Filmkritiken

Top Gun: Maverick ist der Blockbuster, der das Kino als Erlebnis rettet

Joseph Kosinskis Fortsetzung von 2022 setzt auf echte Flugaufnahmen und macht aus bekanntem Stoff ein Fest des handgemachten Spektakels.
Martha O'Hara
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Top Gun: Maverick beginnt mit einem Mann, der nicht aufhören kann. In der Darkstar-Sequenz, mit der der Film Pete „Maverick“ Mitchell wieder einführt, erreicht der Testpilot die geforderte Zielgeschwindigkeit. Dann drückt er den Hyperschallprototyp über Mach 10 hinaus, und die Maschine geht verloren. Das Programm sollte ohnehin gestrichen werden, Maverick hätte also nichts mehr beweisen müssen. Er tut es trotzdem. Tom Cruise spielt ihn mit dem Trotz eines Mannes, der seit über dreißig Jahren jeder Beförderung ausweicht, weil sie ihn am Boden festhalten würde. Dass seine Laufbahn überhaupt noch läuft, verdankt er einem alten Rivalen und Freund: Tom „Iceman“ Kazansky, der ihn an die Top-Gun-Schule versetzen lässt.

Joseph Kosinski inszeniert das mit einer Klarheit, die im Actionkino selten geworden ist. Die Luftkämpfe sind übersichtlich geschnitten, die Geografie der Manöver bleibt lesbar, und selbst im hektischsten Moment weiß man, wer wo fliegt. Gedreht wurde mit IMAX-zertifizierten 6K-Full-Frame-Kameras, und die Flugszenen haben eine Wucht und Schärfe, die nach der großen Leinwand verlangen. Auf einem Telefon wäre dieser Film verschenkt.

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Die Mission, auf die alles hinausläuft, ist als Aufgabe angenehm greifbar. Eine nicht genehmigte Urananreicherungsanlage in einem unterirdischen Bunker am Ende eines Canyons muss zerstört werden, bevor sie in Betrieb geht. Boden-Luft-Raketen, GPS-Störsender, Su-57-Jäger und F-14 Tomcats schützen sie. Weil die Störung der Satellitennavigation den Einsatz der F-35 unmöglich macht, plant Maverick den Angriff mit zwei Paaren F/A-18E/F Super Hornet und lasergelenkten Bomben. Das ist schlicht, fast brettspielhaft, und gerade deshalb trägt die Spannung. Man versteht, was schiefgehen kann, noch bevor es schiefgeht.

Der emotionale Kern liegt woanders. Unter den jungen Top-Gun-Absolventen, die Maverick ausbilden soll, ist Bradley „Rooster“ Bradshaw, der Sohn seines verstorbenen besten Freundes. Miles Teller spielt ihn mit angespannter Zurückhaltung, Cruise antwortet darauf mit Schuldgefühl und Sturheit zugleich. Eine Aussprache, die alles auf einmal klärt, gibt es nicht. Die Annäherung bleibt Stückwerk, und das passt zu zwei Männern, die lieber fliegen als reden. Daneben bleiben die Jüngeren blasser. Monica Barbaro als Phoenix, Lewis Pullman als Bob und Glen Powell haben ihre Momente, doch für mehr als Skizzen ist der Platz knapp.

Jennifer Connelly bringt als Penny Benjamin Wärme und trockenen Humor in einen Handlungsstrang, der auf dem Papier nach Pflichtprogramm aussieht. Jon Hamm gibt Admiral Beau „Cyclone“ Simpson, und Ed Harris ist ebenfalls dabei, doch beide haben im Vergleich zu Cruise wenig Raum. Val Kilmer kehrt in seiner letzten Filmrolle als Iceman zurück, inzwischen Kommandeur der Pazifikflotte und der Grund, warum Mavericks Laufbahn nicht längst beendet ist. Die Szenen mit Kilmer sieht man nicht unbefangen, weil man weiß, dass es seine letzten sind.

Die Geschichte selbst bleibt ohne Überraschungen. Der Held stellt sich seinen Ängsten, bringt den Jungen bei, dass es beim Fliegen nicht nur um Technik geht, und wird am Ende wie üblich mehr gefordert, als vernünftig wäre. Auch die Lage in Feindesland, in die Maverick nach dem Schleudersitz-Ausstieg gerät, kommt einem nicht unbekannt vor. Das stört weniger, als man erwarten würde. Der Film erzählt seine einfache Geschichte mit so viel Ernst und so wenig Ironie, dass man ihm folgt.

Die Musik stammt von Harold Faltermeyer und Hans Zimmer, die das alte Thema aufgreifen, ohne darin zu versinken. Lady Gagas „Hold My Hand“ steht auf dem Soundtrack, prägt den Film aber weit weniger als die Flugszenen. Dass er den Oscar für den besten Ton gewann, überrascht nicht. Wer das Dröhnen der Triebwerke im Kinosaal erlebt hat, vergisst es so schnell nicht.

Dass diese Bilder überhaupt auf der Leinwand landeten, war lange offen. Die Fortsetzung wurde 2010 angekündigt, nach dem Tod von Regisseur Tony Scott 2012 stand das Projekt still, und der Film ist seinem Andenken gewidmet. Der Start verschob sich mehrfach, erst wegen der aufwendigen Flugsequenzen, dann wegen der Pandemie. Streamingdienste boten dem Studio Geld, doch auf Cruises Anweisung wurden alle Angebote abgelehnt: Der Film sollte ausschließlich ins Kino. Das Kalkül ging auf. Die Kritik lobte ihn überwiegend, viele hielten ihn für besser als das Original von 1986, und mit rund 1,5 Milliarden Dollar weltweit ist er der erfolgreichste Film in Cruises Karriere. Dazu kamen sechs Oscar-Nominierungen, darunter die als bester Film.

Zwei Stunden und elf Minuten dauert das. Jeden Handgriff dieser Geschichte hat man schon einmal gesehen. Selten aber hat ihn jemand so sauber ausgeführt.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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