Kino

Cynthia Erivo bringt das TIFF mit «Prima Facie» zum Stehen — der begehrteste Titel des Marktes, noch ohne Verleih

Martha Lucas

Toronto hat das vergangene Jahrzehnt damit verbracht, seinen roten Teppich in einen Handelssaal zu verwandeln, und die lauteste Währung in diesem Saal ist eine Ovation, die ein Käufer vom hinteren Ende des Raumes hören kann. Cynthia Erivo bescherte dem Festival eine solche mit Prima Facie, der Leinwandversion von Suzie Millers Ein-Frau-Gerichtsdrama, das ohne angeschlossenen Verleiher in die Roy Thomson Hall kam – seine Standing Ovation fungierte weniger als kritisches Urteil, sondern vielmehr als ein mit voller Lautstärke vorgetragener Verkaufsvorschlag.

Wie Variety aus Toronto berichtete, schickte die Weltpremiere das Publikum auf die Füße, die Art von Resonanz, die für einen nicht akquirierten Titel zugleich als Marktsignal dient. Unter der Regie von Susanna White und von Miller selbst nach ihrem weltweit aufgeführten Monolog adaptiert, erbt der Film eine Vorlage, die bereits vor Prestige strotzt: Jodie Comer gewann sowohl den Olivier als auch den Tony für die West-End- und Broadway-Läufe, was die Rolle zu einer der am höchsten dekorierten Solo-Performances des letzten Jahrzehnts macht.

Für Erivo ist es der erste Film seit Wicked und dessen Fortsetzung, und eine bewusste Abkehr vom grünhäutigen Spektakel hin zum nacktnervigen Kammerspiel. Zweifach Oscar-nominiert – als Harriet Tubman in Harriet und als Elphaba in Wicked – und Tony-Gewinnerin für The Color Purple, fehlt ihr nur noch eine Trophäe für den EGOT. Prima Facie ist genau die Art von Schauspieler-Plattform, um die herum eine Award-Kampagne aufgebaut wird, weshalb die Reaktion des Raumes weit über den Applaus hinaus Bedeutung hat.

Sie spielt Tessa, eine brillante Londoner Strafverteidigerin, die sich einen Namen damit gemacht hat, Klägerinnen in Verfahren wegen sexueller Übergriffe zu diskreditieren, bis sie von einem Kollegen vergewaltigt wird und feststellt, dass die Beweisregeln, die sie einst handhabte, gegen sie verwendet werden. Die Umwandlung einer Ein-Personen-Bühnen-Tour de Force in einen Film mit einer Nebendarsteller-Cast – darunter Daniel Ings, Elizabeth Dulau und Simon Russell Beale – ist hier die eigentliche Wette: ob ein Werk, das auf einer einzigen Stimme in einem leeren Theater aufbaut, den Übergang in ein bevölkertes Bild übersteht.

Millers Stück wurde 2019 in Australien uraufgeführt, bevor es in London und New York weiterlebte; der Film kommt nun als einer der heißesten Verkaufstitel des Marktes nach Toronto und sucht noch immer den Verleiher, der darüber entscheidet, ob seine Veröffentlichung in diese Award-Saison oder die nächste fällt.

In einem Festival, das darauf ausgelegt ist, Applaus in Deals umzuwandeln, betrat Erivo die Roy Thomson Hall ohne Käufer und verließ sie mit dem einzigen Hebel, der in Toronto zählt: einem Raum, der sich weigerte, sich zu setzen.

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