Fußball

WM 2026, Gruppe K: Portugal als Favorit — Diaz macht Kolumbien zur ernsthaften Herausforderung für Platz zwei

Jack T. Taylor

Sechs Weltmeisterschaften sind keine Statistik mehr. Sie sind ein Kapitel für sich. Cristiano Ronaldo, 41 Jahre alt, ist die letzte noch aktive Figur aus dem generationsübergreifenden Duell, das den Fußball zwei Jahrzehnte lang geprägt hat — Messis Kapitel schloss sich in Katar. Seine Anwesenheit in Gruppe K verleiht dieser Gruppe eine Dimension, die FIFA-Rankings allein nicht erklären. Portugal hat die Nations League mit diesem Kader gewonnen, unter Roberto Martínez eine klare taktische Identität entwickelt und reist als klarer Favorit an. Die Frage lautet nicht, ob sie weiterkommen. Die Frage lautet, wer mit ihnen weiterkommen wird.

Diese Frage gehört Kolumbien.

Portugal: Martínez‘ System

Der portugiesische Kader verfügt im Mittelfeld über eine Qualität, die in Gruppe K keine echte Entsprechung findet. João Neves, Vitinha und Bernardo Silva ermöglichen Raumkontrolle ohne Umschaltprobleme. Bruno Fernandes — als bester Spieler der Premier League ausgezeichnet — ist der Dreh- und Angelpunkt im Angriffsspiel. Das 4-2-3-1 weitet sich mit Ball auf ein 3-2-5 aus und überschwemmt die Halbräume mit Läufen aus der zweiten Reihe.

Ronaldo ist nicht mehr der Motor des portugiesischen Aufbauspiels. Er ist dessen Abschluss. Was er bewahrt hat — dokumentiert über 21 Jahre auf höchstem Niveau —, ist der Instinkt für gefährliche Räume und eine Kaltschnäuzigkeit, die es kostet, ihn unbewacht zu lassen. Die strukturelle Unsicherheit Portugals ist Rúben Dias: Eine Muskelverletzung im März wirft Fragen zur Verfügbarkeit auf. Mit ihm ist die portugiesische Abwehr eine der stärksten des Turniers. Trotzdem: Portugal gewinnt diese Gruppe.

Kolumbien: der Anwärter auf Platz zwei

Néstor Lorenzos Mannschaft war nicht in Katar — und trägt dieses Wissen mit sich. Luis Díaz beendete die Saison bei Bayern München mit 49 direkten Torbeteiligungen in 51 Spielen. Er erzielte sieben WM-Qualifikationstore, eines weniger als Messi. Er ist 27 Jahre alt und spielt den besten Fußball seiner Karriere.

James Rodríguez bestreitet bei 34 Jahren seine dritte WM. Sein Rhythmus beim Minnesota United wirft Fragen auf. Doch was James im Turnierfußball leistet, ist keine Explosivität — es ist Spielverständnis und Passspiel auf einem Niveau, das auch ohne konstante Spielpraxis funktioniert. Dahinter bilden Jefferson Lerma und Richard Ríos die Defensivstruktur, die nur 15 Gegentore in 18 Qualifikationsspielen zuließ. Wenn diese Stabilität hält, reicht Kolumbiens Angriffsqualität für das Achtelfinale. Das Auftaktspiel gegen Usbekistan in Mexiko-Stadt ist das entscheidende Spiel vor dem Gruppenfinale.

DR Kongo: die Rückkehr nach 52 Jahren

Die letzte WM-Teilnahme der Demokratischen Republik Kongo — damals Zaire — war 1974. Der Weg zurück führte über drei Playoff-Siege: Chancel Mbemba traf gegen Kamerun, verwandelte den entscheidenden Elfmeter gegen Nigeria, dann erzielte Axel Tuanzebe den Treffer in der 100. Minute gegen Jamaika. Mbemba, 107 Länderspiele, ist Kapitän und emotionaler Kern dieser Mannschaft. Aaron Wan-Bissaka und Yoane Wissa bringen Premier-League-Erfahrung. Das Spiel gegen Usbekistan in Atlanta ist ihr Ziel.

Usbekistan: das Debüt

Usbekistan war noch nie bei einer Weltmeisterschaft. Fabio Cannavaro, Weltmeisterschaftskapitän Italiens 2006, setzt auf ein 3-4-2-1 mit defensiver Disziplin und Konterangriffen von Eldor Shomurodov. Abdukodir Khusanov bei Manchester City verkörpert das europäische Niveau des Kaders. Das Abschlussspiel gegen DR Kongo wird zeigen, wie weit der zentralasiatische Fußball wirklich angekommen ist.

Das Fazit

Portugal steht am Ende oben. Die Nations League, die Kaderstärke und Martínez‘ Klarheit verschwinden nicht in Houston. Der echte Kampf ist Kolumbien in Mexiko-Stadt, solide durch Guadalajara und mit klarer Ausgangslage nach Miami. Díaz und Lorenzo machen Kolumbien zur logischen Wahl für Platz zwei. Ein Patzer gegen Usbekistan im Auftaktspiel, und die Gruppe öffnet sich.

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