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Georgina Rodríguez, die Gucci-Verkäuferin, die zehn Jahre lang fremden Ruhm zu ihrem eigenen machte

Penelope H. Fritz
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Georgina Rodríguez
Georgina Rodríguez
Photo: Luca Caon / CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Geboren27. Januar 1994
Buenos Aires
BerufModel, Influencerin und Unternehmerin
AuszeichnungenStarlite Gala Award für soziales Engagement

Jahrelang erfuhren die meisten Menschen über Georgina Rodríguez zuerst eine Berufsbezeichnung – und es war nicht ihre eigene. In Schlagzeilen auf drei Kontinenten wurde sie als Freundin von Cristiano Ronaldo vorgestellt: als junge Frau aus dem Gucci-Geschäft, die dem meistfotografierten Fußballer der Welt aufgefallen war. Viele bleiben in dieser Rolle. Rodríguez verbrachte das folgende Jahrzehnt damit, die Aufmerksamkeit, die sie jemand anderem zu verdanken hatte, Schritt für Schritt und mit viel Bedacht an Projekte zu knüpfen, die ihren eigenen Namen tragen.

Dieser rote Faden erklärt Entscheidungen, die aus der Ferne wie ein bunt zusammengewürfelter Promi-Lebenslauf wirken können. Ein Abend als Co-Moderatorin des größten italienischen Musikfestivals. Ein Gesangswettbewerb mit Masken im spanischen Fernsehen. Eine Netflix-Serie, die sie über sich selbst produzierte. Eine Loungewear-Kollektion und später eine Activewear-Marke mit Sitz in Dubai. Fast nichts davon wäre ohne Ronaldo geschehen – und nichts davon war Zufall. Genau in der Spannung zwischen diesen beiden Tatsachen liegt das Interessanteste an ihr.

Jaca, Ballett und ein abwesender Vater

Georgina Rodríguez Hernández wurde am 27. Januar 1994 in Buenos Aires als Tochter eines argentinischen Vaters und einer spanischen Mutter geboren. Sie war etwa ein Jahr alt, als ihre Mutter mit der Familie über den Atlantik nach Jaca zog, eine Kleinstadt in den aragonischen Pyrenäen nahe der französischen Grenze. Geprägt hat sie Jaca, nicht Buenos Aires. Dort wuchs sie mit ihrer Schwester Ivana und einer Halbschwester auf – in einem Haushalt, in dem das Geld knapp war und später noch knapper wurde.

Ihr Vater, Jorge Rodríguez, hatte Fußball gespielt und arbeitete später als Trainer in Jaca. 2003 wurde er in Spanien wegen Drogenhandels festgenommen und verbrachte zehn Jahre im Gefängnis. Nach seiner Haft kehrte er nach Argentinien zurück; der Kontakt zu seinen Töchtern in Europa wurde sporadisch. Anfang 2019 starb er nach langer Krankheit. Rodríguez hat in der Öffentlichkeit nur selten über ihn gesprochen. Doch die Umstände ihrer Kindheit tragen dazu bei, dass ihr späteres Leben von Bewunderern wie Kritikern eher als Aufstieg aus bescheidenen Verhältnissen denn als bloßes Glück gelesen wird.

Was sie als Mädchen hatte, war das Ballett. Mit vier Jahren begann sie mit dem Unterricht und machte jahrelang weiter, bis die Familie sich die Stunden nicht mehr leisten konnte und sie als Jugendliche aufhörte. Das Training hat Spuren hinterlassen: Noch heute ist es in der aufrechten Haltung zu erkennen, die Fotografen seit einem Jahrzehnt festhalten. Und es lehrte sie früh, wie viel Arbeit nötig ist, damit etwas mühelos aussieht.

Verkaufsjobs in San Sebastián, Bristol und Madrid

Ihr Berufsleben begann hinter einem Ladentresen. Als Teenager arbeitete sie als Verkaufsassistentin in einer Massimo-Dutti-Filiale in San Sebastián. Mit 17 zog sie nach Großbritannien und ließ sich als Au-pair in Bristol nieder – vor allem, um Englisch zu lernen. Zurück in Spanien ging sie nach Madrid und arbeitete 2016 als Verkaufsassistentin in einer Gucci-Boutique in der Hauptstadt. Dort verkaufte sie Kleidung, in der sie später selbst fotografiert werden sollte.

In diesem Geschäft lernte sie 2016 Cristiano Ronaldo kennen, der damals für Real Madrid spielte. Sie hat die Begegnung als Liebe auf den ersten Blick beschrieben. Noch im selben Jahr wurden die beiden gemeinsam in der Öffentlichkeit fotografiert; 2017 machten sie ihre Beziehung offiziell. Binnen weniger Monate wurde die Verkäuferin aus Jaca überall dort von Fotografen verfolgt, wo Ronaldo auftauchte.

Eine Familie mit fünf Kindern

Die Familie, in die sie hineinkam, war bereits kompliziert. Ronaldo hatte einen Sohn, Cristiano Jr., der 2010 geboren wurde. Im Juni 2017 kamen die Zwillinge Eva und Mateo durch eine Leihmutterschaft zur Welt. Fünf Monate später, im November 2017, brachte Rodríguez in Madrid die erste gemeinsame Tochter des Paares zur Welt: Alana Martina. Von da an zog sie vier Kinder groß, von denen drei rechtlich nicht ihre waren. Zugleich folgte die Familie Ronaldos Karriere: von Madrid nach Turin, als er 2018 zu Juventus wechselte, und 2021 weiter nach Manchester, als er zu Manchester United zurückkehrte.

Im Oktober 2021 verkündete das Paar, Zwillinge zu erwarten. Am 18. April 2022 brachte Rodríguez in Manchester ein Mädchen, Bella Esmeralda, und einen Jungen zur Welt, der während der Geburt starb. Das Paar teilte beides in einer einzigen Mitteilung mit und bat um Privatsphäre. Später kam der Verlust in der zweiten Staffel ihrer Netflix-Serie zur Sprache – in einigen der persönlichsten Szenen, die sie je vor der Kamera zugelassen hat.

Fernsehen nach ihren eigenen Regeln

Rodríguez‘ frühe Medienauftritte spielten offen mit ihrer Verbindung zu Ronaldo. Offenbar verstand sie früh, dass es darauf ankam, diese Aufmerksamkeit zu nutzen, ohne von ihr verschluckt zu werden. Bei den MTV Europe Music Awards in Sevilla im November 2019 betrat sie mit dem DJ Afrojack die Bühne, um den Preis für die beste Zusammenarbeit zu überreichen. Er ging an Rosalía für Con Altura. Drei Monate später, im Februar 2020, war sie in Italien Co-Moderatorin des dritten Abends des Sanremo Music Festival. An der Seite von Moderator Amadeus stand sie bei dem meistgesehenen Fernsehereignis des Landes auf der Bühne und tanzte einen Tango.

Im November 2020 ließ sie sich auf ein riskanteres Engagement ein. Antena 3 versteckte sie für die erste Folge von Mask Singer: adivina quién canta in einem Löwenkostüm; sie war der erste Promi, der demaskiert wurde. Statt den frühen Ausstieg als peinlich abzutun, machte sie ihn zu einem Teil ihrer öffentlichen Persönlichkeit: Im darauffolgenden Sommer trat sie bei der Starlite Gala in Marbella mit dem Sänger Beret auf und sang Si por mi fuera – das Lied, das sie im Löwenkostüm gesungen hatte. Auch ein ausführliches Gespräch bei El Hormiguero, in dem sie erzählte, wie sie sich in Ronaldo verliebte, gehört in diese Phase, in der sie lernte, nach ihren eigenen Regeln über ihr Leben zu sprechen.

I Am Georgina und die Frage, wie viel man von sich zeigt

Das Projekt, das ihren Status veränderte, kam von Netflix. 2021 gab der Streamingdienst eine Doku-Reality-Serie über ihr Leben in Auftrag. I Am Georgina, im spanischen Original Soy Georgina, feierte am 27. Januar 2022 weltweit Premiere – an Rodríguez‘ 28. Geburtstag. Sie war nicht nur Protagonistin, sondern neben Juampi Cofré auch eine der Produzenten. Damit wurde ihre Lebensgeschichte erstmals zumindest offiziell unter ihrem eigenen Namen erzählt.

Die Serie umfasste drei Staffeln mit jeweils sechs Folgen. In der ersten ging es um ihre Familie, ihre Freunde und ihren Arbeitsalltag. Die zweite, die im März 2023 erschien, thematisierte den Tod ihres Sohnes. Die dritte kam im September 2024 heraus und begleitete das neue Leben der Familie in Riad: Ronaldo hatte bei Al-Nassr unterschrieben, und im Januar 2023 war der gesamte Haushalt nach Saudi-Arabien gezogen.

Die Reaktionen waren nie eindeutig – und genau hier muss jede ehrliche Auseinandersetzung mit Rodríguez ansetzen. Viele Kritiker sahen die erste Staffel vor allem als Zurschaustellung von Luxus: eine Parade aus Autos, Privatjets, Booten und Designermarken, während die schwierigeren Seiten ihrer Geschichte – der abwesende Vater, die Geldsorgen, die Arbeit im Einzelhandel – zwar erwähnt, dann aber glattgebügelt wurden. Ein Kritiker nannte das Ganze ein Märchen und meinte das als Einschränkung. Der Einwand hat Gewicht. I Am Georgina erzählte dem Publikum, es gehe um eine berufstätige Frau, die sich etwas aufgebaut habe, und verbrachte dann einen Großteil der Laufzeit mit den Dingen, die sie sich inzwischen leisten konnte. Zugleich zeigte dieselbe Serie in ihrer zweiten Staffel eine Trauer, die die meisten Prominenten vollständig privat gehalten hätten. Rodríguez hat den Widerspruch, für einen bestimmten Lebensstil berühmt zu sein und zugleich für ihre Arbeit ernst genommen werden zu wollen, nie ganz aufgelöst. Die Serie machte ihn für ein weltweites Publikum sichtbar.

In einem Interview mit Vogue Arabia, das im Juni 2025 erschien, nannte sie die Serie ihr wichtigstes berufliches Projekt und zugleich mit enorm viel Arbeit verbunden. Vorerst wolle sie nicht weitermachen, sagte sie. Eine vierte Staffel wurde nicht produziert.

Marken mit ihrem Namen

Parallel zur Fernseharbeit baute Rodríguez eine Karriere als Model und Werbegesicht auf. Wie so vieles begann auch sie mit der Aufmerksamkeit, die ihre Beziehung mit sich brachte, wuchs dann aber allmählich darüber hinaus. Sie war in Kampagnen für die US-amerikanische Marke Guess zu sehen und zierte die Titelblätter internationaler Ausgaben von Vogue, Harper’s Bazaar und Elle. Im März 2024 lief sie bei der Paris Fashion Week in der Vetements-Show für die Herbst-Winter-Kollektion 2024/25. Sie trug ein rotes Trikotkleid, das Ronaldos Shirt von Manchester United nachempfunden war, seinen Namen und die Nummer 7 trug und von ihm signiert worden war. Der Auftritt galt als ihr Debüt auf dem Laufsteg der Paris Fashion Week und brachte ihre Methode ungewöhnlich präzise auf den Punkt: ein Kleidungsstück, das die Berühmtheit ihres Partners in ihren eigenen Catwalk-Moment verwandelte.

Ihr erster Versuch, ein Produkt selbst zu besitzen, statt nur darin zu posieren, folgte im Februar 2021 mit der Gründung von OM by G, einer Loungewear-Linie. Die ersten Teile – Hoodies und Jogginghosen – waren am Tag der Veröffentlichung ausverkauft. Im September 2023 kam eine kleine Filmrolle hinzu: Rodríguez spielte im Musikvideo zu Sebastián Yatras Energía bacana mit, das in Madrid mit einer Gruppe ihrer Freunde gedreht wurde. Ronaldo hatte einen kurzen Auftritt, zusammengeschnitten aus Aufnahmen ihrer Serie.

Das ambitionierteste dieser Vorhaben ist zugleich das jüngste. Am 30. Juni 2026 brachte Rodríguez Mimoa auf den Markt, eine Activewear-Marke im Direktvertrieb mit Sitz in Dubai und Produktion in der Türkei. Sie selbst ist Gründerin und Kreativdirektorin. Die erste Kollektion umfasste 27 Modelle, die alle weniger als 100 Euro kosteten und ausschließlich über die Website der Marke verkauft wurden – ohne Großhandelspartner. Nur wenn das Unternehmen die gesamte Handelsspanne selbst behalte, könne es diesen Preis halten, lautete die Begründung. „Mimoa ist aus etwas Persönlichem entstanden“, sagte sie bei der Vorstellung. Die Kleidung sei für Frauen gedacht, die zwischen Training, Arbeit, Mutterschaft und Erholung wechseln, ohne ihre Garderobe zu wechseln. Der Start fiel mitten in die Weltmeisterschaft in Nordamerika, bei der Ronaldo mit Portugal an seinem sechsten Turnier teilnahm.

Wohltätigkeit abseits des Rampenlichts

Ihr karitatives Engagement ist weniger breit gefächert, als ältere Porträts von ihr nahelegten, dafür aber besser belegt. Seit 2017 ist sie mit der Fundación Nuevo Futuro verbunden, einer spanischen Organisation, die Kinder und Jugendliche unterstützt, die ohne ein stabiles familiäres Umfeld aufwachsen. Während der Covid-19-Pandemie spendete sie der Stiftung Masken und beteiligte sich an Spielzeugsammlungen und Aufklärungskampagnen über die fehlenden Chancen benachteiligter Kinder. Im August 2021 wurde sie für dieses Engagement bei der Starlite Gala in Marbella ausgezeichnet. Die Ehrung überreichten Antonio Banderas und Sandra García-Sanjuán – am selben Abend, an dem sie mit Beret sang.

Riad, ein Ring und eine Hochzeit in Cascais

Der Umzug nach Saudi-Arabien veränderte den Alltag der Familie stärker als jeder von Ronaldos Wechseln innerhalb Europas. Rodríguez ließ sich mit allen fünf Kindern in Riad nieder, teilte Ausflüge in die Wüste und in die Umgebung der Hauptstadt mit ihren Followern und sprach in Interviews über ihre Sorge, die Kinder aus ihrem gewohnten Umfeld zu reißen, und darüber, wie schnell sich die Familie eingelebt habe. Die dritte Staffel ihrer Serie war zu großen Teilen ein Porträt dieser Umstellung.

Am 11. August 2025 veröffentlichte sie nach fast zehn Jahren Beziehung ein Foto: Ein großer ovaler Diamant steckte an ihrem Ringfinger, der auf Ronaldos Hand ruhte. Dazu schrieb sie auf Spanisch: „Ja, ich will. In diesem und in all meinen Leben.“ Mit der Verlobung endeten jahrelange Spekulationen darüber, ob das Paar jemals heiraten würde. Ronaldo sagte später, die Hochzeit werde nach der Weltmeisterschaft 2026 stattfinden. Am 11. August 2026, genau ein Jahr nach der Verlobung, heiratete das Paar in einer privaten standesamtlichen Zeremonie in Cascais, der Küstenstadt westlich von Lissabon. Die fünf Kinder waren dabei. Tage zuvor hatten Gerüchte Menschenmengen zur Kathedrale von Funchal auf Madeira gelockt – dort heiratete dann allerdings ein anderes Paar.

Zehn Tage nach der Hochzeit berichteten portugiesische Medien, Rodríguez habe Ronaldos drei älteste Kinder, Cristiano Jr., Eva und Mateo, rechtlich adoptiert. Damit erhielt sie ihnen gegenüber dieselben Elternrechte wie ihr Vater. Für eine Frau, die sie schon großgezogen hatte, seit die Zwillinge Neugeborene waren, änderte die Adoption im Alltag wenig. Sie war die formelle Anerkennung dessen, wie die Familie seit Jahren bereits gelebt hatte.

Was der Name heute bedeutet

Rodríguez wurde im Januar 2026 32 Jahre alt. Für einen großen Teil der Welt ist sie nach wie vor zuerst Ronaldos Ehefrau, und sie hat nie so getan, als wäre das anders. Ihre Serie, ihr Laufstegauftritt in Paris und sogar ihr Verlobungsfoto nutzten seinen Ruhm als Rahmen. Verändert hat sich das Verhältnis. Inzwischen gibt es ein Werk, so uneinheitlich es auch sein mag, das aus ihren eigenen Entscheidungen hervorgegangen ist: eine von ihr produzierte Serie, ein Auftritt in Sanremo, zwei Modelabels, ein karitatives Engagement, das älter ist als die meisten ihrer Promi-Projekte, und seit diesem Sommer eine rechtliche Familienstruktur, die derjenigen entspricht, die sie praktisch schon lange aufrechterhielt.

Die nächste Bewährungsprobe ist die unspektakulärste. Mimoa ist ein Unternehmen mit einem klaren Preisversprechen, einer Lieferkette in der Türkei und ohne Sicherheitsnetz durch Großhandelspartner. Entscheidend werden Stammkunden sein, nicht Follower. Wenn die Marke sich behauptet, wird die Verkäuferin aus Jaca etwas geschafft haben, was nur wenigen Partnerinnen und Partnern berühmter Sportler gelingt: Sie hat aus geliehenem Rampenlicht ein Unternehmen gemacht, das auch ohne dieses bestehen könnte.

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