Kino

Marvel erschafft seinen KI-Helden ohne generative KI: ‚VisionQuest‘ setzt auf Handarbeit

Martha Lucas
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Nur wenige Studios haben ein so schwieriges Verhältnis zu künstlicher Intelligenz wie Marvel, das den Sommer 2023 damit verbrachte, einen KI-generierten Vorspann für Secret Invasion zu verteidigen, während die eigenen Schauspieler und Autoren wegen genau dieser Technologie auf den Streikposten standen. Umso ironischer ist es, dass der nächste große Wurf des Studios eine Serie ist, die sich komplett um einen Androiden dreht – und dass ihr Schöpfer Wert darauf legt, dass keine Maschine an ihrer Entstehung beteiligt war.

Gegenüber ScreenRant bestätigte VisionQuest-Showrunner Terry Matalas, dass bei der Disney+-Serie keinerlei generative KI zum Einsatz kam. „Nein, überhaupt nicht“, sagte er auf direkte Nachfrage. „Es gab wirklich keinen Bedarf.“ Diese Aussage wirkt weniger wie ein Manifest, sondern wie ein Achselzucken, ein leiser Verweis aus dem Inneren einer Branche, die noch immer darüber verhandelt, wohin diese Werkzeuge gehören.

Dieser Verzicht ist selbst eine kreative Entscheidung. Matalas hat gesagt, dass der Retro-Futurismus der Serie bewusst die Art und Weise nachahmt, wie heutige KI „Dinge verarbeitet“ – die unheimlichen Verschmierungen und halbrichtigen Details einer Maschinen-Darstellung – nur dass jedes Bild von Menschen gemacht wurde. Das Team von Production Designer Will Hughes-Jones, sozusagen, hat das Aussehen von KI von Hand gebaut, anstatt die KI die Serie bauen zu lassen, und macht die Technologie so zum Thema statt zur Abkürzung.

Es ist eine passende Haltung für eine Serie, die Marvels intimsten Fernsehhandlungsbogen abschließt. VisionQuest vervollständigt die lockere Trilogie, die mit WandaVision begann und mit Agatha All Along fortgesetzt wurde, und folgt Paul Bettanys Synthezoiden, der eine aus den Erinnerungen anderer zusammengesetzte Identität wieder zusammensetzt. Matalas, der Star Trek: Picard für eine nostalgische letzte Staffel wiederbelebte, ist ein Filmemacher, der sich zu Legacy-Charakteren und analoger Textur hingezogen fühlt – eine ungewöhnliche Wahl für ein Studio, das zunehmend mit Masse und Automatisierung assoziiert wird, und vielleicht genau der Grund, warum man ihn engagiert hat.

Die achtteilige Serie bringt außerdem James Spader als Ultron zurück, den mörderischen KI-Bösewicht, den man zuletzt 2015 in Avengers: Age of Ultron sah und der nun in Visions Geist wieder auftaucht. VisionQuest startet am 14. Oktober auf Disney+.

Die Wette ist eine seltsame: eine Geschichte über die Grenzen künstlicher Geister, die ausdrücklich beweisen soll, dass es keinen künstlichen Geist brauchte, um sie zu erzählen. Drei Jahre nachdem eine Maschine den Vorspann gezeichnet hat, verkauft Marvel die menschliche Hand als das Besondere.

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