Kino

Milcho Manchevskis jahrelang blockierter Film Sister Brother Manhole Cover feiert in Tokio Premiere

Molly Se-kyung
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Nur wenige Debüts werfen einen so langen Schatten wie Before the Rain. Милчо Манчевски (Milcho Manchevski) gewann mit seinem ersten Spielfilm den Goldenen Löwen von Venedig und erhielt eine Oscar-Nominierung – über Nacht wurde der nordmazedonische Regisseur international bekannt. Sein neuer Film läuft nun im Wettbewerb des Tokyo International Film Festival und bringt eine andere Geschichte mit: Wie er berichtet, lag das Projekt jahrelang auf Eis, nachdem er die Filmagentur seines Landes der Korruption beschuldigt hatte.

Wie Variety berichtet, erzählt Sister Brother Manhole Cover als schwarze Komödie von den Geschwistern Малина und Виктор, die sich im postkommunistischen Mazedonien mit dem Diebstahl bronzener Büsten nationaler Helden und Kanaldeckel über Wasser halten, um das Metall zu verkaufen. Als Виктор bei einem Coup schwer verletzt wird, handelt Малина einen Deal mit einem korrupten Arzt aus. Die beiden müssen fliehen und finden Unterschlupf bei der wohlhabenden, blinden Mutter des Arztes, Тодора.

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„Ich wollte eine Geschichte über eine Art Liebe erzählen, die in Filmen selten im Mittelpunkt steht und doch so wunderschön ist: die Liebe zwischen Bruder und Schwester“, sagt er gegenüber Variety. Er will die beiden nicht zu bemitleidenswerten Figuren machen: „Armut ist nicht malerisch. Sie ist schmerzhaft und entwürdigend.“ Die Büsten stehen für die Werte, denen eine Gesellschaft angeblich Ehre erweist, während sie Menschen wie Малина und Виктор im Stich lässt. Die Kanaldeckel, sagt er, „halten den Deckel auf der Hässlichkeit der Gesellschaft, auf ihrem unterirdischen Abwasserkanal“.

Die Enthüllungen sind kein bloßer Subtext. „‚Sister Brother Manhole Cover‘ wurde nach seiner Finanzierung jahrelang blockiert. Nachdem ich Korruption bei der Filmagentur gemeldet hatte, die bis hinauf zum Ministerpräsidenten reicht, war ich politischer Schikane, einer medialen Hetzkampagne und strafrechtlichen Ermittlungen ausgesetzt“, sagt Манчевски. Er erklärt, zwei Gerichtsverfahren gegen die Agentur gewonnen zu haben; die Staatliche Kommission zur Korruptionsprävention und der Staatliche Rechnungshof hätten seine Darstellung bestätigt. Rückhalt habe er zudem vom Filmfestival von Venedig, von Whistleblowing International und Transparency International erhalten. Nachdem die Blockade aufgehoben war, drehte er den Spielfilm parallel zu Good People, einem Dokumentarfilm über die Menschen, die vom Brand im Nachtclub von Kočani betroffen waren.

Seine schärfste Formulierung richtet sich nicht nur gegen den Umgang mit seinem eigenen Fall. „Viele Festivals und (europäische) Filmfonds haben ihre Aufgabe aufgegeben, mutige Filme zu fördern und zu stärken“, sagt er. „Dieses Ökosystem ist mitschuldig am Tod der Schönheit im zeitgenössischen Kino.“ Der Film ist eine Koproduktion aus Nordmazedonien, Bulgarien, Serbien, Albanien, Italien und Großbritannien und wurde von Jane Кортошев (Jane Kortoshev) für Banana Film produziert. Сара Климоска (Sara Klimoska) und Филип Трајковиќ (Filip Trajkovikj) spielen die Hauptrollen; Coccinelle Film übernimmt den Weltvertrieb.

Tokio ist vertrautes Terrain: Манчевски besucht das Festival zum vierten Mal, und sein vorheriger Spielfilm Kaymak lief dort 2022 im Wettbewerb. Before the Rain stammt aus dem Jahr 1994; zu seinen späteren Arbeiten zählen Dust, der 2001 die Filmfestspiele von Venedig eröffnete, und eine Folge der HBO-Serie The Wire. Als Nächstes steht Homecoming an, eine Geschichte über Reue und Vergebung.

Auf der Leinwand hebeln zwei Geschwister die Deckel auf, unter denen sich die Abgründe einer Gesellschaft verbergen. Abseits der Leinwand kämpfte der Regisseur jahrelang gegen jene Agentur, die den Film auf Eis gelegt hatte. Nun läuft das Ergebnis im Wettbewerb von Tokio.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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