Fußball

WM 2026, Gruppe F: Niederlande als Favorit — Japan widerspricht

Jack T. Taylor

Ronald Koeman hat die Niederlande zwei Jahre lang Geduld gelehrt. Nicht Schönheit — Geduld. Virgil van Dijk sichert die Abwehrkette, Tijjani Reijnders schirmt den Raum davor ab, und Oranje kontrolliert das Spielgeschehen durch das, was sie verhindern. Kein Totaler Fußball — das hat Koeman selbst bestätigt. Etwas Berechnenderes: eine Mannschaft, die weiß, dass sie nicht zu brechen ist, und den Gegner einlädt, es zu versuchen.

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Hajime Moriyasus Japan kommt mit einem anderen Anspruch. Die Blauen Samurai besiegten England im Frühjahrsspiel mit einem Tor zu null und hielten Schottland ebenso aus. Sie reisen nach Texas nicht in der Hoffnung, mithalten zu können — sie erwarten es.

Der Favorit und seine Lücken

Die Niederlande schlossen ihre UEFA-Qualifikationsgruppe mit siebenundzwanzig Toren und einer Tordifferenz von plus dreiundzwanzig ab. Koemans Team war effizient, organisiert und schwer zu überspielen. Van Dijk führt als Kapitän mit vierunddreißig Jahren die Abwehr an und bleibt der überlegteste Defensivspieler dieses Turniers: Er gewinnt das Duell im Kopf, bevor der Angreifer sich entschieden hat.

Die bedeutendste Verletzung: Xavi Simons erlitt im April einen Kreuzbandriss und fehlt im gesamten Turnier. Simons war das unberechenbarste kreative Element in den Kontern der Niederlande. Frenkie de Jong übernimmt eine zentralere Koordinationsrolle. Reijnders, exzellent beim AC Milan, wird zum Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff. Cody Gakpo bei Liverpool bringt einen Außenspieler, der spät in den Strafraum einläuft; Memphis Depay, nach muskulären Problemen wieder fit, bietet Erfahrung von der Bank.

Koeman räumte vor dem Turnier ein, dass er bei der Hitze in Texas keinen Totalen Fußball erwartet. Der Plan: strukturiert, kompakt, auf Gegenstoß ausgerichtet. Gegen ein diszipliniertes Defensivbündel können die Niederlande schwerfällig wirken. Genau das plant Japan zu sein.

Japan und der Anspruch auf Platz eins

Zweiundzwanzig von Moriyasus Spielern sind in Europa aktiv — mehrere bei Spitzenklubs der stärksten Ligen. Takefusa Kubo bei Real Sociedad ist der kreative Dreh- und Angelpunkt: fünfundzwanzig Jahre alt, fünfzig Länderspiele, ein Dribbler, der die Richtung mit Fingerhut-Präzision wechselt. Wataru Endo führt als Kapitän aus der Defensivmitte. Ritsu Doan bei Eintracht Frankfurt und Ayase Ueda bei Feyenoord geben Japan eine direkte Bedrohung hinter die Abwehrketten.

Kaoru Mitoma, Brightons Außenspieler und Japans gefährlichste Option auf dem Flügel, fehlt verletzungsbedingt. Ohne ihn agieren Kubo und Doan stärker durch die Mitte — passend zum japanischen Stil, wenn auch auf Kosten der Breite im Angriff.

Was Moriyasu aufgebaut hat, ist eine Mannschaft, die sich schneller anpasst als der Gegner planen kann. Die Frühjahrsspiele gegen England und Schottland bestätigen: Dies ist kein Zufallsteam. Japan wird sich gegen die Niederlande tief einigeln, den Raum um Gakpo und Reijnders verdichten und auf den Fehler warten, der den Konter auslöst.

Schwedens Einmann-Wette

Viktor Gyökeres trägt ein ganzes Land. Schweden qualifizierte sich über die Playoffs nach einer Gruppenphase mit nur zwei Punkten. Graham Potter, im Oktober verpflichtet, um das Beste daraus zu machen, stützt sich auf einen Kader, dessen Stärke im Wesentlichen von einem Spieler kommt. Gyökeres erzielte einen Hattrick gegen die Ukraine und den Siegtreffer gegen Polen. Bei Arsenal traf er in der Saison 2025/26 neunzehnmal. Alexander Isak — technisch das vollständigere Profil — absolvierte wegen Verletzungen nur acht Ligaspiele für Liverpool. Kommt er fit, ist Schweden eine andere Mannschaft.

Tunesien und die Frage der Zu-Null-Stabilität

Tunesien blieb in allen zehn Qualifikationsspielen ohne Gegentor. Sabri Lamouchi führt eine Mannschaft, die kompakt verteidigt und die noch nie die Gruppenphase bei einer WM überstanden hat — in sieben Teilnahmen. Gruppe F ist die bisher beste Chance. Ellyes Skhiri, Kapitän aus der Eintracht-Frankfurt-Schule, führt das Mittelfeld. Die entscheidende Frage: Hält die Defensivstruktur über neunzig Minuten gegen ballzirkulierende Teams stand — und kann Tunesiens Angriff die sich ergebenden Chancen verwerten?

Der Weg ins Achtelfinale

Die Niederlande sollten sich qualifizieren. Japan wahrscheinlich ebenfalls. Die Gruppe ist enger als die Ranglisten vermuten lassen — und ob Moriyasus Mannschaft die Niederländer auf Platz zwei verdrängen kann, ist das Argument, das diese Gruppe sehenswert macht.

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