Kino

Mayu Hotta spielte die Schwester, die Dienerin, die Shogunin und jetzt die Witwe

Penelope H. Fritz
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Mayu Hotta
Mayu Hotta
Photo: Dick Thomas Johnson from Tokyo, Japan / CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Geboren2. April 1998
Shiga Prefecture, Japan
BerufSchauspielerin
Bekannt fürRurouni Kenshin: The Beginning
AuszeichnungenYokohama Film Festival Best Newcomer · Elan d'Or Award, Newcomer of the Year · Oscar

Das NHK-Morgendrama Blossom läuft bereits, und in der jüngsten Besetzungsankündigung ist Mayu Hotta nicht die Hauptdarstellerin. Sie spielt Sayoko Mori, eine Schriftstellerin, die der Romanautorin Fumiko Hayashi nachempfunden ist und zu den Weggefährtinnen gehört, die Shizuka Ishibashis Protagonistin dazu bringen, ihr eigenes Schreiben ernst zu nehmen. Es ist ihr drittes Morgendrama – und wieder steht sie nicht im Zentrum der Geschichte. Wer ihre Karriere verfolgt hat, wird das nicht als Rückstufung verstehen. Bei Hotta ist die zweite Reihe beinahe zur Methode geworden.

Diese Entwicklung begann mit einem Terminkonflikt. Hotta schaffte es bis in die letzte Runde des Castings für die Hauptrolle in Warotenka, einer NHK-Morgendramaserie, musste aber absagen, weil sich die Drehtage mit einem Film überschnitten, in dem sie die Hauptrolle spielte. NHK meldete sich erneut und bot ihr die Rolle von Rin an, der jüngeren Schwester der Heldin, an der Seite von Wakana Aoi. „Am frustrierendsten war, dass ich es gar nicht versuchen durfte“, sagte sie später. Zugleich fügte sie hinzu, dass es mit daran liege, dass sie heute dort sei, wo sie ist.

Zu diesem Casting war sie aus der Präfektur Shiga östlich von Kyoto angereist. Dort wurde sie am 2. April 1998 geboren und nahm ab ihrem sechsten Lebensjahr etwa zehn Jahre lang klassischen Ballettunterricht. Dem Ballett verdankt sie nach eigenen Worten ihre Ausdruckskraft, auf die sie bis heute zurückgreift, und ihre hartnäckige Abneigung gegen das Verlieren. Der Entschluss, Schauspielerin zu werden, fiel in der Mittelschule, nachdem sie die Realverfilmung von Rurouni Kenshin gesehen hatte. 2014 erreichte sie die Schlussrunde des Castings für den Film Solomon’s Perjury, ging jedoch leer aus. Im selben Jahr gewann sie beim Casting-Festival der Talentagentur Amuse den WOWOW Drama Award. Das führte zu ihrem Debüt in der WOWOW-Serie Themis‘ Sentence.

In den folgenden Jahren standen Manga-Verfilmungen und eine ganz bestimmte Art von Rolle im Mittelpunkt. In Hayato Kawaiis Kaguya-sama: Love Is War und der Fortsetzung Kaguya-sama Final: Love Is War spielte sie an der Seite von Sho Hirano und Kanna Hashimoto Ai Hayasaka, die Zofe der Hauptfigur, die spioniert, Intrigen schmiedet und auf Kommando ihre Identität wechselt. In Nippon TVs Mr. Hiiragi’s Homeroom war sie eine der Schülerinnen, die ihr Lehrer als Geiseln nahm. Dann folgte eine Rolle mit persönlicher Vorgeschichte: In Keishi Ōtomos Rurouni Kenshin: The Beginning spielte sie Ikumatsu an der Seite von Takeru Satoh – und damit in jener Filmreihe, die ursprünglich ihren Wunsch geweckt hatte, Schauspielerin zu werden.

Das historische Drama veränderte, wie die Branche sie wahrnahm. In Kōki Mitanis Taiga-Serie The 13 Lords of the Shogun stieß sie mitten in der Staffel als Hina dazu, die zweite Ehefrau von Shun Oguris Hōjō Yoshitoki, einem Protagonisten, der von Folge zu Folge härter wird. Im Jahr darauf stellte NHK sie ins Zentrum einer Geschichte. In Ooku: The Inner Chambers, Fumi Yoshinagas alternativem Edo, in dem eine Seuche die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern umgekehrt hat, spielte Hotta Tokugawa Iemitsu: eine junge Frau, die gezwungen ist, unter dem Namen eines toten Mannes zu herrschen. Ihr Gegenüber war Sota Fukushi. Ein großer Teil des Publikums sah dabei zum ersten Mal, was Hotta mit einer Wut anfangen kann, die sie hinter den Regeln des Hofes verbirgt.

Die Anerkennung ließ nicht lange auf sich warten. Tsugaru Lacquer Girl, Keiko Tsuruokas ruhiger Film über eine Tochter, die von ihrem Vater, einem Lackhandwerker, das Handwerk erlernt, bescherte ihr ihre erste Hauptrolle im Kino. Ihr Filmpartner Kaoru Kobayashi spielte den Vater. Hotta erhielt dafür beim Yokohama Film Festival den Preis als beste Nachwuchsdarstellerin. In derselben Saison folgte ein Elan d’Or als Nachwuchstalent. Anschließend besetzte TBS sie in Antihero, dem juristischen Thriller am Sonntagabend mit Hiroki Hasegawa in der Hauptrolle: Sie spielte Asuka Shinomiya, die junge Anwältin an seiner Seite. Für diese Rolle gewann sie den Television Drama Academy Award als beste Nebendarstellerin.

Hier wird die Geschichte weniger geradlinig. Für einen großen Teil der japanischen Öffentlichkeit war Hotta zunächst ein vertrautes Gesicht und erst danach eine Schauspielerin: fünf Jahre lang war sie Exklusivmodel des Modemagazins non-no, dazu kamen Werbeverträge für alles von Eiscreme und Bier bis hin zu einem Brautmagazin und einer Eisenbahngesellschaft – eine Liste, um die sie viele Hauptdarstellerinnen beneiden dürften. In Japan gibt es eine lange Tradition von „CM-Queens“, deren Schauspielkarrieren sich um ihre Werbeverträge herum entwickeln. Auch die Hauptrollen, die Hotta im Fernsehen übernommen hat, etwa in romantischen Serien und Familiendramen wie Every Precious Moment und Colors of Sisterhood, sind meist ohne großes Aufsehen gekommen und wieder verschwunden. Die stärkste Resonanz erhält sie weiterhin mit Nebenrollen. Ob das an einer Branche liegt, die eine Hauptdarstellerin immer wieder in die zweite Reihe stellt, oder daran, dass Hotta ihre größte Stärke an der Seite der Heldin entfaltet – in ihrer Filmografie ist diese Frage noch offen. Hotta selbst hat das Problem so beschrieben: Früher habe sie sich so sehr darauf konzentriert, ihre Texte korrekt aufzusagen, dass sie „vergessen habe, mit dem Herzen zu spielen“. Heute entwickle sie ihre Figuren aus den Seiten heraus, die niemand zu sehen bekommt: aus dem Schmerz, den sie mit sich tragen, und ihrer Angst vor dem, was als Nächstes kommt.

Das vergangene Jahr war ungewöhnlich dicht gefüllt. Anfang 2025 stieß sie zu TBS’ Mr. Mikami’s Classroom, im Sommer übernahm sie eine Rolle in dem juristischen Schuld drama School Lawyer, nach fünf Jahren verließ sie non-no und ab Oktober 2025 moderierte sie gemeinsam mit Koji Imada Nippon TVs Reisemagazin Another Sky. Mit der Sendung vom 26. September 2026 verabschiedete sie sich daraus. Auf dem Bildschirm brachte 2026 ein NHK-Special aus dem Universum von Thus Spoke Kishibe Rohan, Nippon TVs Sommermystery Ichijigen no Sashiki sowie die Filme Kimi no Quiz und I Don’t Know You.

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Der größte dieser Filme startete am 18. September. In The Village of Eight Gravestones, Takashi Shimizus neuer Verfilmung des Romans von Seishi Yokomizo mit Matsuya Onoe als Detektiv Kosuke Kindaichi, spielt Hotta Miyako Mori: die schöne Witwe, die den jungen Erben in das verfluchte Dorf führt. Es ist eine der aufgeladensten Frauenrollen in Yokomizos Werk, und frühere Verfilmungen machten Miyako zum düsteren Zentrum der Geschichte. Der Film wurde für das Festival von Sitges in Katalonien ausgewählt.

Hotta hat auch beschrieben, wie sich ihr Blick auf den Beruf verändert hat. Ein Auslandsurlaub rund um ihr zehnjähriges Karrierejubiläum habe ihr gezeigt, sagte sie, dass „sich auszuruhen nicht dasselbe ist wie stehen zu bleiben“ – und dass sie nicht für die Arbeit lebe, sondern arbeite, weil sie ein Leben habe.

Der Terminkalender bleibt voll. Am 13. November startet bei Prime Video Glico With Landmines, die Verfilmung des preisgekrönten Romans über ein geistreiches Kräftemessen von Yugo Aosaki, mit Nana Mori und Aju Makita in den Hauptrollen und Hotta als Esora Ukita. Am 11. Februar 2027 leiht sie der Hauptfigur des Animationsfilms ghost/end of night ihre Stimme. Und an sechs Morgen pro Woche wartet irgendwo in Blossom eine Schriftstellerin nach dem Vorbild von Fumiko Hayashi darauf, mit der Heldin eine Szene zu teilen. Nach allem, was Hotta derzeit zeigt, ist das vielleicht der beste Platz im Haus.

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