Kino

Keke Palmers I Love Boosters bekommt nach Kritikerlob und US-Flop eine zweite Chance in Europa

Martha O'Hara
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Das Standbild, das mit I Love Boosters um die Welt geht, zeigt eine Menge von Gesichtern, so dicht aneinandergedrängt, dass sie sich wie ein einziges Arrangement lesen: Haare, hoch aufgetürmt in Grün, in Blau und Rosa, in Orange, in Magenta, kleine Blüten rund um die Augen gesteckt, eine Bank aus gelben, blauen und rosa Blumen dort, wo die Schultern sein müssten, auf einer Seite ein Schwung roter Rüschen und ganz am Rand eine blonde Frau mit schwarzer Brille. Alles ist vor Schwarz ausgeleuchtet. Ehrlicher lässt sich Boots Rileys Idee kaum zusammenfassen: eine Komödie über Ladendiebinnen, die ein Luxus-Modelabel ausrauben und die Kleider billig zurückverkaufen, herausgeputzt wie der Laufsteg, den sie plündern will.

Dieses Bild muss den Film nun ein zweites Mal verkaufen. In den USA nannte der Regisseur selbst die Kinoauswertung eine Enttäuschung, obwohl sich die Rezensenten hinter den Film stellten. Im Ausland beginnt alles von vorn: mit einer Headline Gala beim BFI London Film Festival, einem Platz im Wettbewerb des Filmfests Rom, kommerziellen Vorführungen bei der Mostra in São Paulo, wo Riley zugleich in einer Jury sitzt, und einem Kinostart in Großbritannien und Irland über Focus Features zum Monatsende. Offen bleibt, ob das Wohlwollen der Kritik in der Fremde schafft, was ihm zu Hause nicht gelang.

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Die Besetzung ist eher als Gruppenporträt angelegt denn als Starvehikel. Keke Palmer spielt Corvette, eine angehende Designerin, die ausgerechnet bei dem Label stiehlt, das sie bewundert; Naomi Ackie als Sade und Taylour Paige als Mariah vervollständigen das Trio, das als Velvet Gang bekannt ist. Demi Moore ist Christie Smith, die Designerin, deren Kette die drei leer räumen. Poppy Liu spielt Jianhu, eine Arbeiterin aus einer der Fabriken des Labels in China, und Eiza González ist Violeta, eine frühere Kollegin, die will, dass die Gang für bessere Arbeitsbedingungen kämpft, statt einfach nur abzukassieren. Odie Henderson vom Boston Globe hob Palmer und Moore als besonders hinreißend hervor.

Riley kam über die Musik zum Kino. Er ist Frontmann der Hip-Hop-Gruppe The Coup, und dieser Film wächst aus einem Song der Band, „I Love Boosters!“. Sein Spielfilmdebüt Sorry to Bother You (2018) folgte einem Telefonverkäufer, gespielt von LaKeith Stanfield, der Erfolg hat, sobald er eine „weiße Stimme“ aufsetzt, und machte aus einem bescheidenen Budget einen echten Hit. Danach schuf und inszenierte Riley die absurde Serie I’m a Virgo (2023). Der neue Film folgt derselben Logik einer Arbeitswelt-Komödie, die in die Science-Fiction kippt, und demselben Modell im Ausland: Wie schon beim Debüt übernehmen Focus Features und Universal den internationalen Vertrieb.

Die Ausgangslage bleibt zunächst bodennah, bevor sie kippt. Die Velvet Gang klaut Kleidung aus der Kette Metro Designers in der San Francisco Bay Area und verkauft sie mit Rabatt weiter, um über die Runden zu kommen, eine Praxis, die die Tagline des Films als „Dienst an der Gemeinschaft“ definiert. Corvettes Bewunderung für Christie wird sauer, als sich eines der neuen Stücke des Labels als identisch mit einem ihrer eigenen Entwürfe entpuppt. Dann taucht Jianhu mit Teleportern auf, die sie aus ihrer Fabrik gestohlen hat, und schickt Ware zurück nach China, als Druckmittel für bessere Löhne, und aus der Heist-Komödie wird etwas Seltsameres. Riley hatte nie Interesse daran, seine Metaphern an der kurzen Leine zu führen.

Die Kritik folgte ihm größtenteils. Bei Rotten Tomatoes kommt der Film auf 92 Prozent positive Besprechungen von 152 Kritikern, bei Metacritic auf einen Wert von 71. Amy Nicholson von der Los Angeles Times nannte ihn „ein maximalistisches Vergnügen“ und „eine glitzernde Kifferkomödien-Extravaganz mit dem Mumm, dem Realismus à la Monty Python die Zunge herauszustrecken“. Odie Henderson rechnete es Riley im Boston Globe hoch an, „nicht nur einen so komplett durchgeknallten Film wie I Love Boosters gedreht, sondern ihn auch mit der wütenden Forderung verankert zu haben, die Arbeiterklasse zu respektieren“.

Die Vorbehalte sind real, und sie erklären einen Teil des amerikanischen Ergebnisses. Laut seinem Wikipedia-Eintrag spielte der Film in den USA und Kanada 9,7 Millionen Dollar ein, bei einem Budget von rund 20 Millionen Dollar, während Sorry to Bother You mit 3,2 Millionen Dollar Budget 18,3 Millionen Dollar einspielte. Das von CinemaScore befragte Publikum vergab ein B. Maya Phillips von der New York Times fand manche Verrücktheit „eher cartoonhaft abgenutzt als seine innovativeren Haken“, auf Kosten „einer schlüssigeren und bissigeren politischen Botschaft“. Radheyan Simonpillai vom Guardian, ansonsten gut unterhalten, schrieb, die Figuren könnten „frustrierend begrenzt wirken“. Hinzu kommt ein Timing-Problem, das der Festivalzirkus nicht lösen kann: Der britische Start folgt erst auf die amerikanischen Digital- und Disc-Veröffentlichungen, und eine maximalistische Komödie, die von Mundpropaganda lebt, erreicht ihr neues Publikum, wenn ein Großteil dieser Mundpropaganda schon verbraucht ist.

Am sichersten scheint sich der Film in seinen Oberflächen zu sein. Gedreht wurde er in Atlanta von der Kamerafrau Natasha Braier, die Musik stammt von Tune-Yards, und die New York Times lobte neben Palmer auch Kostüm- und Szenenbild. Neon baute einen Teil seiner Kampagne um diese Garderobe herum und veröffentlichte ein Promo-Video über die Kostüme sowie Featurettes darüber, was Boosting ist und wie man eine Fälschung erkennt. Riley und Palmer nahmen außerdem eine Soundtrack-EP mit eigenen Songs auf, angeführt von der Single „2-D“. In einem Film darüber, wer was tragen darf, sind die Kleider keine Dekoration; sie sind das Argument.

A still from the Boots Riley comedy I Love Boosters, 2026
A still from Boots Riley film I Love Boosters (2026)

Über diese sechs hinaus gehören zum Ensemble LaKeith Stanfield als mysteriöser Mann mit Ring am kleinen Finger, Will Poulter, Don Cheadle, Adam DeVine, Kara Young, Robin Thede, Jason Ritter, Eric André und Jermaine Fowler; Viggo Mortensen leiht dem Erzähler eines Dokumentarfilms seine Stimme. Aaron Ryder und Andrew Swett produzierten über Ryder Picture Company, finanziert von Neon und Waypoint Entertainment. Die Laufzeit beträgt 113 Minuten.

Programmlisten nennen den 5. November als deutschen Kinostart; vom Verleih bestätigt ist bisher nur der britische Termin (Focus Features). I Love Boosters eröffnete am 12. März 2026 das SXSW Film & TV Festival und kam am 22. Mai über Neon in den USA und in Kanada in die Kinos, gefolgt von der digitalen Veröffentlichung am 23. Juni und der Disc am 22. September. International läuft der Film als Headline Gala beim BFI London Film Festival (7. bis 18. Oktober) und konkurriert in diesem Monat in der Sektion Progressive Cinema des Filmfests Rom. Focus Features bringt ihn am 30. Oktober in Großbritannien und Irland in die Kinos, Universal startet ihn am 19. November in Brasilien. Ein Film, der in Amerika schon als Disc im Regal steht, bekommt durch diesen Kalender etwas Seltenes: einen zweiten Premierenabend.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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