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Muccinos Things We Don’t Say: Zwei Paare in Tanger und das, was sie sich nie gesagt haben

Molly Se-kyung

Zwei Paare, die sich seit ihren Zwanzigern kennen, buchen gemeinsam einen Urlaub. Was sie einpacken, ohne es je auszusprechen, ist alles, worüber sie seit Jahren stillschweigend übereingekommen sind zu schweigen. Diese unausgesprochene Last ist der eigentliche Gegenstand von Gabriele Muccinos neuem Film. Er bringt vier alte Freunde und eine aufmerksame Dreizehnjährige von Rom nach Tanger — und wartet dann ab, was die Distanz zur Heimat tut, was sie immer tut.

Der Titel ist auch die Methode. Muccino baut den Film um das Auslassen: den Satz, der beim Abendessen geschluckt wird, den Blick, der eine Frage beantwortet, die niemand laut zu stellen wagte, die Version einer Ehe, an die jeder Partner still beschlossen hat weiterzuglauben. Der italienische Originaltitel — Le cose non dette — lautet wörtlich: die Dinge, die nicht gesagt wurden. Das italienische Tagline übersetzt sich zu einer knappen kleinen Warnung: Jeder hat ein Geheimnis. Das klingt weniger nach einem Versprechen von Wendungen als nach einer Beschreibung, wie diese Gruppe schon immer funktioniert hat — höflich, seit sehr langer Zeit, bis ein Ortswechsel die Höflichkeit zu teuer macht.

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Stefano Accorsi und Claudio Santamaria verankern die Männer, eine Paarung, auf die Muccino schon früher zurückgegriffen hat, diesmal an entgegengesetzte Pole getrieben: der eine spielt Beherrschung vor, der andere Appetit. Miriam Leone und Carolina Crescentini spielen die Frauen, die beiden durchschauen. Die Besetzung ist das Argument, das der Film macht, bevor eine einzige Zeile gesprochen wird. Das sind Gesichter, mit denen das italienische Publikum Charme verbindet — hier eingesetzt, um zu zeigen, wie Charme gerinnt, sobald er eine Lüge über eine Grenze tragen soll.

Muccino hat seinen Namen genau auf diesem Register gemacht: der gesellige Tisch, der kippt; das Paar, das entdeckt, keines mehr zu sein; die Freundesgruppe als langsam versiegelnde Druckkammer. Seine frühen Ensemblefilme liefen auf diesem Motor, und die Dynamik zwischen Accorsi und Santamaria gehörte zur Maschinerie. Hollywood lieh sich diesen Regisseur für zwei Dramen mit Will Smith, bevor er zurückkehrte — was die Rückkehr zu einem Kammerstück über italienische Ehen wie eine bewusste Entscheidung lesen lässt, nicht wie eine Verlegenheitslösung. Er geht zurück zur Form, die er am besten kennt, um herauszufinden, ob sie noch schneidet.

Das Drehbuch führt ihn für das Material an einen neuen Ort. Es adaptiert Delia Ephrons Roman Siracusa, den Ephron gemeinsam mit Muccino für die Leinwand bearbeitete: ein Buch, das aus rivalisierenden Ich-Erzählungen einer einzigen Reise zusammengesetzt ist, vier Erzähler, die dieselben Tage beschreiben und einander dabei still widersprechen. Muccino behält diese Architektur nicht übereinstimmender Wahrheiten, verlegt die Paare aber von Ephrons italienischen Schauplätzen nach Marokko — tauscht die Broschüren-Vertrautheit eines europäischen Urlaubs gegen einen Ort ein, der seine Figuren schneller aus dem Gleichgewicht bringt.

Tanger ist hier weniger Kulisse als Lösungsmittel. Muccino nutzt die Fremdheit der Stadt — ihr Licht, ihre Rhythmen, die kleinen täglichen Verhandlungen des Fremdseins — um die Routinen aufzulösen, in die sich die vier seit Jahren eingebettet haben. Weg von den Wohnungen, Jobs und eingeschliffenen Witzen, die die Freundschaften an ihrem Platz halten, hat die Gruppe nichts mehr aufrechtzuerhalten. Und die Aufführung, stellt sich heraus, war das meiste von dem, was den Frieden bewahrt hat.

Das könnte erklären, warum der Film im Ausland besser funktioniert, als eine Inhaltsangabe vermuten lässt. In Italien kam er verpackt in Dinge, die ein ausländisches Publikum nie sieht: die Fernsehgeschichte seiner Darsteller, das Klatschklima um deren reale Leben, die Kurzzeichen eines nationalen Kinos. Dieser Kontext fällt auf dem Weg ins Ausland weg, und es bleibt nur das Drama übrig — ein härterer und fairerer Test. Ein Beziehungsfilm ohne Franchise und ohne Spektakel muss allein durch Verhalten überzeugen.

Nichts davon garantiert, dass der Film seine eigene Prämisse einlöst. Das Gemeinschaftsprojekt, das eine Ehe zur Explosion bringt, ist eine der abgenutztesten Formen im Drama. Die Struktur — Geheimnisse treten im Ausland an die Oberfläche — kann ins Buchhalterische gleiten: jede Figur bekommt pünktlich ihre Enthüllung, bis das Hauptbuch ausgeglichen ist. Die Dreizehnjährige Vittoria, die den Erwachsenen bei ihrem schlechten Benehmen zusieht, könnte den Film schärfen oder ihn bloß unterstreichen. Eine Geschichte, die so sehr vom Verschweigen abhängt, stellt oder fällt mit einer einzigen Frage: Glaubt das Publikum, dass diese Menschen wirklich so lange geschwiegen hätten — oder schweigen sie nur, weil eine spätere Szene den Lärm braucht?

Stefano Accorsi and the cast of Le cose non dette by Gabriele Muccino in Tangier
The cast of Le cose non dette on holiday in Tangier

Accorsi, Leone, Santamaria und Crescentini führen das Ensemble an, mit Margherita Pantaleo als Vittoria und Beatrice Savignani unter den weiteren Darstellern. Produziert haben Lotus Production und Rai Cinema; den Verleih in Italien übernahm 01 Distribution. Paolo Buonvino komponierte die Filmmusik, bewegt zwischen Klavier und Elektronik; das Abspannlied entstand mit Mahmood — ein Soundtrack, der auf Stimmung statt auf Aussage setzt, was zu einem Film über das, was ungesagt bleibt, passt.

Things We Don’t Say (Le cose non dette) startete am 29. Januar in den italienischen Kinos und spielte dort über 7 Millionen Euro ein — ein beachtliches Ergebnis für ein heimisches Drama ohne Franchise im Rücken. Der internationale Start läuft: Südkorea folgt am 2. September. Ein deutscher Kinostart ist bislang nicht bestätigt. Laufzeit: 114 Minuten.

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