung nicht das Wort dafür ist. Es ist die Baldwinhafteste Geste des Films: Die Schönheit ist echt, und sie ist nicht der Punkt. Die Gefahr war immer nur um die Ecke.

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