Fußball

WM 2026, Gruppe E: Deutschland Favorit — Curaçao ist einfach da

Jack T. Taylor

Das Bedeutsamste in Gruppe E wurde nicht von Deutschland entschieden. Es wurde von Curaçao entschieden. Die karibische Insel mit 150.000 Einwohnern absolvierte ihre CONCACAF-Qualifikation ohne eine einzige Niederlage — zehn Spiele, sieben Siege, drei Unentschieden — und wurde damit zur kleinsten Nation der Geschichte, die eine WM-Endrunde erreicht hat. Deutschland wird favorisiert, die Gruppe anzuführen. Das stand nicht in Frage. Die Frage ist, was zwischen dem viermaligen Weltmeister und der Insel passiert.

Photo: Granada / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons — https://commons.wikimedia.org/wiki/File:20180602_FIFA_Friendly_Match_Austria_vs._Germany_Team_Germany_850_0740.jpg

Was passiert: Ecuador und die Elfenbeinküste streiten mit echten Argumenten um den zweiten Platz. Und Curaçao bestreitet alle drei Gruppenspiele auf der größten Bühne, die der karibische Fußball je gesehen hat.

Deutschlands Maschine

Julian Nagelsmanns Deutschland hat in zwei Jahren einen Widerspruch aufgelöst. Die alte deutsche Gewissheit — starre Struktur, physische Dominanz, erdrückende Kontrolle — ist Geschichte. Was Nagelsmann an ihre Stelle gesetzt hat, ist interessanter und im falschen Spiel anfälliger: ein 4-2-3-1, das im Ballbesitz zu einem 4-3-3 wird, Gegenpressing als Wirbelsäule, kreative Freiheit für Spieler, die 2014 noch zu jung waren.

Jamal Musiala kehrte vom Beinbruch beim Klub-WM des Vorjahres zurück, in einem Formstand, der ihn zu einem der zwei oder drei gefährlichsten Spieler des Turniers macht. Florian Wirtz agiert neben ihm, das Duo rotiert in denselben Räumen, Abwehrreihen werden ohne erkennbaren Anlass aufgerissen. Deniz Undav beendete die Bundesliga-Saison mit 19 Toren. Joshua Kimmich spielt rechts hinten — eine Lösung, die vor fünf Jahren absurd erschienen wäre und heute strukturell entscheidend wirkt: seine Passqualität macht Deutschland de facto zu einer Dreiermittelfeldreihe. Manuel Neuer kehrte im letzten Kader zurück.

Deutschland qualifizierte sich mit fünf Siegen aus sechs Spielen. Der erste Gruppenplatz ist der Minimalanspruch. Nagelsmann hat nicht über die Gruppenphase als Ziel gesprochen.

Der Kampf um Platz zwei

Ecuador reiste mit Sebastián Beccacece an — im August 2024 verpflichtet, Identität schnell aufgebaut — und einem 4-4-2, das Stabilität über alles stellt. Moisés Caicedo organisiert das Mittelfeld im Chelsea-Tempo. Willian Pacho bei Paris Saint-Germain, Pervis Estupiñán bei Milan, Piero Hincapié bei Arsenal — Ecuador stellt eines der am besten in europäischen Topklubs vertretenen südamerikanischen Aufgebote. Enner Valencia, der Veteran bei Pachuca, bleibt der emotionale Anker.

Die Elfenbeinküste kommt als amtierender Afrika-Cup-Sieger — der Titel wurde 2024 im eigenen Land gewonnen —, mit einem Marktwert von über 515 Millionen Euro, dem höchsten aller afrikanischen Teams, und einer CAF-Qualifikation ohne Niederlage bei einem Torverhältnis von plus 25. Emerse Faés Elefanten stellten die stärkste afrikanische Qualifikationsleistung.

Franck Kessié überschritt die 100-Länderspielmarke als Kapitän. Ibrahim Sangaré liefert das Laufspiel im Mittelfeld. Amad Diallo bringt Tempo über außen. Das auffälligste Fehlen ist Sébastien Haller. Das Spiel beider Teams am 14. Juni in Philadelphia wird mit großer Wahrscheinlichkeit den zweiten Gruppenplatz vorentscheiden.

Curaçao

Dick Advocaat ist 78 Jahre alt. Bei der WM in Nordamerika wird er zum ältesten Cheftrainer der Turniergeschichte. Er führte Curaçao durch zehn Qualifikationsspiele ohne Niederlage — 28 Tore erzielt, fünf kassiert. Eine Insel mit 443 Quadratkilometern schlug Islands langjährigen Rekord als kleinste Nation bei einer WM-Endrunde. Um 200.000 Einwohner.

Leandro Bacuna, Kapitän, absolvierte jeweils über hundert Ligaspiele bei Aston Villa und Cardiff City. Sein jüngerer Bruder Juninho Bacuna traf in der Qualifikation 13 Mal. Eloy Room, 71 Länderspiele, hält das Tor. Profifußballer, die eine Qualifikation ablieferten, die für eine dreimal so große Auswahl respektabel gewesen wäre.

Deutschland wird die Gruppe anführen. Das stärkste Argument für Platz zwei gehört der Elfenbeinküste — mehr individuelle Qualität, nahezu perfekte CAF-Qualifikation. Ecuadors Systemstabilität macht die Rechnung dennoch kompliziert genug, dass das 14-Juni-Spiel in Philadelphia als das eigentliche Gruppenfinale gilt. Und Curaçao — das mit der Qualifikation bereits Geschichte geschrieben hat — bestreitet alle drei Spiele auf der größten Bühne seines Sports. Im Fußball ist das Ankommen erst der Anfang.

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