Filmkritiken

Der Exorzist bleibt das Maß aller Dinge im amerikanischen Horrorfilm — unerreicht, ungelöst, unverändert verstörend

William Friedkins Meisterwerk von 1973 erschüttert noch heute Nerven und Glaubensfragen gleichermaßen.
Martha O'Hara
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Sie schreit. Ihr Kopf dreht sich mit unmöglicher Gewalt nach hinten, die Augen verdreht, bis nur noch das Weiße sichtbar ist. Regan MacNeil, ein Mädchen von zwölf Jahren, wird von etwas getrieben, das kein Teil dieser Welt zu sein scheint. Diese Szene, so schockierend sie auch ist, markiert nicht den Höhepunkt des Horrors in William Friedkins Der Exorzist, sondern nur den Beginn eines Abgrunds, der sich vor uns auftut.

Der Exorzist ist kein Film, der mit Jump-Scares arbeitet oder billige Gruselklischees bedient. Stattdessen baut er eine beklemmende Atmosphäre auf, die sich langsam, aber unaufhaltsam um den Zuschauer legt. Friedkin und sein Drehbuchautor William Peter Blatty, der das Drehbuch nach seinem eigenen Roman adaptierte, schaffen es, das Übernatürliche mit dem Alltäglichen zu vermischen. Die Geschichte beginnt scheinbar harmlos: Eine junge Schauspielerin, Chris MacNeil (Ellen Burstyn), bemerkt seltsame Veränderungen im Verhalten ihrer Tochter Regan (Linda Blair). Doch was zunächst wie eine Phase der Pubertät wirkt, entpuppt sich schnell als etwas weitaus Schrecklicheres. Der Film verankert den Horror in einer realistischen Umgebung – ein Haus in Georgetown, Washington D.C., das trotz seiner Luxusausstattung zum Schauplatz eines Kampfes zwischen Gut und Böse wird.

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Die Darstellungen sind es, die Der Exorzist trägt. Ellen Burstyn als besorgte Mutter Chris MacNeil liefert eine Leistung voller Verzweiflung und Wut. Ihr Charakter ist keine passive Beobachterin, sondern kämpft aktiv gegen das Unfassbare an. Linda Blair als besessene Regan schafft es, sowohl die Unschuld des Mädchens als auch die grausame Entstellung durch den Dämon zu verkörpern. Besonders beeindruckend sind Max von Sydow als Vater Lankester Merrin und Jason Miller als Vater Damien Karras. Merrin bringt die kühle Sicherheit eines Mannes mit, der dem Bösen schon oft genug begegnet ist, um nicht mehr zu erschaudern – was ihn, paradoxerweise, verletzlicher macht als Karras, der noch nach dem Glauben sucht, den er zu verlieren droht. Ihre Zweifel und ihr Glaube stehen im Mittelpunkt des Konflikts. Merrin stirbt während des Exorzismus in Regans Zimmer – ein stiller, fast sakraler Tod, erschütternd nicht wegen expliziter Gewalt, sondern wegen dessen, was er über die schiere Erschöpfung des Glaubens aussagt. Karras lässt am Ende den Dämon in sich eindringen und wirft sich die Stufen in Georgetown hinunter – ein Opfer, das dem Film eine seltsame, fast erlösende Gnade verleiht.

Friedkins Regie ist präzise und unnachgiebig. Er nutzt lange Einstellungen und dokumentarische Stilmittel, um die Realität der Besessenheit zu unterstreichen. Die Kameraarbeit ist oft statisch, was den Zuschauer zwingt, sich dem Horror direkt zu stellen. Besonders eindrucksvoll ist die Szene, in der Regan mit ihrem Bett schwebt – ein einfacher, aber effektiver Spezialeffekt, der selbst heute noch beunruhigend wirkt. Das Sounddesign verstärkt diese Wirkung: Das Knarren der Türen, das Flüstern aus dem Nichts und das markerschütternde Schreien Regans sind ebenso Teile des Horrors wie die visuellen Elemente.

Doch nicht alles funktioniert perfekt. Der Film neigt dazu, sich in seinen eigenen religiösen Debatten zu verlieren. Wenn Karras seinen Glaubensverlust in Worte fasst – zögernd, als würde er damit etwas verraten – oder wenn die Priester kurz vor dem Ritual die Grenze zwischen Psychiatrie und Besessenheit zu ziehen versuchen, zieht das die Spannung merklich heraus. Die Dialoge sind thematisch notwendig, aber in einigen Passagen wirkt es, als hätte Blatty den Filmautor nicht vollständig hinter dem Romancier verstecken können.

Trotz dieser Schwächen bleibt Der Exorzist ein Film, den man nur schwer kategorisieren kann – zu streng für puren Horror, zu körperlich für bloße Allegorie. Friedkin und Blatty haben einen Film geschaffen, der den Glauben nicht als beruhigendes Mittel, sondern als schmerzhaften Kampf begreift – als etwas, das man mit dem Körper bezahlt, nicht nur mit dem Herzen. Das ist ein Anspruch, den das Genre selten erhebt, und noch seltener einlöst.

Der Exorzist ist kein Film, den man leicht vergessen kann. Seine Bilder brennen sich ein; seine Fragen über Schuld, Glauben und das Ausmaß des menschlichen Opfers bleiben lange nach dem Abspann bestehen – unangenehm, ungelöst, unauslöschlich.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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