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Jordan Peele, der Sketch-Komiker, der mit einem Horrorfilm den Oscar gewann und ihn eine Dokumentation nannte

Penelope H. Fritz
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Jordan Peele
Jordan Peele
Photo: Kevin Edwards from Palo Alto / CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Geboren21. Februar 1979
New York City, New York, USA
BerufFilmregisseur, Drehbuchautor, Produzent und Komiker
Bekannt fürGet Out, A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando, Wir
AuszeichnungenOscar · Emmy · Peabody · Gotham Award for Breakthrough Director

Jordan Peele hat seit mehr als vier Jahren keinen Film mehr als Regisseur veröffentlicht, und Hollywood behandelt sein nächstes Werk trotzdem wie ein Großereignis. Universal hat einen Starttermin festgelegt und ihn später wieder gestrichen. Niemand außerhalb seines Umfelds kennt den Titel, die Handlung oder die Besetzung. In der Zwischenzeit taucht sein Name immer wieder über den Titeln von Filmen anderer auf – mal mit großem Erfolg, mal weniger –, und die Frage, die über seiner Karriere schwebt, ist drängender geworden: Ist „Jordan Peele“ ein Filmemacher oder inzwischen eine Marke, die sich andere Filmemacher ausleihen?

Für einen Mann, der eher durch die Hintertür zum Horror kam, ist das eine ungewöhnliche Lage. Den größten Teil seines Berufslebens war Peele Sketch-Comedian, eine Hälfte eines Comedy-Duos, das Prominente parodierte, pro Staffel Dutzende Figuren spielte und auf YouTube ein großes Publikum aufbaute. Dann drehte er einen kleinen Horrorfilm über einen Schwarzen, der die Eltern seiner weißen Freundin besucht, gewann dafür einen Academy Award für das Drehbuch und veränderte, was Studios für mögliche Themen eines Gruselfilms hielten. Die Komik verschwand nie. Sie lernte nur, sich im Grauen zu verstecken.

Ein Junge von der Upper West Side, der Puppenspiel studierte

Jordan Haworth Peele wurde am 21. Februar 1979 in New York City geboren und wuchs bei seiner Mutter Lucinda Williams an der Upper West Side von Manhattan auf. Seine Mutter ist weiß und stammt aus Maryland. Sein Vater, Hayward Peele Jr., war ein Afroamerikaner aus North Carolina. Peele sah ihn zuletzt, als er etwa sieben Jahre alt war; sein Vater starb 1999. Dass er als gemischtrassiger Junge aufwuchs und weitgehend ohne die väterliche Seite seiner Familie lebte, prägte später seine Art, über Rassismus zu schreiben: weniger als Parole denn als Alltagserfahrung, beobachtet, eingeordnet und missverstanden zu werden.

Mit einem Stipendium besuchte er die Calhoun School in Manhattan und machte dort 1997 seinen Abschluss. Am Sarah Lawrence College studierte er Puppenspiel – ein Detail, das wie ein Scherz klingt, bis man bemerkt, wie oft es in seinen späteren Arbeiten um Körper geht, die von jemand anderem kontrolliert werden. Nach zwei Jahren verließ er das College, um mit Rebecca Drysdale ein Comedy-Duo zu gründen, und wandte sich anschließend der Improvisation zu. Er trat mit Boom Chicago in Amsterdam und mit The Second City in Chicago auf – zwei der anspruchsvollsten Ausbildungsstätten für Live-Comedy.

MADtv und die lange Lehrzeit

2003 wurde Peele Mitglied des Ensembles von MADtv, der Sketch-Show des Senders Fox, und blieb fünf Staffeln lang dabei. Bekannt wurde er für seine Promi-Parodien, darunter Ja Rule, Flavor Flav und Morgan Freeman. Es war kontinuierliche Arbeit mit großer Sichtbarkeit, und sie lehrte ihn, wie schnell eine Figur auf dem Bildschirm erkennbar sein muss. Zugleich brachte sie ihn mit Keegan-Michael Key zusammen, einem Mitstreiter im Ensemble, dessen Timing zu seinem passte und der zum wichtigsten kreativen Partner seiner Karriere werden sollte.

Doch die Sendung hatte ihre Grenzen. Für die Art von Stoff, die Peele und Key schreiben wollten, blieb der Network-Sketch-Comedy der 2000er-Jahre nur wenig Raum: Material, das damit spielte, wie Schwarze Männer je nach Gesellschaft erwartungsgemäß sprechen und sich verhalten sollen. Als Peele MADtv 2008 verließ, hatte er eine klare Vorstellung von der Sendung, die er machen wollte – aber noch keinen Sender, der bereit war, sie ihm anzuvertrauen.

Key & Peele

Dieser Sender war schließlich Comedy Central. Key & Peele startete 2012 und lief bis 2015 über fünf Staffeln. Die Sketche erreichten weit über das Kabelfernsehen hinaus ein Publikum: Clips verbreiteten sich auf YouTube und in den sozialen Medien und erreichten auch Menschen, die den Sender nie eingeschaltet hatten. Peeles Barack-Obama-Imitation, in der Key als Luther, der „Übersetzer für den Zorn“ des Präsidenten, auftrat, wurde zu einem der prägenden politischen Sketche des Jahrzehnts. Der Witz: Ein ruhiger, besonnener Mann brauchte einen zweiten, der aussprach, was er wirklich dachte.

Die Sendung gewann einen Peabody Award und 2016 den Primetime Emmy Award als Outstanding Variety Sketch Series. Ihre besten Sketche waren oft kleine Horrorgeschichten voller Paranoia, Masken und Figuren, die in Rollen gefangen waren, aus denen sie nicht entkommen konnten. Rückblickend war das der deutlichste Vorgeschmack auf Peeles nächste Arbeit. 2016 übertrug das Duo seine Partnerschaft mit Keanu, einer Actionkomödie über zwei Männer, die ein gestohlenes Kätzchen suchen, auf die große Leinwand. In der ersten Staffel von Fargo waren die beiden außerdem gemeinsam als FBI-Agenten zu sehen.

Peele und Key beschlossen, die Sendung zu beenden, solange sie noch erfolgreich war. Peele wollte Regie führen – und zwar nicht bei einer Komödie.

Get Out und der Oscar

Get Out kam im Februar 2017 in die Kinos, nachdem der Film beim Sundance Film Festival Premiere gefeiert hatte. Im Mittelpunkt steht Chris, gespielt von Daniel Kaluuya, ein junger Schwarzer Fotograf, der die Eltern seiner weißen Freundin kennenlernen soll und allmählich erkennt, dass die liberale Herzlichkeit der Familie eine Falle ist. Der Film kostete rund 4,5 Millionen Dollar und spielte weltweit mehr als 255 Millionen ein – eine der profitabelsten Veröffentlichungen des Jahres.

Bei der Oscarverleihung im März 2018 wurde der Film für den besten Film, die beste Regie, den besten Hauptdarsteller für Kaluuya und das beste Originaldrehbuch nominiert. Peele gewann für das Drehbuch und war damit der erste afroamerikanische Autor, der in dieser Kategorie ausgezeichnet wurde. Time hatte ihn bereits 2017 zu einem der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres gekürt; bei den Gotham Awards erhielt er den Breakthrough Director Award.

Die Wirkung von Get Out beruhte auf seiner Präzision. Peele wusste, dass die Bösewichte seiner Geschichte nichts offen Feindseliges sagen würden. Der Schrecken lag in den Komplimenten, in der Neugier, im Großvater, der „gegen Jesse Owens verloren“ hatte, und in den Partygästen, die Chris‘ Körper bewunderten. Der „sunken place“, jener gelähmte Zustand, in dem Chris im eigenen Kopf gefangen ist, ging als Kurzform für das Verstummen bei gleichzeitiger äußerer Präsenz in die Alltagssprache ein.

„Get Out ist ein Dokumentarfilm“

Der Erfolg des Films löste eine Debatte darüber aus, was für ein Werk er eigentlich war. Als die Golden Globes Get Out in der Kategorie Komödie oder Musical einordneten, reagierte Peele mit einer kurzen öffentlichen Botschaft: „Get Out ist ein Dokumentarfilm.“ Das war ein Scherz und zugleich eine Richtigstellung. Er hatte Komik eingesetzt, um das Publikum so weit zu entspannen, dass es etwas erkennen konnte, das überhaupt nicht komisch war – und wollte nicht, dass das Ergebnis als Satire abgeheftet wurde.

Diese Spannung prägt seine Arbeit seither. Kritiker, die Get Out liebten, fanden seine späteren Filme mitunter schwerer zu entschlüsseln, und manche Zuschauer ärgerten sich darüber, dass sie sie wie Rätsel lösen sollten. Peele hat seine Metaphern in der Öffentlichkeit nur selten erklärt. Er sagt, er lasse sein Publikum lieber im Streitgespräch aus dem Kino gehen, und seine Filme sind darauf angelegt, bei einer zweiten Sichtung mehr herzugeben als bei der ersten. Der Preis dafür ist, dass jede neue Veröffentlichung an der konzentrierten Klarheit der einen großen Idee seines Debüts gemessen wird – einem Maßstab, den er selbst offenbar immer weniger wiederholen möchte.

Us und Nope

Us kam im März 2019 in die Kinos. Lupita Nyong‚o spielt Adelaide Wilson, eine Mutter, deren Familienurlaub in Santa Cruz von einer Familie aus Doppelgängern unterbrochen wird, die rote Overalls tragen und goldene Scheren bei sich haben. Nyong’o spielte sowohl Adelaide als auch ihr Gegenstück Red – mit einer angestrengten, kratzenden Stimme, die zu einer der meistdiskutierten Darbietungen des Jahres wurde. Der Film legte das größte Startwochenende hin, das je für einen originären Horrorfilm verzeichnet worden war, und spielte weltweit mehr als 250 Millionen Dollar ein. Sein Thema war umfassender und weniger eng gefasst als das von Get Out: eine ganze Unterschicht, die unter dem Land lebt und das Leben der Menschen darüber nachahmt, ohne je daran teilzuhaben.

Im Juli 2022 folgte Nope mit Daniel Kaluuya, Keke Palmer und Steven Yeun. Auf den ersten Blick ist es ein UFO-Film, der auf einer angeschlagenen Pferderanch im Landesinneren Kaliforniens spielt. Im Kern handelt er von Spektakel, von Menschen, die das Unmögliche filmen und verkaufen wollen, und von den Tieren und Darstellern, die die Unterhaltungsindustrie ausbeutet. Die verstörendste Sequenz – ein Rückblick auf die Kulissen einer Sitcom, wo ein Schimpanse das Ensemble angreift – hat kaum eine Verbindung zur Haupthandlung. Für die Bewunderer des Films war genau das der Punkt, für seine Kritiker das Problem. Nope spaltete die Kritiker stärker als seine ersten beiden Filme und hat seitdem als Porträt von Hollywoods unstillbarem Appetit an Ansehen gewonnen.

YouTube Video

Monkeypaw und der Name des Produzenten

2012 gründete Peele seine Produktionsfirma Monkeypaw Productions, die sich zu einem zweiten Standbein entwickelt hat. Monkeypaw produzierte Spike Lees BlacKkKlansman, für den Peele eine Oscar-Nominierung als Produzent für den besten Film erhielt, sowie 2021 Candyman, dessen Drehbuch er mitschrieb und bei dem Nia DaCosta Regie führte. Für das Fernsehen produzierte die Firma Lovecraft Country für HBO, Hunters für Amazon, The Last O.G. und eine Neuauflage von The Twilight Zone, die Peele moderierte – in der Rolle, die zuvor Rod Serling innehatte. 2022 schrieb er gemeinsam mit anderen am Drehbuch zu Henry Selicks Stop-Motion-Film Wendell & Wild, produzierte ihn und sprach darin eine Figur. In der Besetzung der Synchronstimmen kam er erneut mit Key zusammen.

Die Firma unterstützte auch Monkey Man, Dev Patels Regiedebüt im Actiongenre, das Monkeypaw 2024 mit in die Kinos brachte. Im September 2025 folgte Him, ein Football-Horrorfilm unter der Regie von Justin Tipping mit Marlon Wayans als legendärem Quarterback und Tyriq Withers als seinem jungen Schützling. Him wurde stark mit Peeles Namen beworben, erhielt überwiegend negative Kritiken und schwache Publikumsbewertungen und spielte bei einem Budget von rund 27 Millionen Dollar etwa 28 Millionen ein. Später fand der Film beim Streaming ein größeres Publikum. Der Kinostart warf jedoch eine Frage auf, die Peeles Erfolg bis dahin vertagt hatte: Wie viel Gewicht kann ein Produzenten-Credit haben, wenn jemand anderes Regie führt?

Im Mai 2026 entließ Monkeypaw drei Mitglieder seines Entwicklungsteams; übrig blieb eine Belegschaft von vier Personen. Medienberichten zufolge wollte Peele stärker in die Entwicklung der Projekte des Unternehmens eingebunden sein – und eine kleinere, persönlichere Firma aufbauen, die sich auf weniger Filme konzentriert.

Die Stimme, das Buch und der falsche Obama

Nach Get Out zog sich Peele weitgehend von Auftritten vor der Kamera zurück. 2018 sagte er, die Schauspielerei mache ihm nicht annähernd so viel Spaß wie die Regie. Als Sprecher war er jedoch weiterhin aktiv. In Toy Story 4 sprach er Bunny, den Plüschpreis vom Jahrmarkt, an der Seite von Keys Ducky; außerdem lieh er Figuren in Storks, Captain Underpants: The First Epic Movie und der Animationsserie Big Mouth seine Stimme. 2018 stellte er seine Obama-Stimme für ein gemeinsam mit BuzzFeed produziertes Informationsvideo zur Verfügung, in dem mithilfe künstlicher Intelligenz dem ehemaligen Präsidenten Worte in den Mund gelegt wurden – eine frühe, vielfach geteilte Warnung vor Deepfakes.

2023 gab er Out There Screaming heraus, eine Anthologie neuer Horror-Kurzgeschichten Schwarzer Autorinnen und Autoren, die er gemeinsam mit John Joseph Adams zusammengestellt hatte. Außerdem wurde er als Mitwirkender an OD genannt, dem Horrorspiel, das Hideo Kojima 2023 bei The Game Awards ankündigte.

Privatleben

Peele ist mit der Komikerin und Schauspielerin Chelsea Peretti verheiratet, die aus Brooklyn Nine-Nine bekannt ist. Das Paar gab seine Verlobung im November 2015 bekannt und heiratete im April 2016 heimlich. Ihr Sohn kam 2017 zur Welt. Peele hält sein Familienleben weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus.

Wie es weitergeht

Sein vierter Film als Regisseur war zunächst für Weihnachten 2024 angesetzt, wurde dann auf den 23. Oktober 2026 verschoben und im September 2025 schließlich ohne neuen Termin aus dem Startkalender von Universal gestrichen. Peele hält Titel und Handlung geheim; nach dem letzten öffentlichen Stand hatten die Dreharbeiten noch nicht begonnen. Er hat das Projekt als einen Film beschrieben, der zu seinem Lieblingsfilm werden könnte, wenn er ihm gelingt.

Monkeypaw entwickelt unterdessen weitere Filme, darunter Suicide by Sunlight, eine Langfilmfassung von Nikyatu Jusūs Kurzfilm über Schwarze Vampire, deren Melanin sie vor der Sonne schützt, und Sinkhole, ein Drama mit Issa Rae über eine Familie, die in ein Haus zieht, in dessen Hinterhof sich ein Loch befindet, das alles repariert, was hineinfällt. Auch ein Remake von The People Under the Stairs war in Entwicklung. Keines dieser Projekte steht unter dem Druck des Films, den Peele selbst vorbereitet.

Dieser Druck ist der Preis für das, was er erreicht hat. Ein Sketch-Comedian machte aus drei originären Horrorfilmen mehr als 650 Millionen Dollar an den Kinokassen und gewann einen Oscar – ohne dass darunter ein Franchise oder Remake war. Der nächste Film wird zeigen, ob er ein Publikum noch überraschen kann, das inzwischen erwartet, von ihm überrascht zu werden.

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