Wirtschaft und Finanzen

Boeing verliert 697 Millionen Dollar mit Passagierjets, die 737 MAX 10 ist endlich zugelassen

Ein Rekord-Auftragsbestand von 745 Milliarden Dollar und 1.555 Bestellungen für die MAX 10 stehen einer Verkehrsflugzeugsparte mit minus 6,5 Prozent operativer Marge gegenüber
Victor Maslow
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Boeing hat endlich die Zulassung für das größte Mitglied seiner MAX-Familie von Kurz- und Mittelstreckenjets erhalten – ein Flugzeug, auf das die Airlines seit Jahren warten. Doch die Sparte, die die Passagiermaschinen baut, schreibt weiter Verluste. Aus den Geschäftszahlen des Konzerns geht hervor, dass das Verkehrsflugzeuggeschäft wieder rote Zahlen verbucht, während der Auftragsbestand zugleich so groß ist wie nie zuvor.

Diese Lücke ist für alle relevant, die einen Flug buchen. Fluggesellschaften von United Airlines bis Ryanair haben ihre Wachstumspläne auf Boeing-Jets gestützt, deren Auslieferung sich immer wieder verzögert. Jedes weitere Jahr des Wartens bedeutet weniger neue Sitzplätze in der Luft und weniger Druck auf die Flugpreise.

Rekord-Auftragsbestand, aber weiter Verluste

Boeing Commercial Airplanes verzeichnete im dritten Quartal einen operativen Verlust von 697 Millionen Dollar. Die operative Marge lag bei minus 6,5 Prozent, während der Umsatz um 3 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar sank. Die Sparte lieferte 161 Jets aus – einen mehr als im Vorjahreszeitraum. Boeing führte das Ergebnis auf einen ungünstigeren Auslieferungsmix, höhere prognostizierte Kosten im Zusammenhang mit künftigen Änderungen der Produktionsraten und gestiegene geschätzte Kosten in der Lieferkette zurück.

Im Gesamtkonzern stieg der Umsatz um 4 Prozent auf 24,2 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust verringerte sich auf 116 Millionen Dollar, verglichen mit 5,3 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum, als eine Belastung durch die verspätete 777X, ein Großraumflugzeug, das Quartal tief ins Minus gezogen hatte. An mangelnder Nachfrage liegt es nicht: Der Auftragsbestand erreichte mit 745 Milliarden Dollar einen Rekordwert. Darin enthalten sind mehr als 6.300 Verkehrsflugzeuge im Wert von 612 Milliarden Dollar. Die Sparte verbuchte 300 Nettoaufträge von Fluggesellschaften, darunter Turkish Airlines, Ethiopian Airlines und Lufthansa. Selbst bei dem angestrebten Produktionstempo von 47 737ern und acht 787ern pro Monat würde eine einfache Rechnung zeigen, dass der Auftragsstau fast ein Jahrzehnt reicht.

Warum die 737 MAX 10 für Passagiere wichtig ist

Die MAX 10 ist die verlängerte Version der Familie und bietet Platz für bis zu 230 Passagiere. Sie ist Boeings Antwort auf den Airbus A321neo. Nach Angaben des Unternehmens liegen 1.555 Bestellungen für das Modell von mehr als 30 Kunden vor – mehr als 30 Prozent aller noch offenen MAX-Aufträge. Zu den Käufern zählen United, Delta Air Lines, American Airlines, Alaska Airlines und Ryanair. Boeing zufolge hat die Maschine die niedrigsten Betriebskosten pro Sitzplatz aller derzeit eingesetzten Kurz- und Mittelstreckenjets. Das Verkaufsargument: mehr Sitze bei demselben Start- und Landefenster und mit denselben zwei Piloten.

Ursprünglich sollte der Jet 2020 in den Liniendienst gehen. Die Zulassung verzögerte sich nach zwei Abstürzen der MAX 8, bei denen 346 Menschen ums Leben kamen, und später wegen eines Problems mit der Triebwerksvereisungsschutzanlage. Die MAX 10 erhält ein verbessertes Anstellwinkelsystem, das fehlerhafte Sensormessungen erkennen soll – der Ausfall, der beiden Abstürzen zugrunde lag. Boeing zufolge soll das System künftig bei allen MAX-Maschinen serienmäßig sein. Die Zulassung gilt für die USA. Fluggesellschaften in Europa, darunter Ryanair, benötigen zusätzlich eine Validierung durch die Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit; dabei handelt es sich um ein separates Verfahren.

Was der Aufschwung noch nicht behoben hat

Der skeptische Blick richtet sich auf den Cashflow. Bei einem Umsatz von 24,2 Milliarden Dollar belief sich der freie Cashflow auf 464 Millionen Dollar. Über die ersten neun Monate hinweg verbrannte Boeing dennoch 359 Millionen Dollar. Im operativen Cashflow waren rund 0,7 Milliarden Dollar an Vergleichszahlungen an das US-Justizministerium enthalten. Zudem stehen Schulden von 45,9 Milliarden Dollar Barmitteln und Anlagen in Höhe von 20,7 Milliarden Dollar gegenüber.

Die übrigen Geschäftsbereiche stützten das Quartalsergebnis. Defense, Space and Security erzielte eine Marge von 6,2 Prozent, begünstigt durch einen Gewinn von 252 Millionen Dollar aus dem Verkauf von HRL Laboratories. Global Services erwirtschaftete etwas mehr als eine Milliarde Dollar. Vorstandsvorsitzender Kelly Ortberg bezeichnete die Zulassungen der 737-7 und der 737-10 als wichtige Fortschritte und fügte hinzu: „Aber wir sind noch nicht am Ziel.“

Die FAA ließ die MAX 10 am 20. Oktober zu. Boeing zufolge sollen die Auslieferungen in den kommenden Monaten beginnen. Der Konzern legte seine Ergebnisse am 27. Oktober vor und erklärte, die 777X liege für eine erste Auslieferung 2027 weiterhin im Zeitplan. Die Produktion der 787 bleibe bei acht Maschinen pro Monat. Die Entscheidung der US-Marine, Boeing für das Kampfflugzeug F/A-XX auszuwählen, ist noch nicht im Auftragsbestand berücksichtigt, solange die Überprüfung der Auswahlentscheidung aussteht.

Boeing hat nun für jede Version der 737 MAX die Zulassung und mehr Airlines als je zuvor warten auf ihre Maschinen. Was dem Unternehmen weiterhin fehlt, ist ein Weg, Verkehrsflugzeuge profitabel zu bauen.

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